Rechtsbürgerliche Polemik

Und noch ein Text  aus dem «Willsauer Boten» vom 6. August. Im Rahmen der Sommerserie «Der WB geht fremd» hat die Redaktion in sechs Ausgaben sechs verschiedene Schweizer Medienprodukte imitiert. Das Layout wurde dazu kopiert, die Inhalte adaptiert. Aus dem Boulevardblatt «Blick» wurde beispielsweise der hinterländer «Bleck», aus der «Schweizer Illustrierten» die «Schweizer Simulierte». David Koller war für die «Napfwoche» zuständig. Wie das Vorbild, die neokonservative «Weltwoche», fährt auch das Willisauer Blatt einen stramm rechtsbürgerlichen Kurs.

Die Aufmachergeschichte von Kollers Alter Ego Urs Paul Erzengler gegen Gemeindefusionen ist gut, gehört aber nicht auf diese Webseite. Auch seine Polemik «Anatomie der Ignoranz» ist – inhaltlich – ein übles Machwerk. Wir veröffentlichen es trotzdem; allerdings mit ausdrücklichen Hinweis darauf, dass der Text aus ironischer Warte geschrieben wurde und auch so verstanden werden will.

Die Städter

Anatomie der Ignoranz

von David Koller

Als ob eine imaginäre Mauer bestünde. Sei es politisch, gesellschaftlich oder kulturell: Für den gemeinen Stadtmenschen hört der Kanton spätestens nach Sempach auf zu existieren. Altishofen, Ettiswil oder Menznau? Im Kopf des Homo Urbanicus Lucernensis ist das Hinterland eine Blackbox. Etwas das existiert, aber nicht interessiert. Täglich schlägt dem Willisauer oder Hergiswiler ein gerüttelt Mass an Ignoranz entgegen. Was für die Schweiz die Deutschen, sind für das Hinterland die Städter. Entsprechend schaut man in Luzern bei der Verteilung der Ressourcen vorab für sich, pocht auf die angeblichen Kosten der Zentrumsfunktion und überlässt dem westlichen Teil des Kantons bestenfalls die Krümel des aufgeteilten Kuchens. Wieso auch nicht, Schulen haben sie ja, die Landeier, und Bahnlinien auch. Und viel zu viele kleine Gemeinden. Hingegen: Kultur auf dem Land? Inexistent! Und dann erst dieses rurale Idiom. So reden keine zivilisierten Menschen. Vorurteil jagt Vorurteil.

Dabei täte man im vermeintlichen Zentrum gut daran, die Landschaft mehr zu achten. Denn hier werden traditionelle Werte noch hochgehalten. Hier haben sich die – wie sie der linke Sentimentalist Peter Bichsel nannte – «Amerikanisierung und verfluchte Party- und Grillgesellschaft» noch nicht durchgesetzt. Nicht jede Mode wird vorbehaltlos übernommen. Bewährte Werte wie Familie oder Landwirtschaft kommen vor unnötigem Schnickschnack wie iPad oder Gleichstellungsbüro. Doch diese unbezwungene Bastion des Konservatismus ist alles andere als ein Hort der Rückständigkeit. Im Gegenteil. Wo Brainwork gefordert ist, wird es umgesetzt. Das beweisen innovative Firmen wie die Grossdietwiler Andermatt Biocontrol AG. Das dokumentieren Organisationen wie der Förderverein Luthern Bad, der trotz einer ausweglosen Situation den Kopf nicht in den Sand steckt und unermüdlich nach neuen Ideen sucht.

Wer Bewährtes beibehält und Neuerungen nur dort forciert, wo sie wirklich nötig sind, wird auf die Dauer mehr erreichen. Doch das muss man in der Stadt erst noch begreifen.

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