Belgrader Höhenflüge

Vorab ein Hinweis auf einen neuen Essay von David Koller. Dieses Mal mit Blick auf die Kroatisch-Serbischen Beziehungen: (tauwetter-auf-dem-balkan.pdf)

Nun aber zum versprochenen Inhalt.

Über Sinn oder Unsinn eines solchen nicht gerade billigen Bauwerkes kann man sich streiten. Sicher aber diente es dazu, eine Wunde in der Volksseele zu heilen. So gelesen in der «Neuen Zürcher Zeitung» vom Freitag, 23. April (S. 24):

Belgrads Wahrzeichen ist zurück

Der neue Fernsehturm auf dem Berg Avala eingeweiht

Andreas Ernst – Am Mittwoch hat Belgrad sein Wahrzeichen in Besitz genommen: der 204,5 Meter hohe Turm auf dem Avala wurde festlich eingeweiht. Der neue Turm ist das alte Wahrzeichen. An genau derselben Stelle auf einer 500 Meter hohen bewaldeten Kuppe unweit der Stadtgrenze war 1965 der erste Avala-Turm fertiggestellt worden. Dort stand er, bis am 29. April 1999, während des Krieges um Kosovo, amerikanische Bomber auftauchten. Nach einem dumpfen Knall feil der Turm krachend in sich zusammen. Es war eines der letzten grossen Bauwerke in Serbien, welche die Nato bombardierte. Die Ziele waren der Militärallianz langsam ausgegangen. So kam der Turm als Telekommunikationsobjekt auf die Abschussliste. Beschädigt wurde aber eher die Moral der Bevölkerung als die Fernmeldekapazität: das staatliche Radio und Fernsehen sendete fast verzugslos über dezentrale Verteilernetze weiter. Doch für viele Belgrader wurde der Trümmerhaufen auf der Avala zum traurigen Symbol.

 

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 204,5 Meter hoch und 85 Millionen Euro teuer: der neue
alte Fernsehturm auf dem Berg Avala (Foto: blic.rs)

Gross ist jetzt die Freude über den neuen Turm. Besonders beim 98-jährigen Dragomir Glisić, der den alten Turm mitgebaut und dessen Fall als persönliche Niederlage erlebt hatte. Auch deshalb, weil ihn Bekannte damals gehänselt hätten, der Turm sei nicht stabil gewesen. Mit ihm und der politischen Prominenz waren tausende Belgrader auf den Avala gekommen. Der Turm ist überaus sehenswert. Seine elegante, an eine Rakete erinnernde Gestalt gleicht dem Vorgänger, ist aber einen Meter höher und erdbebensicher. Er soll das höchste Objekt seiner Art auf dem Balkan sein. Bemerkenswert ist vor allem der Fuss des Bauwerks: die über 4000 Tonnen Stahl, Beton und Glas ruhen auf drei schlanken, geschwungenen Beinen und lassen den Riesen fast schwebend aussehen. Mit zwei Liften rasen die Besucher in 20 Sekunden hoch zum Aussichtsplateau und können sich anschliessend im darunterliegenden Restaurant, 120 Meter über dem Erdboden, erfischen.

Die Initiative für den Wiederaufbau war 2004 von Rundfunkjournalisten ausgegangen. Sie begannen Geld zu sammeln. Die serbischen Tennisstars Novak Djoković und Anna Ivanović  spielten für den Wiederaufbau, und es gab auch «Turmkonzerte». Die Hauptzeche bezahlte aber der Staat. Das Bauwerk soll etwa 85 Millionen Euro gekostet haben. (…)

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