Dovidjenja Yugo

«Wann hat deiner das letzte Mal funktioniert?» oder «warum hat der Yugo eine beheizte Heckscheibe? Damit man beim Anstossen keine kalten Hände bekommt.» Witze über ihn gibt es zu Hauf, jetzt ist er Geschichte: Ende November stellt der serbische – von Fiat zu 67 Prozent übernommene – Autoproduzent Zastava (Deutsch: Flagge) die Produktion des Kultwagens Yugo ein.

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Diese Wandwerbung in Novi Sad wird hoffentlich trotz Einstellung der
Produktion des Yugos nicht mit Farbe übertüncht werden.
(Foto David Koller)

Aus Anlass des Ablebens der Balkan-Ikone veröffentlicht igosana.ch voller Wehmut einen Nachruf an ein Stück südslawische Autogeschichte (teils schamlos abgekupfert von der Neuen Zürcher Zeitung):

Es gilt Abschied zu nehmen von einem Meisterstück balkanischer Ingenieurskunst – einem Meisterstück, das es vor allem kraft seiner Unvollkommenheit zu internationaler Berühmtheit brachte: vom Kompaktwagen Yugo. Die Produktion des 1981 im damaligen Jugoslawien erstmals präsentierten Autos wird eingestellt. Der verschrobene Charme des Gefährts, das vom amerikanischen Nachrichtenmagazin «Time» einst in die Liste der 50 schlechtesten Autos der Welt aufgenommen wurde, wird zusehends seltener auf den Strassen zu bestaunen sein.

Noch 5400 Autos pro Jahr

Der Niedergang des Yugos hat ökonomische Gründe. Aber nicht nur. Er steht auch im Zusammenhang mit den kriegerischen Wirren im ehemaligen Jugoslawien. Zastava war einst eines der grössten Industriekonglomerate Südosteuropas. Da es neben Fahrzeugen auch Waffen produzierte, sah sich das Werk im Frühjahr 1999 massiven Angriffen durch Nato-Flugzeuge ausgesetzt. Die Montagehallen wurden durch 21 Bomben grösstenteils zerstört. Der einstige Vorzeigekonzern konnte sich vom Kriegsschock nie erholen. Rollten in den besten Zeiten jährlich über 200 000 Yugos vom Band, waren es am Ende noch knapp 5400.

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Yugo Skala: 1116 ccm, 55 PS, 0-100 km/h: 16 sec. (Foto Werk)

Kultsatus in den USA

Dabei galt der Yugo – die erste Eigenkonstruktion von Zastava – anfänglich als Erfolgsgeschichte. Drei Jahre nach Beginn der Produktion wurde das Auto nach Grossbritannien exportiert,  ab 1986 war der Wagen als Yugo Amerika auch in den USA erhältlich. Dort fand er dank dem niedrigen Preis von 3990 $ eine Nische: 1987 wurden in den USA 48 000 Yugos abgesetzt, mehr als ein Fünftel der  Jahresproduktion. Die vernichtenden Kritiken der Fachpresse am technisch anspruchslosen und  reparaturanfälligen Wagen änderten wenig daran, dass von bisher 800 000 produzierten Yugos über 140 000 Stück in den USA abgesetzt wurden.

In Amerika kommt dem serbischen Flitzer dank seiner miserablen Reputation Kultstatus zu. Zahlreich sind die Hollywoodfilme mit einem ironisierenden Yugo-Auftritt. Auch in der Literatur wurde ihm mehrmals ein Denkmal gesetzt. In Musikvideos kommt er ebenfalls zu – zweifelhaften – Ehren: In Metallicas «The Day That Never Comes» blockiert ein defekter Yugo auf einer Wüstenstrasse ein Militärfahrzeug.

Renzo und Nella weibeln für den Yugo

Igosana.ch verurteilt diese Verunglimpfungen aufs Schärfste. Das ist nicht nett, das hat der Yugo nicht verdient. Wer einmal seine verbleiten Abgase eingeatmet hat; oder wer gar das Vergnügen hatte, die Platzverhältnisse im kuschelig engen Fonds der Balkan-Perle zu geniessen, der kann dieses Auto nicht vergessen. Aus diesem Grund hat die Redaktion ein Aktionskomitee um den tollen Renzo Blumenthal und die unvergessliche Nella Martinetti ins Leben gerufen, die sich für die Wiederaufnahme der Produktion einsetzen.

Sollte das Vorhaben der zwei Prominenten wider aller Erwarten scheitern, sagt die Redaktion von igosana.ch voller Wehmut: Dovidjenja Yugo. Hoffentlich bist du trotz allem noch lange auf den Strassen des Balkans anzutreffen.

One comment

  1. Tante Helga

    Ich durfte sogar noch mit so einem Teil fahren und mit Erschrecken feststellen, dass die Kupplung während der Talfahrt nicht nur schletzte, sondern überhaupt nicht mehr funktionierte. Nix, nada, niente. Ach waren das noch Zeiten…Das Teil ist leider auch Geschichte.

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