Was Professoren alles erzählen

Das Semester ist vorüber. Und mittlerweile sollten auch die faulsten Studenten die über die Festtage eingelegte gedankliche Exmatrikulation beendet haben und sich wieder der Arbeit widmen. Nun ist es Zeit, um zurückzublicken auf die verflossenen Monate. Das hier ist uns davon geblieben: die besten Sprüche und Stilblüten (falls nichts anderes vermerkt, stammen sie von Dozierenden):

  • Studentin: «Dieser russische Schriftsteller ist gestorben, oder?»
    Dozentin: «Nein, er lebt noch.»
    Studentin: «Aber er trinkt?»
    Dozentin: «Sie trinken alle.»
  • «Von den Serben sagt man, sie würden unglaublich viel essen und seien trotzdem gertenschlank. Nur Gott weiss wieso.»
  • Studentin (im Linguistik-Seminar, also in erster auf die Sprache fokussiert): «Woran erkenne ich Montenegriner?»
    Dozentin: «Männer aus Montenegro sehen sehr gut aus.»
  • Während der Prüfung am Ende des Semesters: «Wenn ich jemanden beim Bescheissen erwische, hat er oder sie selbstverständlich mit keinen Sanktionen zu rechnen.»
  • «Dass wir hier nur Texte von Männern besprechen, liegt nicht an meiner chauvinistischen Agenda, sondern daran, dass Frauen über dieses Thema nichts geschrieben haben. So ein konservativer Laden ist die Uni.»
  • Zur selben Problematik, aber in einem anderen Seminar: «Die Rolle der Frau ist im russischen Bewusstsein ziemlich marginal.»
  • Und zum Dritten, dieses Mal mit Bezug auf Südosteuropa: «Gender-Studies auf Kroatisch? Ich glaube, diesen Begriff gibt es auf dem Balkan nicht.»
  • Eine Studentin zu Tolstojs Lebensanschauungen: «Ist er gegen die Institution der Ehe oder gegen Sexualität? Das erste wäre fortschrittlich, das zweite irrational.»
  • Ein scheinbar etwas verwirrter Professor: «Dieser Name kam mir einfach bekannt vor. Ich habe ihn gegoogelt und bin zu meiner Überraschung auf einen Verweis auf mein Buch gestossen.»
  • «Darum ging es uns Russen in den 1990er-Jahren: um Jeans, Fernseher und ums Fressen. Die Rückkehr Solzhenizyns interessierte auch Intellektuelle einen Dreck.» (Anm. dk.: Aleksandr Solzhenizyn ist der Verfasser von «Archipel GULAG», er wurde ausgebürgert und lebte lange Zeit in den USA.)

Zum Schluss ein besonders (un)appetitliches Schmankerl. Mit solchen Dinge müssen sich Studierende der Geisteswissenschaften bisweilen abquälen:

  • Aus einem Text, besprochen im Kurs Einführung in die theoretischen Grundlagen der Kunstgeschichte: «Wenn ich sage, dass das Raster diese Künstler nicht zur Originalität, sondern zur Wiederholung verdammt, so soll das aber keine negative Beschreibung ihrer Arbeiten sein. Vielmehr versuche ich damit ein Begriffspaar – Originalität und Wiederholung – unter die Lupe zu nehmen und die Verbindung dieser beiden Begriffe unvoreingenommen zu untersuchen; denn in dem von uns betrachteten Beispiel scheinen beide Betriffe in einer Art ästhetisierter Ökonomie miteinander verkoppelt zu sein, voneinander abzuhängen und sich gegenseitig zu stützen, und das obwohl der eine davon – Originalität – der valorisierte und der andere – Wiederholung oder Kopie oder Reduplikation – der diskreditierte Begriff ist.»

➜ Anmerkung an die Leserschaft von igosana.ch: Nichts verstanden? Macht nichts. Wir behaupten, 95 Prozent der Anwesenden auch nicht. Studierende der Kunstgeschichte nicken gleichwohl eifrig mit den Köpfen. Fakultätsfremde, etwa Gäste vom Slavischen Seminar, lassen sich ob solchen Texten zu politisch unkorrekten Aussagen wie dieser verleiten: «Wer solche Sätze schreibt, gehört in den GULAG.»

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