Jung und gut

Keine billige Kopie

Schötz | Der Komiker Michael Elsener gastierte beim Kulturverein Träff

Mit seinem neuen Programm «copy & paste» hatte der junge Zuger Komiker Michael Elsener am Freitagabend die Gunst des Schötzer Publikums von Anfang an auf seiner Seite.

von David Koller

Ein bisschen sieht Michael Elsener aus, wie der Popsänger Justin Timberlake. Eine billige Kopie des amerikanischen Stars ist der Zuger aber keineswegs. Das hat er auch nicht nötig. Denn der 23-Jährige hat das Potential, sich zu einem der Grossen in der Schweizer Komiker-Szene zu entwickeln. Copy und Paste. Wer mit dem Computer arbeitet, kennt das Verfahren: Ein Element wird vom Original herauskopiert und in ein anderes Dokument eingefügt. Genau darum geht es im neuen Programm von Elsener, der in Zürich Politikwissenschaft und Publizistik studiert und nebenbei in einem Teilzeitpensum als Journalist arbeitet.

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Sieht aus wie Justin Timberlake, macht aber viel klügere Sachen: Komiker Michael Elsener. (Foto Stefan Bossart)

Kopiert zu werden ist die höchste Form von Anerkennung. Vielleicht ist das der Grund, weshalb Michael Elseners altes Programm angeblich gestohlen wurde und er sich an ein neues machen musste. Auch am Freitag war er dafür noch auf der Suche nach Pointen. Hatte jemand im Saal eine besonders gute Idee, wurde diese kurzerhand mit 20 Franken belohnt.

Parodien: Elseners Zugpferde
Aber auch Michael Elsener kopiert, und das auf hohem Niveau. Ob der Fernsehbiologe Andreas Moser, der etwas nahe am Wasser gebaute Tenniscrack Roger Federer oder der hyperaktive bayrische Komiker Michael Mittermayer: das Parodieren Prominenter ist Elseners grosse Stärke. Solche Elemente sind die Zugpferde im Programm. Seine Paraderolle, der stammelnde und nach treffenden Worten suchende Bundesrat Moritz Leuenberger hat fast schon ein bisschen Kultstatus erreicht – nicht zuletzt wegen Elseners Auftritt in der Satire-Sendung Giacobbo/Müller.

Nicht nur bei den Parodien kommt das grosses Potential des jungen Zugers zum Vorschein. Auch seine Gesangseinlagen sind Höhepunkte des Programms. Etwa die hervorragende Mischung aus Pseudo-Gangster-Rap und Kinderlied. Oder aber, wenn er mittels Schweizer Klassiker die Drogenkarriere eines Menschen beschreibt: vom Kiffer zum Kokser.

Von Starallüren keine Spur
Mitunter lässt Elseners Programm indessen noch etwas Stabilität vermissen, die Gags drohen bisweilen an Niveau zu verlieren, ein paar wenige sinken gar auf Stammtischniveau herab. Dann etwa, wenn er seinen an sich überaus treffend imitierten Jugendlichen mit Migrationshintergrund Bostic nennt. Doch das sind Ausnahmen. Und die mag man dem grossen Talent ob seines jugendlichen Alters gerne verzeihen; genauso wie die Tatsache, dass dann und wann der rote Faden noch etwas fehlt.

Die Gunst des Publikums im gut besetzten «St. Mauritz»-Saal hatte Elsener auf jeden Fall von Anfang auf seiner Seite. Noch mehr Punkte gewann er, als er sich nach dem Auftritt im Saal unter die Gäste mischte und die Diskussion suchte. Erfrischend offen und sympathisch ist das. Von Starallüren keine Spur. Bei Justin Timberlake wäre das wohl anders.

Willisauer Bote (WB),  6. April 2009
© David Koller, 2009

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