20 Jahre danach

Am 25. Juni 1991 proklamierten Slowenien und Kroatien ihre Unabhängigkeit. Damit besiegelten sie endgültig, was sich schon seit Jahren abzeichnete: den Zerfall der Sozialistisch Föderativen Republik Jugoslawien (SFRJ). Der Schritt in die Eigenständigkeit war das endgültige und unwiderrufliche Ende des Staats mit seinen «sechs Republiken, fünf Nationen, vier Sprachen, drei Religionen, zwei Schriften und einer Partei».

Angekündigt hatte sich der Zerfall bereits mit dem Tod des charismatischen Präsidenten (besser Diktator) auf Lebzeiten, Josip Broz Tito, am 4. Mai 1980. Sein Ableben war aber nicht der einzige Grund für das Auseinanderbrechen. Eine hartnäckige Wirtschaftskrise setzte Jugoslawien in den 1980er-Jahren zu und liess die Spannungen unter den verschiedenen Nationen im Vielvölkerstaat anwachsen – einem Gebilde, das nach dem Zweiten Weltkrieg als zweites Jugoslawien entstanden war. Schon seit Ende des Ersten Weltkriegs gab es einen Staat der Südslawen (jug = Süden), der allerdings noch deutlich weniger föderalistisch organisiert war. Bis 1929 hiess dieser Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, danach Königreich Jugoslawien.

Sechs Teilrepubliken und eine grosse Durchmischung der Ethnien: Die Sozialistisch Föderative Republik Jugoslawien im Jahr 1981.

Was der Loslösung Sloweniens und Kroatiens folgte, ist bekannt: schreckliche Kriege. Jener in Slowenien dauerte zehn Tage und forderte «nur» 74 Menschenleben. Dies in erster Linie, weil die nördlichste – und reichste – Teilrepublik der SFRJ ethnisch kaum durchmischt war. In Kroatien indessen lebten viele Serben, die Kampfhandlungen fielen deswegen deutlich brutaler aus. Die Apokalypse aber folgte ein Jahr später, als in Bosnien und Herzegowina der Krieg ausbrach. Denn dort glich die ethnische Landkarte vor dem Konflikt einen Leopardenfell – Kroaten, Serben und Bosnjaken (bosnische Muslime) lebten Tür an Tür. Entsprechend grausam war der Sezessionskrieg, der rund drei Jahre lang tobte. Abgeschlossen wurde der blutige Zerfall Jugoslawiens mit dem Konflikt im Kosovo im Jahr 1999.

Die Folgen sind auch heute noch allgegenwärtig. Kroatien und Serbien rücken sich zwar in letzter Zeit in kleinen Schritten wieder näher. Bosnien-Herzegowina indessen ist politisch immer noch mehrheitlich blockiert, die Wirtschaft kommt seit Jahren nicht vom Fleck.

Auch wenn sie auch auf dem Westbalkan längst nicht überall gleich beliebt ist oder gar als das Heilmittel betrachtet wird: die Europäische Union trägt ihren Teil zum Zusammenwachsen der zerstrittenen Völker bei. Dass Kroatien auf den 1. Juli 2013 der EU beitreten soll, dürfte die Situation weiter entspannen. Gleichwohl: in den Köpfen vieler ist nach wie vor ein teils offener, teils latenter Hass vorhanden. Dagegen kann auch die EU nichts tun.

Dem zum Trotz: der Westbalkan gehört zu Europa. Hier auf igosana.ch wurde schon oft über Ex-Jugoslawien geschwärmt. Landschaften und Einwohner sind wunderbar, das zu schreiben werden wir auch in Zukunft nicht müde werden.

Heute versuchen wir es aber für einmal mit einem anderen Ansatz – jenseits von Pathos und Moralin: Staaten, in denen solche niedliche Motive Milchkartons zieren, muss man doch einfach lieben:

Wer sich intensiver mit der Geschichte Ex-Jugoslawiens befassen will, dem sei als umfassendes und gut zugängliches Einstiegswerk folgendes Buch empfohlen:

Calic, Marie-Janine: Geschichte Jugoslawiens im 20. Jahrhundert. München, 2010. C. H. Beck. 415 Seiten.

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