Crazy Constantin fliegt

Gelegentlich würde es Journalisten nicht schaden, etwas vertiefter zu recherchieren. Als Beispiel hierzu sei ein Artikel des «Blick» herangezogen.

Darin geht es um die neusten Reisegewohnheiten von FC Sion-Boss Christian «Crazy» Constantin – der Mittelnamen des fussball- und bisweilen auch sonst ziemlich verrückten Walliser Architekten stammt selbstverständlich aus der Hexenküche des Schweizer Boulevard-Riesen. Doch scheinbar nimmt CC, den die linke Wochenzeitung WOZ auch schon als «Visionär, Diktator und Fan» bezeichnete, solche Medienelobrate ziemlich gelassen. Denn unlängst liess Constantin «Blick»-Reporter Alain Kunz in seinem neusten Spielzeug mitfliegen. Einer Piaggio Avanti.

Dazu war auf blick.ch zu lesen:

Seine Augen leuchten. Sein meist grimmiger Blick weicht einem Lächeln der Entzückung. Der umtriebige, für viele verrückte Sion-Präsident steht vor seinem neuen Spielzeug, einer Piaggio Avanti P 180. Das ist nicht die neuste Vespa, sondern ein schmucker Privatjet. Christian Constantin hat die ­Propellermaschine zusammen mit Rallye-Weltmeister Sébastien Loeb gekauft. Kostenpunkt? CC liefert seine Standardantwort, wenn es um Geld geht: «Ich habe ein schlechtes Zahlengedächtnis.» (…)

Doch nun fragen wir uns etwas verwirrt: haben wir etwas verpasst? Ein Jet mit Propellern?

Nur schon ein Blick in den Duden hätte auf der Redaktion in Zürich weitergeholfen:

Jet, der, (engl), (ugs. für Düsenflugzeug)

Ein Jet mit Propellern? Eine Piaggio Avanti in Sion. Der Vogel im Hintergrund hat nachweislich keine Propeller und ist folglich ein Jet: eine F/A 18, ein Spielzeug aus der Sammlung von Verteidigungsminister Maurer.

Natürlich ist das Haarspalterei und mag dem Uninteressierten reichlich banal vorkommen. Zu Recht! Aber nur schon daran lässt sich aufzeigen, dass Journalisten gelegentlich etwas genauer arbeiten sollten – der Verfasser dieser Zeilen nimmt sich davon nicht aus. Dem Image der schreibenden Zunft würde es nicht schaden.

Zu diesem Thema sei übrigens auch ein Blick in die Foren von Aviatik-Fans empfohlen (z.B. www.flightforum.ch). Wer hier verkehrt, ist mitunter auch ordentlich crazy. Ein Besuch lohnt sich indessen, weil die Fliegerkenner meistens leidenschaftlich über «Journalistische Inkompetenz» wettern und  über vermeintliche «Schmierfinken» in Redaktionsstuben herziehen, welche die kleinste Bagatelle zur Beinahe-Katastrophe hinaufstilisieren. Die Polemiken sind oft übertrieben, lesenswert sind sie meistens; und ganz Unrecht haben sie leider nicht, die Flugzeugverrückten. Denn auch weniger boulvardeske Blätter lassen sich dann und wann zu ziemlich unseriösen Texten verleiten.

Die Moral der Geschichte: Crazy Constantin  gönnen wir sein neues Spielzeug. Und unserem technikverrückten Herrn Koller gönnen wir, dass er endlich mal wieder etwas über Flieger schreiben durfte.

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