Nimmermüder Zampano und Mann ohne Mimik

Unser Herr Koller hat mal wieder das Vergnügen, für sein Hausblatt einen Artikel über einen kulturellen Anlass zu schreiben. Als Ausgleich zu den vielen Politveranstaltungen der vergangenen Wochen und den bevorstehenen Marathan vom kommenden Abstimmungswochenende war er beim Kulturverein Träff Schötz. Hier ist er so etwas wie ein – unkritischer – Hofberichtserstatter. Aber mit Verlaub, was der «Träff» nach Schötz holt, hat selten harsche Kritik verdient.

«Reggae-Music from Ämmitau»

Schötz | «Schertenlaib & Jegerlehner» im Gasthaus St. Mauritz

«Päch» heisst das Programm der beiden Berner Kabarettisten «Schertenlaib & Jegerlehner». Glück hatte, wer es sich am Freitagabend in Schötz anschaute.

von David Koller

Hier der Dandy im hellen Stoff, mit Hut und langer grauer Mähne. Dort der Buchhaltertyp, dunkel gekleidet, karg das Haar, unscheinbar die Brille. Das sind Jegerlehner und Schertenlaib, zwei Kabarettisten aus dem Kanton Bern, ausgezeichnet mit dem «Goldige Biberflade» der Appenzeller Kabaretttage und am Freitagabend zu Gast beim Kulturverein Träff Schötz. Begnadete Musiker sind sie – alle beide Multiinstrumentalisten. Tanzmusik sei ihre Spezialität, sagen sie. Insbesondere bei Ladeneröffnungen.

«Schertenlaib & Jegerlehner» nehmen Normalos auf Korn, uns Füdlibürger vom Land. (Foto pd)

Fleischvogel im Teller des Vegetariers

Ihr aktuelles Programm «Päch» ist eine Melange aus Stücken aus verschiedensten Musikrichtungen. Von Jazz über Country – «Köuntri» – bis hin zum Chanson. Garniert werden diese Einlagen mit Erzählungen. Etwa über die Dorfschönheit Beetli, in die sich der prüde Schertenlaib unglücklich verliebte. Oder über die Metzg und das Lädeli vis-à-vis. Oft zanken sich die beiden. So wie es zwei eben tun, die sich ein Leben lang kennen. Schertenlaib mag es nicht, wenn Jegerlehner Geschichten über ihn erzählt. Oder ihn besingt, weil er ein Pechvogel sei, «ein Fleischvogel im Teller eines Vegetariers».

In ihrem Programm nehmen die beiden die Normalos aufs Korn, uns Füdlibürger vom Land: mal besingen sie die Kartoffelernte im Emmental, mal erzählen sie irgendwelche belanglose Geschichten. Etwa vom gemeinsamen Urlaub in Frankreich, seit dem Schertenlaib – zuvor ein veritabler Saucentiger – nichts mehr von dieser Beigabe wissen will, da er sich damit überessen hat. Wenn sie erzählen, tun sie das bisweilen simultan, jeder spricht für sich und achtet nicht auf den anderen. Von Diskurs keine Spur. Trotzdem ist es für den Zuschauer problemlos möglich, vom Inhalt des einen auf jenen den anderen zu wechseln.

Kühe auf Gras

Die Mimik. Schertenlaib, geht sie komplett ab. Sein Gesicht sieht den ganzen Abend gleich aus. Ganz im Gegensatz zu jenem von Jegerlehner. Etwa wenn die beiden musikalisch nach Jamaika schielen und «Reggae-Music from Ämmtitau» zum Besten geben: «Mein Vater ist ein Rastamann», singen sie im breitesten Berndeutsch. Seinen ersten Joint rauche dieser schon vor dem Melken. Und dann seine Kühe: am meisten Milch von allem gäben sie. Immer drauf seien sie, nur von eigenem Gras versteht sich. Jegerlehners Gesicht, mit dem er die benebelten und wiederkäuenden Vierbeinerinnen mimt, ist einer der Höhepunkte des Programms.

Es ist der Gegensatz der beiden, der die Qualität ausmacht. Hier der bald sitzende, bald herumwirbelnde Jegerlehner. Ein nimmermüder Zampano, der am Ende gar den Kopf seines Kompagnons zum Abdämpfen des Klangs der Trompete missbraucht. Dort der Mann ohne Mimik, sich den ganzen Abend hinter seinem kleinen Schlagzeug versteckend.

Gedichte auf Auftragsbasis

Mitunter rezitiert Schertenlaib Gedichte. Entstanden seien viele davon auf Auftragsbasis. Mit ihnen dringt er gelegentlich in dadaistische Spähren vor – ihre Aussage bleibt den Zuhörern ein Rätsel. Gerade dies sorgte am Freitagabend für herzhafte Lacher im Publikum.

Eines allerdings lässt das unterhaltsame Programm «Päch» vermissen: einen roten Faden. «Schertenlaib & Jegerlehner» reihen gelungene Musikstücke, Anekdoten und Gedichte aneinander. Wo deren Zusammenhang besteht, bleibt im Dunkeln verborgen. Es ist dies aber der einzige Kritikpunkt. Denn die Bruchstücke, die das Duo präsentiert, sind allesamt überaus amüsant. Von den zwei Berner Giele wird man in Zukunft wohl noch so einiges hören. Pech für jeden, der sie noch nie gesehen hat.

Willisauer Bote (WB),  5. April 2011
© David Koller, 2011

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