«Krisentaugliche Billig-Demokratie»

Soll noch einer sagen, die NZZ sei altbacken:

Nebenbei notiert

Embriachal

ark. Die kantonale Initiative für einen flächendeckenden S-Bahn-Halbstunden-Takt ist am Sonntag mit klarem Mehr gescheitert, trotz dem unverhofften Sukkurs der Gemeinde Embrach. Die 63 Prozent Ja-Stimmen inmitten eines Meeres von ablehnenden Kommunen entpuppten sich aber am Dienstag unerwartet als verkehrspolitische Fata Morgana. Der zuständige Abstimmungsleiter hatte bei der Meldung des Resultats einfach nur die Ja- und Nein-Stimmen vertauscht – ohne dass dies beim Kanton irgendjemanden aufgefallen wäre. Dabei handelte es sich nicht um einen brachialen Versuch der individuellen Demokratie-Steuerung, sondern um ein Versehen, beteuerte der lokale Wahlleiter gegenüber dem «Landboten». Das wollen wir hoffen, wobei, bei genauerem Hinsehen, eigentlich ja alles viel einfacher und günstiger wäre, wenn die Abstimmungsbehörden das Resultat gleich selber bestimmen könnten. Weder brauchte es fürderhin den teuren Druck von Stimmzetteln und Abstimmungszeiten, noch müsste man die Stimmenzähler am Sonntagmorgen aus dem Bett zwingen und mit Sandwiches verpflegen. Das Embracher Abstimmungs-Manifest ist so gesehen nicht etwa ein Lapsus, sondern ein vorbildliches Engagement für die krisentaugliche Billig-Demokratie.

(NZZ, 20.05.2009, S. 53)

 Für all jene, die das überaus elegante Wort fürderhin auch mehrmals lesen mussten, es heisst so viel künftig.

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