Eiger, Kander und Nef

Der WK ist vorüber, die grünen Kleider im Schrank verstaut. Ein letztes Mal werden sie in einem Jahr nochmals hervorgeholt. Auch wenn sie nun vorbei sind, unkommentiert sollen die drei Wochen in Kaserne von Stans nicht bleiben. Denn es ist halt schon unsäglich, was sich diese Armee immer noch erlaubt.

Da wird Geld verprasst und die Umwelt verpestet, ohne  auch nur mit einer Wimper zu zucken. Da werden Soldaten mit dieselsaufenden Fahrzeugen mehrmals täglich auf Patrouillen geschickt, angeblich der Sicherheit zu Liebe – etwas Aussergewöhnliches haben sie noch nie, und werden sie nie entdecken. Und da werden mit Unmengen von Munition Gewehrläufe glühend geschossen und Hänge mit Blei vollgepumpt. Aber wieso aufregen? Es war doch schon immer so.

Eiger, Kander und Nef: Das Militär, dieser arg skandalgebeutelte Trachtenverein, versucht sich mit allen Mitteln vor weiteren Negativschlagzeilen zu schützen. Sinnlose Rituale wie die Hamburgertaufe – das organisierte Abfüllen und Diskriminieren von jungen Soldaten die ihren ersten Wiederholungskurs absolvieren – sind jetzt offiziell verboten. An nicht minder nutzlosen Ritualen wird aber festgehalten. Etwa dem peniblen Einhalten von Kleidungsvorschriften oder dem strikten Verbot, die Hände in die Hosentaschen zu stecken.

Eigentlich hat es gar keinen Wert, sich öffentlich über das Militär aufzuregen. Wer immer noch Dienst leistet, ist selber Schuld. Und wer für die neuen milliardenteuren Spielzeuge der Generäle ist, die Kampfflugzeuge, der tut dies wohl einzig aus Gründen der Nostalgie, oder weil er Lärm liebt. Gleichwohl soll dieses Pamphlet mit Worten geschlossen werden, die auf einer unendlich langen Wache in der letzten WK-Woche entstanden sind:

«Nein, Militär macht gewiss keinen Sinn. Militär ist Leerlauf, Warten, Warten und – immerhin das – sehr viel Lesen. Und Militär ist der Umgang mit überforderten Vorgesetzten die es fertig bringen, Einsatzpläne mehrmals täglich neu zu schreiben und die Schuld dafür immer anderen in die Schuhe zu schieben.

Sowieso, die Vorgesetzten: Es gibt viele, die sich als Kameraden geben. Aber es gibt auch jene, die immer noch andauernd keifen, wie weiland in der Rekrutenschule. Sie geniessen es sichtlich, für einmal über Macht zu verfügen – es sei ihnen vergönnt.

Es sind aber nicht die Offiziere und Unteroffiziere, die das Leben in der Kaserne unangenehm machen. Am allerschlimmsten sind jene Soldaten, die über das Kader fluchen – wie dies alle tun –, es dann aber sichtlich geniessen, sich im Kreise von Offizieren aufzuhalten; dann um Anerkennung heischend wie hechelnde und schwanzwedelnde Pudel. Oder jene, die ihre Kameraden mit tadelndem Ton auf ein unkorrektes Tenue aufmerksam machen. Sie zeigen, dass diese lächerliche Armee trotz allem immer noch Anhänger hat.»

Kommentar verfassen

Du kannst die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>