Echte Kerle

Da wird sich der russische Ministerpräsident Vladimir Putin aber freuen: die Linienpiloten seines Landes tun es ihm gleich und geben sich als echte Kerle. So die Crew einer Tupolev Tu-154 der russischen Gesellschaft Alrosa.

Auf ihrem Flug von Poljarni in Jakutien nach Moskau traten im Reiseflug auf 10’000 Metern erhebliche technische Probleme auf. Die «Neue Zürcher Zeitung» (NZZ) spricht von «praktisch einem Totalausfall der Bordelektronik», das deutsche  Jet Airliner Crash Data Evaluation Centre (J.A.C.D.E.C) gar von einem Totalausfall. Aufgrund dieser unangenehmen Situation sanken die Piloten gemäss der NZZ auf eine tiefere Höhe, um einen Reservegenerator zur Stromerzeugung zu aktivieren – ohne Erfolg.

«Daraufhin erspähte die vierköpfige Cockpit-Besatzung dank guten Wetterverhältnissen zufällig eine Landpiste mitten im Wald.» Auf den Karten war das Flugfeld nicht mehr eingetragen, denn es ist seit Jahren ausser Betrieb. Zudem ist die Landebahn in der kleinen Ortschaft Ischma in der Teilrepublik Komi mit ihren 1400 Metern zu kurz für eine Tu-154 – vor allem, wenn diese sich wegen ausgefallener Elektronik nicht richtig für die Landung konfigurieren lässt. Dem zum Trotz setzten die vier Kerle im Cockpit nach mehreren Platzrunden zum Endanflug an. Und reüssierten: Die Maschine kam zwar erst 200 Meter nach Ende der Landebahn zum stehen, die Zelle blieb aber intakt.

Kam erst 200 Meter nach Pistenende zum Stillstand, blieb aber intakt: die Tu-154 der Alrosa. (Foto www.bnkomi.ru)

Alle 72 Passagiere und 9 Besatzungsmitglieder verliessen das Flugzeug unverletzt. Ob es nun fahrlässig war, die Maschine auf dem unbekannten Platz zu landen, oder eine Heldentat, die den Insassen das Leben rettete, wird eine Untersuchung zeigen.

Fakt ist indessen: Russland liebt Helden. Wir erinnern uns an die Bilder von Putin in einem Löschflugzeug während den verheerenden Waldbränden. Bereits sind Stimmen laut geworden, die Besatzung sei für ihr Verhalten auszuzeichnen. Gut möglich, dass sich Vladimir Putin demnächst mit cooler Pilotenbrille neben ihnen ablichten lässt.

Helden sind aber auch die russischen Flugzeuge. Die Tu-154 absolvierte ihren Erstflug 1968. Bis heute wird der Airliner in Kleinserie und – im Vergleich mit westlichen Produktionstechniken – mehr oder weniger in Handarbeit hergestellt. Einfach ist die für bis zu 180 Passagieren ausgelegte Maschine, aber quasi unkapputbar.

Fazit dieses kleinen Märchens mit Happyend: russische Piloten sind echte Kerle und ihre Maschinen haben die Qualität von Panzern.

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