ego-Sana auf igosana

Mit seiner Schreiberei verfasst David Koller Sonderseiten über Luzerner Gemeinden. Bei der letzten Ausgabe zu Altbüron hat sich in einer Bildlegende ein kleiner Fehler eingeschlichen.

Aus Der Nebel verzieht sich aus Altbüron wurde Der Nebel verzieht ich aus Altbüron.

Ein Leser machte mit in einer geistreichen Zusendung aufmerksam auf den Lapsus. Diesem digital zugestellten Bild…

…hängte er folgenden Kommentar an: Ego-sana in der Bildlegende. 

Das gefällt uns. Gleichwohl geben wir zu bedenken: Herrn Koller wird mitunter ein etwas gar überzogenes Ego unterstellt. Ganz so doll ist es denn aber doch nicht. Das Wetter beeinflussen zu können, masst sich der Schreiber nicht an. Überdies ist ein solch dummer Fehler nicht unbedingt Balsam für die Seele – eher das Gegenteil.

Aber abgesehen davon sind die Sonderseiten über die Gemeinden wirklich ultimativ obergenial – durchaus im Stande, Nebel zu vertreiben.

Fake News – als es sie (offiziell) noch nicht gab

Spätestens seit dem Wahlkampf des unsäglichen Donald Trump sind die Begriffe Fake News oder Alternative Facts allen bekannt. Leider! Es gab sie schon zuvor, indes liess sich damals noch besser darüber lachen. Das zeigt sich am Beispiel der Berichterstattung über Asiana-Airlines Flug 214, der im Juli 2013 in San Francisco bruchlandete.

Unmittelbar nach diesem tragischen Ereignis gingen einige Medien einer Falschmeldung auf den Leim, die David Koller zu einer Glosse veranlasste. Dieser haben wir uns heute erinnert, und wollen sie noch einmal aufbrühen. Denn sie war – keine Fake News! –  so schlecht nicht. Zumal sie einen kühnen Bogen zur schon damals angespannten Finanzlage des Kantons Luzern schlug.

Journalistische Bruchlandungen

Als diesen Juli eine koreanische Boeing bei der Landung in San Francisco verunglückte, leistete sich ein amerikanischer TV-Sender einen üblen Schnitzer. Im Rennen um die aktuellsten Infos nannte er die vermeintlichen Namen der Piloten: Sum Ting Wong, Wi Tu Lo, Ho Lee Fuk und Bang Ding Ow. Was im ersten Moment asiatisch klingen mochte, entpuppte sich als übler Scherz. Denn statt um Namen handelte es sich um die Verballhornung der englischen Ausrufe «something wrong», «we too low», «holy» – ergänzt mit dem F-Wort, das die puritanischen US-Fernsehsender jeweils mit einem Piepston überlegen – und «bang, ding, ow». Auf Deutsch: «Hier stimmt was nicht», «wir (sind) zu tief», «heilige Scheisse», «bumm, krach, autsch.»

Selber schrammte ich jüngst zweimal an ähnlichen journalistischen Bruchlandungen vorbei; in Artikeln über das derzeitige Haupttraktandum der politischen Agenda Luzerns – die betrübliche Finanzlage. Aus unerfindlichen Gründen tendiere ich dazu, Senkung mit Erhöhung zu verwechseln. So titelte ich vor zwei Monaten: «Gretchenfrage Steuersenkung». Diesen Lapsus zog ich im Text konsequent durch. Trotz mehrfachem Durchlesen fiel er mir nicht auf. Erst mein Chef konnte in der Schlusskontrolle einen Durchstart einleiten und den Gau abwenden. Ho Lee Fuk!

Sum Ting Wong! Wieso mein Unterbewusstsein immerzu von Steuersenkung statt -erhöhung berichten will, bleibt mir ein Rätsel. Um einen Freud’schen Verschreiber kann es sich nicht handeln. Denn als Spross eines CVP-Hauses wurde mir nicht eben überschäumende Liebe für den Liberalismus in die Wiege gelegt. Die Antipathie ist geblieben, obwohl ich mich politisch längst emanzipiert habe und auf mich gemünzt das Vorurteil nicht ganz in Abrede stellen kann, Journalisten würden eher nach links steuern – ausser natürlich die strammen Mannen von Captain Köppels «Weltwoche». Am letzten Freitag rasselte ich erneut fast in die Falle. Um ein Haar hätte ich der Luzerner SP den Wunsch nach tieferen Steuern unterstellt. Bang Ding Ow! Immerhin habe ich den Lapsus dieses Mal selbst bemerkt. Für den Fall, dass ich dereinst dennoch reinfliegen sollte und in der kantonalen Fiskalpolitik von Beibehalten statt Kurswechsel schreibe, halte ich hier schon mal prophylaktisch fest: Wi tu Lo!

Willisauer Bote (WB), 25. Oktober 2013
© David Koller, 2013

* Mehr über Kollers Technik-Fimmel gibt es hier.

Das Trump-Paradoxon

The Donald ist wieder weg. Das ist gut so. Indes hinterlässt sein Besuch ein grosses Fragezeichen.

Es ist paradox. Zuerst schimpft ein ganzes Land darüber, was für ein dummer, engstirniger, sexistischer und rassistischer Primitivling der amerikanische Präsident doch ist. Dann reist ebendieser in die Schweiz und alle verfallen einer regelrechter Trump-Euphorie, vorab die Medien. Plötzlich scheint man stolz darauf zu sein, dass dieser Vollhorst uns die «Ehre» erweist.

Was bitte war da los? Hier eine Auflistung der fünf grössten Peinlichkeiten der geradezu trumpbesoffenen Schweizer Medienlandschaft:

  • Rang 5: Handwerkliche Grundregeln werden über Bord geworden. Auch unscharfe Fotos dürfen publiziert werden. Hauptsache, die Tolle ist drauf.
  • Rang 4: Die Push-Nachrichten-Diarrhoe  diverser Medien, allen voran des «Tagesanzeigers»: Fast schon im Minutentakt gingen sie ein. Trump gestartet, Airforce One im Anflug, Trump gelandet, Trump auf dem Klo, …
  • Rang 3: Der «Blick» ist sich nicht zu blöd, in riesen Lettern auf seiner Frontseite «Welcome Mister President!»  zu schreiben. Nein, war er nicht, herrgottnochmal! Trump ist immer noch der selbe dumme,  engstirnige, sexistische und rassistische Primitivling wie zuvor.
  • Rang 2: Kommentare von Autoren im Nachgang auf das bizarre Ereignis in Davos wie etwa jener in der «Luzerner Zeitung» mit dem Titel: «Ein Erfolg für die Schweiz».
  • Rang 1: «Blick»- Chefredaktor Christian Dorer benimmt sich wie ein Groupie am Konzert einer Teenieband und ergattert sich von Donald Trump ein Autogramm auf der Titelseite mit dem fragwürdigen Willkommensgruss.
Stolz präsentiert der «Blick», wie Donald Trump die Titelseite signiert. Rechts im Bild: «Blick»-Chefredaktor Christian Dorer. Quelle: Blick online

Der alte Mann mit dem absurd gewaltigen Tross ist wieder weg. Er hinterlässt etliche Schweizer Medien, die sich in den vergangenen Tagen fast genauso doof und widersprüchlich verhalten haben wie wir es von ihm gewohnt sind.

Bleibt zu hoffen, dass zukünftig andere zwielichtige Gestalten – etwa Erdogan oder Putin – nicht mit dem selben unkritischen Brimborium empfangen werden, falls die uns mal «beehren».

Unverstand

Der Journalismus stecke in der Krise, heisst es. Die Qualität befinde sich ob der laufenden Sparmassnahmen im ungebremsten Sinkflug. Dem ist wohl so – leider. Hierzu zitieren wir aus «Unschuld» von Jonathan Franzen:

Journalismus war epigonales Leben, epigonaler Sachverstand, epigonale Welthaltigkeit, epigonale Intimität; ein Thema beherrschen, nur um es gleich wieder zu vergessen, sich mit Leuten anfreunden, nur um sie gleich wieder fallenzulassen.

Nun, mit Blick auf das Schaffen gewisser Redaktionen – zumal im online-Bereich, aber leider längst nicht nur – erscheint mitunter selbst diese nicht eben schmeichelhafte Umschreibung übertreiben. Sachverstand ist mit Blick auf gewisse Machwerke ein doch etwas gar grosses Wort.

PS: epi|go|nal – unschöpferisch, nachahmend

Machs wie Willis!

Wir haben mal wieder in der Mottenkiste gewühlt und sind auf diesen Text gestossen. Nur schon des Bildes wegen lohnt sich eine Zweitpublikation. Zum ersten Mal erschienen ist das hier leicht überarbeitete Machwerk  als «Carte Blanche»  im «Willisauer Boten» vom 14. Juni 2013.

Unterwäsche für echte Kerle

Kennen Sie Bruce Willis? In der Regel fällt der US-amerikanische Schauspieler nicht unbedingt durch geistreiche Filme auf, wohl aber durch actiongeladene. Er ist der Mann fürs Grobe. Schon so oft hat er auf der Leinwand die Welt gerettet oder ganze Heerscharen von Bösewichten dingfest gemacht. Ein echter Kerl. Glatzköpfig und muskelbepackt. Beim Showdown seiner Streifen – wenn massenhaft Kugeln und schlechte Menschen durch die Luft fliegen – sprintet er oft im weissen Unterhemd irgendjemanden hinterher oder davon. Meistens ist das Kleidungsstück dann nicht mehr ganz taufrisch, sondern blut- und ölverschmiert.

Nichts habe ich mit Willis gemein. Weder bin ich ein harter Kerl noch muskulös; statt einem Waschbrett- habe ich einen Waschbärbauch. Und schiessen kann ich auch nicht. Mitnichten ist mein Leben ein Actionfilm. Müsste ich es mit einem cineastischen Werk vergleichen, dann wohl am ehesten mit «Buchhalter Nötzli». Dennoch gibt es eine Parallele zum Leinwand-Haudegen: Auch ich trage weisse Unterhemden, auch ich bin stolz auf diesen textilen Anachronismus. In meinen Augen hat das umstrittene Stück etliche Vorteile, obwohl es als altmodisch verpönt ist und als bünzlig gilt, ja als Sextöter.

So stimme ich hier an zu einer Ode auf das Unterhemd. Überaus praktisch ist es. Denn es gibt warm – immer schön die Niere schützen, habe ich als Kind gelernt; auch Helden sollten sich daran halten. Und: Einem so nahe am Wasser gebauten wie mir – nicht in Sachen Tränen, sondern Transpiration – leistet es auch im Sommer treue Dienste. Meine Schweiss-Sammler sind zwar nicht blut- oder ölverschmiert. Aber in ihnen fühle ich mich stark. Sie sind das Refugium meiner kümmerlichen Männlichkeit. Deswegen behaupte ich, längst nicht der einzige Weisshemd-Jünger zu sein. Viele tragen sie, getrauen sich aber nicht, dazu zu stehen.

Damit muss jetzt Schluss sein. Emanzipiert euch, ihr Unterdrückten! Wider das Diktat der Modeindustrie! Trägt die hässliche Unterwäsche mit geschwollener Brust, führt euch auf wie echte Kerle. Die Welt müsst ihr nicht zwingend retten, und auch keine Ganoven einkassieren. Aber friert und schwitzt nicht. Fühlt euch wohl. So wie ganz normale Actionhelden. Wie der Willis von nebenan, wie der wilde Nötzli.

Willisauer Bote (WB), 14. Juni 2013
© David Koller, 2013