Der Biedermann und seine Brandstifter

Journalisten sagt man nach, sie seien eher linksorientiert. Somit liegt es auf der Hand, dass die meisten von ihnen Roger Köppel und seine «Weltwoche» nicht sonderlich mögen – oder besser: sie nicht mehr mögen. Wir von igosana.ch machen da keine Ausnahme, das Abo haben wir schon vor Jahren gekündigt. Und somit freuen wir uns schelmisch über eine gelungene Analyse von Guido Kalberer im «Tagesanzeiger» vom Freitag, 8. Januar (Seite 9).

Besonders Spass macht uns in dieser Kollegenschelte der etwas polemische, aber überaus treffende, Einstieg.

 

Ausländer: «Die Weltwoche» spielt mit dem Feuer der Fremdenfeindlichkeit.

Nach den Muslimen nun die Deutschen

Nicht nur kleine Buben zündeln gerne. Auch grosse Buben lieben das Spiel mit dem Feuer. Wenn sie erwischt werden, sagen sie feige, die anderen seien es gewesen. Und wenn es zum Brand kommt, sind sie schnell weg: Brandstifter, die sich, wenns brenzlig wird, als Biedermänner ausgeben, in deren Augen das Feuer der Begeisterung hell flackert.

Schon lange treibt die Männerriege der «Weltwoche» unter dem intellektuellen Vorturner Roger Köppel ein gefährliches Spiel mit den zivilisatorischen Errungenschaften und Werten unserer Gesellschaft. Das Prinzip, dem sich seine Gefolgschaft gehorsamst unterwirft, ist denkbar einfach: Die Ausnahme bestimmt nicht die Regel, nein, sie ist sie! Wo es Missbrauch gibt, kann es nur Missbrauch geben. Für den Nachweis braucht es nur einen Fall – und dieser findet sich immer. Die Welt ist, was ein Fall ist! Chefideologe Roger Köppel, der überall ideologisches Denken wittert ausser bei sich selber, weiss um die verführerische Kraft des von Ressentiments geleiteten Denkens. Diesen Quell des kollektiven Unmuts zapft er geschickt an.

Nach den Minaretten folgt nun das Bashing der deutschen Professoren – auch dies auf der bereits bekannten, für manche schon fast vertrauten fremdenfeindlichen Schiene, wie sie von der SVP-Parteileitung angedacht wurde. Erneut vor dem Hintergrund sehr gut vermarktbarer Ängste (der Chefredaktor ist ja auch Verleger). Jetzt, wo der Schweizer Mittelstand von der Wirtschaftskrise getroffen wird, kann es nicht schaden, wenn die wachsende Bevölkerungsgruppe der Deutschen, eine ernsthafte Konkurrenz, ihr Fett abbekommt. Eine konzertierte Aktion mit beschränktem Horizont. Ein kurzer Blick in die jüngste Geschichte zeigt, dass an unseren Hochschulen und Spitälern ohne deutsches Zutun nichts läuft, wie selbst ein liberal gewendeter Mörgeli einräumen muss.

Bös tendenziös
Ähnlich wie die Muslime werden die Deutschen unter Generalverdacht gestellt. An den Schweizer Universitäten gibt es weit und breit nur deutschen Filz, schreibt Philipp Gut bös und tendenziös. Ein Beispiel hat er auch gefunden und exekutiert es bis ans bittere argumentative Ende. Und ausgerechnet der deutsche Journalist Kai Michel muss das ganze ideologische Gebräu noch wissenschaftlich abstützen und verbrämen. «Biologie der Fremdenangst» heisst der Aufmacher mit dem Untertitel: «Warum Skepsis gegenüber Ausländern und Unbekannten vernünftig ist». Schöne neue Welt, in die uns da «Die Weltwoche» hineinführen will. Dabei war ihr Chef doch angetreten, das zu schreiben, was ist; nun schreibt er das (beziehungsweise lässt das von anderen schreiben), von dem er glaubt, dass es ist. Dies allerdings ist nicht das Gleiche.

Die dritte Geschichte auf dem Cover handelt vom «netten Muslim mit der Bombe». Alles passt perfekt zusammen und bedient eine simple Ikonografie des Schreckens. Was für ein delikater Luxus, in einem Land zu leben, das, von historischer Unbill und Unglück weitgehend verschont, sich solche Horrorspielereien erlauben kann. Ein Wunder, dass es uns überhaupt noch gibt: ein keimfreier Sandkasten für grosse Kinder mitten in Europa.

Wohliger Horror
Im Übrigen ist es vernünftig, auch Bekannten gegenüber skeptisch zu sein – zumal dann, wenn sie immer unheimlicher werden. Das führt uns «Die Weltwoche» selbst exemplarisch vor. Zahlreiche Redaktoren, die sich nicht mehr für die Einheitslehre und das Hohelied des kleinstaatlichen Isolationismus einspannen lassen wollen, emanzipieren sich – und schmeissen die Streichhölzer weg. Ihr Aufatmen, endlich weg zu sein, ist allerdings zwiespältig: Sie haben es meist lange ausgehalten.

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