Provinzielles Geplänkel

Und wieder eine «Carte Blanche» im «Willisauer Boten». Dieses Mal zum Thema von latent schwelenden Konflikten zwischen benachbarten Gemeinden. Involviert sind die beiden Luzerner Nester Nebikon und  Schötz. An sich ist das nachfolgend beschriebene Geplänkel überaus undramatisch. Aber manchmal sind Medien auch dazu da, um Probleme hochzustilisieren.

 

Perestroika an der Wigger

Schötzer mögen keine Nebiker. Und umgekehrt ist es auch nicht besser. Wo liegt der Grund? Neid? Ist der Umstand dafür verantwortlich, dass Schötzer die besseren Fussballer sind? Während sie schon mal die Gladiatoren des FC Basels zum schwitzen bringen, schlägt sich Nebikon mit Gegnern aus der dritten Liga herum. Allenfalls ist die Ursache auch im Verkehr zu suchen: Nebikon besitzt zwei Kreisel, Schötz keinen einzigen. Dafür fahren dort im August jeweils hunderte Velofahrer im Kreis, und das gleich 24 Stunden lang. Liegts an der Bahnlinie? Während es die Gleise nie bis zum Schötzer Bahnhof geschafft haben, hält in Nebikon gar der Regioexpress. Allenfalls ist auch die Politik verantwortlich. Nebikon war mal brandschwarz, während wiggeraufwärts die Roten – also die von der CVP – das Sagen hatten*. Oder liegt es an der Partnerbeschaffungspolitik? Die Schötzer hätten ihnen immer die Mädchen weggeschnappt, hat uns mein Vater seinerzeit warnend mit auf den Weg gegeben. Als wir Nebiker Halbwüchsigen nämlich anfingen, auf das schöne Geschlecht zu schielen, taten wir das mit Vorliebe in Schötz.

Rivalitäten zwischen Dörfern? Dumme Vorurteile sind das! Was soll Gemeinden schon unterscheiden, die fast aneinander gewachsen sind? Schötzer haben keine andere Kopfform als Nebiker. Und die können nicht besser schwimmen – auch wenn sie eine Badi haben. Bewohner der beiden Gemeinden riechen nicht anders. Es gibt keine Unterschiede. Ich bin der lebendige Beweis dafür: Seit etwas mehr als einem Jahr wohne ich als Nebiker in Schötz. Als Perestroika an der Wigger könnte man das bezeichnen: Ich habe den imaginären eisernen Vorhang zwischen den Gemeinden durchbrochen. Und ich würde es wieder tun. An meinem neuen Wohnort schlägt mir keine offene Feindseeligkeit entgegen. Im Gegenteil: Nachbarn laden mich zum Wein ein; Hunde kläffen mich nicht giftig an, sondern wedeln freundlich mit dem Schwanz; in den Läden werde ich zuvorkommend bedient.

Es ist nichts dran. Es gibt keine Unterschiede. Und trotzdem ist es halt schon schaurig schön, sich über Andere lustig zu machen. Ich muss mir wohl neue Opfer suchen. Wie wärs mit den Intoleranten?

Willisauer Bote (WB),  27. Februar 2009
© David Koller, 2009

*Anmerkung für die internationalen Leser von igosana.ch: Im Kanton Luzern galten bis weit ins 20. Jahrhundert hinein die Katholisch-Konservativen (heute CVP) als die Roten. Die Liberalen (heute FDP) waren die Schwarzen. Diese Bezeichnungen stehen in Zusammenhang mit den entsprechenden Farben der einst bei kantonalen Abstimmungen verwendeten Parteilisten. 

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