Die Ballade vom ewigen Wohnungswechsel

Die neuste «Carte Blanche» im «Willisauer Boten» vom 30. Oktober widmet sich dem leidigen Thema von Kollers ewiger Zügelei.

Der Zügelprofi

Kartonkisten, Schweisstropfen, derbe Flüche. Viel zu schwere Möbel, nicht funktionierende Telefonanschlüsse, Schäden vom Vormieter. Zügeln gehört – gelinde ausgedrückt – nicht gerade zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Jedes Mal, wenn eine neue Bleibe nach den vermaledeiten Stunden endlich wohnlich wird, schwöre ich es mir von neuem: «Nie mehr werde ich umziehen!» Auch wenn sie in meiner unmittelbaren Nachbarschaft ein Atomkraftwerk bauen oder Kim Jong Il und Muammar al-Gaddafi in der Wohnung nebenan eine WG gründen, nichts soll mich je wieder von hier wegbringen. Vonwegen! Ein paar Jahre später stöbere ich erneut im Inserateteil der Zeitung; mein Leben hat sich so sehr verändert, dass sich ein Tapetenwechsel aufdrängt. Die Liebe war es dieses Mal, die mich dazu nötigte.

Kollegen und Verwandte stöhnen jeweils verzweifelt auf, wenn sie von meinen neuen Umzugsplänen hören. Es sind ein paar gute Seelen, die seit Jahren zum harten Kern gehören, quasi mein persönliches Zügelunternehmen bilden. Mittlerweile können sie die Möbel fast schon im Schlaf zusammenstellen; wissen, wie die Lampen zu montieren sind und auch, dass man dem nomadisierenden Hausherren mitunter zeigen muss, was noch zu erledigen ist. Denn der hat nur bedingt ein Auge dafür, wo noch Arbeit ansteht.

Und so war es vergangenes Wochenende mal wieder soweit. Im Nachhinein ist die Bilanz so übel gar nicht. Die Möbel stehen jetzt dort, wo sie stehen müssen. Die Handwerker haben die Arbeiten in der Wohnung erledigt, die eigentlich vorab hätten erledigt werden sollen. Die Schäden am Inventar halten sich in Grenzen: lediglich ein Lampe, ein Teller sowie ein Keramik-Kerzenständer gingen unwiderruflich zu Bruch und das eine oder andere Möbelstück hat einen Hick mehr. Schlimm ist das nicht. Sogar das durch einen versehentlichen Rempler umgekippte Billigbücherregal schwedischer Provenienz haben die mithelfenden Fachkräfte trotz auf den ersten Blick kapitaler Schäden bestens zusammengeflickt. Mittlerweile müssen wir auch nicht mehr wie Bergsteiger über die Bananenkisten kraxeln, die überall herumstehen. Richtig gemütlich ist es geworden. Ein kleines Bijou ist am entstehen. So schön, dass ich nie mehr wegziehe. Ich gelobe es! Aber so richtig glauben kann ich es selber nicht.

Willisauer Bote (WB),  30. Oktober 2009
© David Koller, 2009

Kommentar verfassen

Du kannst die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>