Eine kleine Weihnachtsgeschichte

Die Medien stecken in der Krise. Auch igosana.ch muss sparen. In der Redaktionskasse klafft seit Wochen ein riesiges Loch. Unlängst sind die für das Verfassen der Artikel zuständigen Paviane (mehr über die Organisation von igosana.ch gibts hier) wegen ausstehenden Lohnzahlungen in den Streik getreten. Aus diesem Grund ist die nachfolgende Weihnachtsgeschichte von geradezu beängstigender literarischer Qualität. Wunderschön ist sie trotzdem:

Renzo Blumenthal und Sven Epiney, zwei Schweizer Prominente, nahmen sich vor, zu Weihnachten eine gute Tat zu tun. «Renzo, wir beide sind sehr schön, sehr lustig, sehr spontan und sehr beliebt. Uns geht es gut. Wir wollen unser Glück mit Menschen teilen, denen die Sonne weniger lacht. Gerade jetzt, in diesen Zeiten der Wirtschaftskrise», sagte Sven Epiney. Sein Gesicht strahlte wie ein sowjetischer Atomreaktor kurz nach der Kernschmelze; so wie es eben nur sympathische Fernsehmenschen können.

«Warum backen wir nicht einen der berühmten und sehr feinen Sven’s Schoggikuchen™ und verteilen ihn an arme Leute», schlug Sven Epiney vor. Renzo Blumenthal war nicht restlos begeistert von der Idee. «Wir könnten auch einen Fotografen der Schweizer Illustrieten einladen, der mich und dich zusammen mit meinem süssen Söhnchen Moreno ablichtet. Stell dir vor, wie sehr diese Bilder den krisengebeutelten Schweizerinnen und Schweizer gut tun würden.»

sven-und-renzo.JPG

Sind sich nicht zu schade, den von der Wirtschaftskrise gebeutelten Schweizerinnen und Schweizern eine Weihnachtsfreude zu bereiten: Renzo Blumenthal (links) und Sven Epiney. (Foto SF DRS)

Die beiden kamen nicht weiter. Jeder befand seine Idee für die bessere. «Lass uns einen Schiedsrichter heranziehen. Er soll entscheiden», sagte Renzo Blumenthal. Hierfür wählten sie einen Priester mit medienerfahrung: Gerhard Blocher. Der kam, sah, lachte höhnisch und zog sein berüchtigtes Sackmesser aus der Tasche. Er fuchtelte damit in der Luft herum und schrie unentwegt: «Wir müssen die Schweiz vor dem linken Pack retten. Ha ha ha!» Gerhard Blocher ist ein Ironiker. Das hat unlängst sein noch berühmterer Bruder Christoph am Fernsehen verkündet und so wird es folglich sein. Ironie kann aber bisweilen sehr gefährlich sein, denn oft wird sie missverstanden. Auch den beiden sehr schönen Strahlemännern war Gerhard Blochers Verhalten ein bisschen zu extrem. Schliesslich waren sie Schweizer Prominente; und die machen es allen recht, ecken nie an und sind einfach immer fröhlich. Sie liessen den alten Mann mit seinem Sackmesser stehen. Er fuchtelte noch lange damit herum.

«Ich habs», sagte Sven Epiney. «Lass uns Marcel Ospel beglücken, der hat dieses Jahr viel durchgemacht.» Renzo Blumenthal wandte ein, auch Sepp Blatter sei es heuer mies ergangen, immerhin sei dessen schöner Mercedes SL 63 AMG bei einem Unfall arg lädiert worden. Schliesslich willigte er gleichwohl ein. Allerdings unter der Bedingung, dass ein Fotograf der Schweizer Illustrierten mit zu Marcel Ospel komme.

Damit die Weihnachtsaktion möglichst viel Aufmerksamkeit erweckte, gewannen unsere zwei sympathischen Helden weitere Prominente für ihr Belangen: Göla war mit dabei, Roland Näf, Vladimir Putin, George Bush und der Walliser Fäkal-Poet Oskar Freysinger. Einzig die serbische Turbo-Folk Sängerin Svetlana «Ceca» Ražnatović war unabkömmlich – sie müsse sich an jenem Tag erneut die Brüste vergrössern lassen, liess sie ausrichten. Als einziger unentschuldigt abwesend war der sehr kluge Publizist Frank A. Meyer. Und dies zu recht. Denn der geniale Prediger wider dem Helvetischen Mittelmass ist zu Höherem berufen, als an belanglosen pseudo-karitativen Veranstaltungen der Schweizer B-Prominenz teilzunehmen.

In einem imposanten Geländewagen mit recht geringem Benzinverbrauch und bequemen Leder-Fauteuils machte sich die gutgelaunte Weihnachtsschar schliesslich auf den Weg zum leidenen Banker. Renzo Blumenthal klingelte. Der überrumpelte Marcel Ospel war sichtlich erfreut, als ihm die prominente Truppe vor der Tür «O du Fröhliche» vorsang. Dass George Bush den Text nur leidlich auswendig kannte, störte ihn nicht im Geringsten. «Leider kann ich euch nicht hineinbitten. Ihr wisst schon, die Wirtschaftskrise», sagte der gerührte Finanzmogul anschliessend und wischte sich mit einem seidenen Taschentuch eine Träne von der Wange. «Mein Kühlschrank ist leer.»

si104_05_kuehlschrank.jpg

Klaffende Leere: Marcel Ospels Kühlschrank. (Foto Ringier)

«Aber das macht doch nichts», sagte Sven Epiney und strahlte sein schönstes Strahlen. Er und Renzo Blumenthal herzten Marcel Ospel lange und verabschiedeten sich von ihm. Ospel winkte dem Geländewagen noch nach, als dieser das Villenviertel längst verlassen hatte. Alle waren glücklich.

Am Horziont bildete sich ein prächtiger Regenbogen.

2 comments

  1. Tante Helga

    Mir gefallen die Eseli auf dem Foto, die sind ja richtig knuddelig. Kann man die irgendwo ersteigern? Vielleicht mit einem Ponny zusammen?

Kommentar verfassen

Du kannst die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>