Wir wollen die heissen Trams zurück!

Und plötzlich ist alles anders. In der Nacht auf Sonntag ist es kalt geworden in Sarajevo. Nur noch 18 Grad zeigt das Thermometer an. Das ist wenig, verglichen mit den mörderischen 38 vom Samstag. Entsprechend ist das bislang verfluchte Tramfahren regelrecht zur Wohltat geworden. Denn draussen ist es plötzlich kalt. Einen Temperatursturz von 20 Grad innerhalb von wenigen Stunden steckt auch in Murmansk abgehärteter Mensch wie David Koller nicht einfach so weg.

Die Wetterprognosen verheissen für die nächsten Tagen keine Besserung. Verzweifelt fordert die gesamte Redaktion von igosana.ch deswegen lautstark: wir wollen die heissen Trams zurück! Wo sind sie geblieben, unsere rollenden Gratis-Saunas? Wir wollen zusammen mit fremden schwitzenden Körpern auf engstem Raum eingepfercht sein und die Hitze des Balkans spüren.

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Plötzlich innig vermisst: eine der rollenden Gratis-Saunas Sarajevos. Beim hier abgebildeten Exemplar handelt es sich um ein besonders altes Fahrzeug, nicht aber um eine rare Ausnahme. (Foto zvg)

Doch warum geht es hier eigentlich immer um Trams? Immerhin ist igosana.ch keine Website für ferrophile Spinner, sondern die eines schreibenden Irren. Und immerhin ist Sarajevo in dieser Woche auch Austragungsort eines renommierten internationalen Filmfestivals mit etlichen vielversprechenden Werken. Und wenns etwas weniger heiss ist, macht es auch mehr Spass, sich in eines der Kinos der Stadt zu setzen.

Ferner gibt es auch in einer relativ kleinen Stadt wie dieser (je nach Quelle zwischen 300 000 und 400 000 Einwohner) nach zwei Wochen Aufenthalt immer noch vieles zu entdecken. Etwa die entfernteren Quartiere abseits der herausgeputzten Touristen-Ghettos. Oder aber die Dörfer in den Hügeln, mit spektakulärer Aussicht auf Sarajevo. Eine Wanderung in den umliegenden Bergen lohnt sich ebenfalls. Die Wege sind gut ausgebaut und wohltuend leer.

Am Samstag war es in der Höhe zudem erfrischend kühl. Eine solche Flucht vor der Hitze ist jetzt aber nicht mehr nötig. Jetzt ist es auch unten im Talkessel so kalt, dass das Lernen leichter fällt. Diesbezüglich sei als Ergänzung zum letzten Eintrag erwähnt, dass die beiden Italienerinnen sich als durchaus schätzenswerte Geschöpfe entpuppt haben. Mittlerweile reden sie gelegentlich auch etwas bosnisch. Vor allem aber haben sie sich mehr als deutlich vom italienischen Über-Rentner und Ewig-Präsidenten Berlusconi distanziert.

Da schlägt das Herz eines jeden Slavistik-Studenten höher und plötzlich wird es einem wieder heiss.

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