Kopf hoch, zu Guttenberg!

Jetzt, das der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg dem öffentlichen Druck nicht mehr länger Stand hielt, wollen wir uns an dieser Stelle wieder den wichtigen Dingen des Lebens widmen. Etwa der Stadt Belgrad.

Über diese sind in der NZZ vom 1. März (dem Minus-G Day, dem Tag von zu Guttenbergs Abgang) in der Rubrik «Aufgefallen» folgende Zeilen aus der Feder von Andreas Ernst zu lesen:

Kopf hoch, Belgrad!

Bergsteiger wissen es: Steinschlag droht vor allem nach eisigen Perioden, wenn es taut. In Belgrad wissen das auch die Fussgänger. Denn jeden Winter lösen sich Bruchstücke von den vernachlässigten Hausfassaden und krachen aufs Trottoir – im besten Fall. Nicht selten treffen die Fassadenteile aber Autodächer oder sogar Passanten. Jedes Jahr werden mehrere Personen verletzt bei Unfällen, die leicht auch tödlich ausgehen können.

Wer durch die Belgrader Innenstadt spaziert, dem fällt auf, dass die buchstäblich heruntergekommenen Fassaden oft attraktive Bausubstanz verbergen: Häuser aus der Zwischenkriegszeit mit Anleihen an die Bauhaus-Moderne, hin und wieder ein Art-déco-Palais oder auch sozialistischer Wohnungsbau aus den siebziger Jahren mit Bewusstsein für klare Proportionen. Es würde sich lohnen, diese Häuser zu erhalten. Doch die Erneuerung geschieht auf andere Weise: Man lässt sie zerfallen und füllt die Lücken mit Renditeobjekten, die sich überhaupt nicht in den städtebaulichen Kontext einfügen. Protzig und einfallslos, gebaut von Architekten und Bauherren, die nur dem Profit verpflichtet sind.

(…)

Von einer Gesetzesänderung, welche die Hausbewohner stärker in die Pflicht nimmt, ist zwar die Rede – aber was tun, wenn die Leute wirklich kein Geld haben? Kopf hoch und Ausschau halten nach herabstürzenden Objekten, empfiehlt eine Zeitung. Aber auch das ist gefährlich. Den der schlimmste Feind der Belgrader Fussgänger naht auf Augenhöhe und ist das Automobil.

Dem fügen wir an, dass es im Winter nicht nur herunterstürzende Gebäudeteile in sich haben. Auch der von den Dächern rutschende Schnee hat schon Menschen erschlagen. Wer schon solche Dachlawinen zu Boden donnern gesehen hat, wird fortan etwas vorsichtiger durchs Leben gehen und er weiss, dass sich der Blick nach oben immer lohnt.

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