Zugfahren will gelernt sein

Koller weiss, wie Zugfahren funktioniert. Als Heavy-User der SBB ist er während des Semesters fast täglich mit der Bahn unterwegs (mehr dazu gibts hier). In der vorlesungsfreien Zeit deponiert ein kostenbewusster Student aber sein GA, um Geld zu sparen.

Geld sparen? Pustekuchen!

Immerhin gabs ein nettes Thema für die neuste «Carte Blanche» im «Willisauer Bote».

Der Fast-Götti fährt schwarz

Nein! Götti bin ich immer noch nicht. Dies trotz meines verzweifelten Hilferufes an dieser Stelle vor rund zweieinhalb Jahren. Aber immerhin hat ein befreundetes Paar seinem Erstgeborenen meinen Vornamen gegeben. Welche Ehre! Das musste gefeiert werden. Zusammen mit einem Kollegen machte ich mich deswegen vor einer Woche auf nach Luzern. Mit der Bahn versteht sich, denn die Geburt von Klein-David sollte in feuchtfröhlicher Männer-Runde begossen werden.

Am Billetautomat besorgte mein Kollege zwei Tickets (als Randbemerkung sei mit leicht neidischem Unterton erwähnt, dass er fünf Jahre jünger ist als ich und bereits Götti). Zufrieden besteigen wir den Zug und freuten uns auf das erste kühle Bier im Kreise unserer Freunde. Die Stimmung verschlechterte sich auch nicht, als kurz nach Emmenbrücke zwei männliche Stimmen in polizeiähnlichem Tonfall verkündeten: «Grüezi Metenand, Fahrausweiskontrolle. Alle Billette bitte!» Erst nachdem wir unsere Tickets hervorgeklaubt hatten war es vorbei mit der guten Laune: Nebikon-Emmenbrücke war darauf zu lesen. Abgelenkt durch einen zufällig angetroffenen Bekannten oder den gerade herunterrauschenden Platzregen; vielleicht auch aus lauter Vorfreude auf den Männerabend – oder warum in Gottesnamen auch immer! – hatte sich mein Kollege verwählt. Statt nach Luzern hatte er versehentlich nur Fahrscheine in den grauen Vorort gelöst

Dumm gelaufen. Ein einfaches Billett zweiter Klasse von Emmenbrücke nach Luzern kostet mit dem Halbtax-Abo 2.80 Franken. Wir bezahlten je 80. Die Kontrolleure nahmen uns unschuldigen und mittlerweile ziemlich bleichen Landeiern den Lapsus zwar ab, wollten aber gleichwohl partout keine Gnade wallten lassen. So verliessen wir in Luzern den Zug ungläubig lachend und fluchend zugleich – und um etliche Franken erleichtert.

Fürwahr, ein teures Vergnügen. Was bin ich jetzt froh darüber, nur Davids Fast-Götti zu sein. Nicht auszumalen, was mich der Kleine kosten würde, wenn ich bei seiner Taufe eine Hauptrolle inne hätte. Allerdings hätte ich bereits ein pädagogisch wertvolles Geschenk: ich würde meinem Patenkind beibringen, wie man einen Billetautomaten bedient.

Willisauer Bote (WB),  10. Juli 2009
© David Koller, 2009

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