Srebrenica nicht vergessen

Am 11. Juli jährt sich das Massaker von Srebrenica zum 16. Mal. Es gilt als schlimmstes Kriegsverbrechen in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Mehr als 8000 Menschen wurden damals in der ostbosnischen Stadt umgebracht.

Einer der Hauptverantwortlichen dieser scheusslichen Tat war General Ratko Mladić. Er war im Sezessionskrieg in Bosnien und Herzegowina Oberbefehlshaber der Armee der Republika Srpska (bosnische Serbenrepublik). Ende Mai wurde Mladić in Serbien endlich verhaftet. In Den Haag muss er sich nun vor dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) verantworten. Zu diesem Gerichtshof verweisen wir auch auf David Kollers Artikel über den ehemaligen ICTY-Ankläger Stefan Wäspi.

Mladićs unflätiges Verhalten vor dem Gericht – er musste unlängst des Saals verwiesen werden – lässt momentan drei Schlüsse zu:

  • Er ist endgültig verrückt geworden – normal war er ganz offensichtlich schon 1995 nicht
  • Er ist ein guter Schauspieler und will mit seiner angeblichen Krankheit das Gerichtsverfahren torpedieren
  • Er hat immer noch nichts von seiner Arroganz verloren und betrachtet sein Verhalten im Bosnien-Krieg nach wie vor als richtig

Das Verfahren wird sich wohl noch über Jahre erstrecken. Ein anderes indessen wurde dieser Tage abgeschlossen. Eines, dass die unrühmliche Rolle eines anderen Beteiligten zum Vorschein bringt: jene des niederländischen Dutchbats, einer Einheit, die im Auftrag der UNO die Menschen in der vermeintlichen Schutzzone um Srebrenica sichern sollte und dabei auf ganzer Linie versagte. Das Foto, auf dem Thomas Karreman, Kommandant der Blauhelme, und Ratko Mladić zu einem Trinkspruch anstossen, wurde Sinnbild für das katastrophale Scheitern – nicht nur der Niederlande, sondern der gesamten UNO.

Mahnmal für das Scheitern der UNO in Srebrenica. Ausgestellt am Berliner Zentrum für politische Schönheit.

Sieben Jahre nach dem Massaker trat die niederländische Regierung im Jahr 2002 wegen der begangenen politischen Fehler zurück. Ein zuvor veröffentlichter Untersuchungsbericht war zum Ergebnis gekommen, dass sie unzureichend vorbereitete Soldaten in die UN-Schutzzone geschickt hatte.

Nun hat ein niederländisches Berufungsgericht erneut ein Urteil gefällt. Dieses erscheint ob der Zahl der involvierten Beteiligten geradezu zynisch. Immerhin aber hilft es, dass Srebrenica nicht vergessen geht. Wir zitieren hierzu aus der NZZ vom 6. Juli 2011 (S. 2):

Die Niederlande sind nach dem Urteil eines niederländischen Berufungsgerichtes für den Tod dreier muslimischer Männer während des Massakers in Srebrenica im Jahr 1995 verantwortlich. Die Regierung muss den Angehörigen der Opfer nach dem Urteil eine Entschädigung bezahlen. (…) Niederländische Soldaten hatten Srebrenica bewacht, sich jedoch nach Angriffsdrohungen der bosnisch-serbischen Streitkräfte zurückgezogen.

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