Vermaledeites Facebook

Und wieder geht es um dieses vermaledeite Facebook: In seiner neusten «Carte Blanche» beklagt sich David Koller über das schändliche Verhalten von alkoholisierten Freunden.

Facebook verliert ein Gesicht

In einem Interview erklärte Mark Zuckerberg unlängst, er finde Privatsphäre nicht mehr zeitgemäss. Verständlich, denn der 26-Jährige, der die Harvard University ohne Abschluss verliess, verdient sich mit der Zerstückelung der Privatsphäre ein goldenes Näschen, längst ist er Multimilliardär. Zuckerberg ist der Erfinder des online-Kontaktnetzwerks Facebook. Millionen Gesichter sind darauf zu finden. Meines nicht. Ich gehöre zu den Ewiggestrigen, die sich dagegen wehren. Der Frage «Bist du auch auf Facebook» entgegne ich jeweils ein trotziges «Nein!»

Am vergangenen Wochenende indes war plötzlich alles anders. Im Posteingang meines Computers häuften sich Mitteilungen wie «X hat dich als Freund bestätigt», «Y hat eine Nachricht auf deine Pinwand geschrieben». Ein Bekannter gelangte per Email an mich und wollte schadenfreudig wissen, wieso ich als erklärter Verächter meinen Bann gebrochen habe. «Welche sicher geglaubte Bastion des Cyberspace wird als nächste fallen?», schob er spöttisch nach. «Endlich mal ein Schöner auf Facebook» heftete eine Kollegin schmeichelnd eine Mitteilung an meine Pinnwand.

Schuld an all dem waren Freunde in bierseliger Stimmung. An einem Fest oben am Nebiker Stämpfelberg machten sie mich zum Jünger Zuckerbergs. Zugegeben, ich hatte schon ein Konto: als der WB eine Facebook-Gruppe eröffnete, wollte ich diese begutachten und schrieb mich ein. Damit hatte es sich, daraufhin gammelte mein Account ungenutzt in den Tiefen des Internets vor sich hin. Am Samstag aber öffnete ich ihn meinen Freundinnen und Freunden. «Macht damit, was ihr wollt. Mir ist es egal», sagte ich in einem Anflug von unendlicher Naivität – und ging nach Hause. Ein grosser Fehler: schon auf dem Heimweg begann mein Handy zu vibrieren und die ersten Bestätigungen von Kontakten trafen per Email ein. Das nach Mitternacht, scheinbar nimmt das Facebook-Imperium seine Sklaven zu jeder Uhrzeit in Beschlag.

Email über Email. Am Sonntagabend hatte ich die Nase voll und schaltete das Konto aus. Facebook muss ohne mein Gesicht auskommen und wird es verkraften. Bei all jenen, die mir eine Mitteilung schickten, entschuldige ich mich fürs schändliche Ignorieren. Aber ruft doch mal an oder kommt vorbei, so funktionierts nämlich auch noch.

Willisauer Bote (WB),  10. September 2010
© David Koller, 2010

PS: Ein Redaktionskollege monierte – zwar beseelt von jugendlichem Übermut, aber durchaus zu recht –, dass es in Kollers Kolumnen regelmässig um Alkoholkonsum gehe. Dem ist leider nichts passables entgegenzuhalten. Ganz schön monoton scheint es zu sein, das Leben unseres Studalisten.

3 comments

  1. Das Froilein

    Also wirklilch….
    …das Wort „schändlich“ im Lead des Artikels gefällt mir Ü-B-E-R-H-A-U-P-T nicht. Das gehört dort weg. Pfui! Von wegen schändliches Verhalten.
    Bitte durch ein angepasstes und weniger negative wirkendes Synonym ersetzen.

    Der Mittelteil gefällt und das post scriptum ist Spitzenklasse 🙂

  2. Dominik

    Erstens, Herr Koller:

    …Hast Du doch Deinen Facebook-Account nur drum gelöscht, weil sich dorten noch 140 Andere namens Koller, David, tummeln. Und zur blossen Nummer degradieren lassen will sich doch unsereins (also du und ich) denn doch nicht. Mir kann ebendies freilich kaum passieren: Einen Dominik Thali gibts im Facebook in gleicher Zahl wie einen Marc Zuckerberg, Wir sind beide Unikate.

    Zweitens, Herr Koller:

    … weiss ich nicht, ob dieser Kommentar nun als Antwort auf jenen des Froileins gepostet wird oder aber als eigenständiger. Der Kommentar-Link im WP 3.0 mit diesem Theme ist tatsächlich ein klein wenig vermaledeit. Erstens sieht man ihn kaum, zweitens erscheint die Aufforderung „Leave a comment“ nicht mehr, sobald jemand kommentiert hat. Ich hab nun auf „1 comment“ geklickt, Weisst Du Näheres?

    Have a good time

    Dominik

    • Das Froilein

      Vielleicht sollte das Froilein weniger kommentieren, dann würden sich nicht solche Abgründe für Unikate wie Herrn Thali auftun.
      Des weiteren möchte das Froilein deponieren: auch ich bin ein Unikat. Lalalalalalaala!

      Und das Wort „schändlich“ steht verdammtnochmal immer noch im Lead des Artikels! Ich sagte doch weg damit. Aber auf das Froilein hört ja wohl wieder gar, gar niemand.

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