Traurige Liebesgeschichte

Bei einer Literaturrecherche sind wir auf diese schon länger auf igosana.ch publizierte, aber etwas in Vergessenheit geratene, Liebesgeschichte gestossen. Es handelt sich dabei um eine wahre Begebenheit, die sich im Mai 1993 im belagerten Sarajevo zugetragen hat.

Hand in Hand gehen wir wortlos auf die Stellungen der Serben zu, ohne uns umzudrehen, ohne zurückzuschauen nach dem, was ich auch immer in meinem Herzen fragen werde, dieses Sarajevo, dessen Kinder wir sind. Beide. Der christliche Serbe Bosko Brić und die muslimische Bosnierin Admira Ismić. Verdammt noch mal. Sarajevo ist doch so. So wie wir. Ich schaue zu Admira hinüber. Sie wird es in Serbien schwer haben. Dort ist sie die aus dem Feindesland. In Sarajevo wurde ich gehasst. Eine verrückte Welt. Wir wollen nichts weiter, als uns lieben. Schüsse von ichweissnichtwoher. Haltloser Absturz nach vorn. Zugreifen ins Nichts. Das Gesicht im Gras. Die Beine gefühlslos. Mit einem Auge sehe ich Admira auf mich zukriechen. Blut läuft aus ihrem Mund. Es ist das Blut der Schlacht auf dem Amselfeld, das Blut, das durch alle Strassen von Sarajevo fliesst. Admira schaffte es bis zu mir und liegt auf mir. Es ist die Sonne von Sarajevo, die jetzt in mir scheint. Plötzlich. Grell. Die Sonne von Sarajevo.

Den ganzen Text von Hans Krech gibt es hier.

Weniger traurige – aber längst nicht immer schöne – Liebesgeschichten finden sich hier.

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