Freakshow und Lampenfieber

Im Rahmen der reichhaltigen Berichterstattung des «Willisauer Boten» über das diesjährige «Heitere»-Openair in Zofingen kam David Koller die Aufgabe zu, über die Tops & Flops zu schreiben. Die dazu eingeplanten 1700 Zeichen waren reichlich knapp bemessen. Deswegen fanden Kollers heimliche Favoriten «The Hives» (sie kamen im Haupttext eines Arbeitskollegen vor) sowie die auch nicht grundschlechten Damen und Herren von «Luxuslärm» keine Erwähnung.

Tops & Flops. Ach, diese Amy Macdonald! Auf so vielen Bühnen hat sie schon gespielt, mit Preisen wurde sie überhäuft. Trotzdem immer noch nervös, wenn sie auftritt. Lampenfieber statt Starallüren. Die Schottin kam, verzauberte mit ihrem melancholischen Set und verpasste dem «Heitere» einen gebührenden Abschluss. Einen weniger sympathischen aber nicht minder hochstehenden Glanzpunkt setzten die dauerbekifften Hip-Hopper von «Cypress Hill». Der Joint auf der Bühne ist hier genauso Programm wie Flows und Grooves, die seit den 90ern Ihresgleichen suchen. Unbekannt aber mitreissend waren «LaBrassBanda». Sie zeigten, dass Bayern mitunter ein bisschen auf dem Balkan liegt: Tempo und verbeulte Blasinstrumente erinnern an Gipsy-Formationen aus Südosteuropa.

Das diesjährige Programm war geprägt von einem wilden Stilmix. Am wenigsten zu überzeugen vermochte der Samstag. Ganz unten auf der Skala rangierten «Kid Cudi» und «Culcha Candela». Beide dümpeln in seichten Popgewässern. Die Zweitgenannten sorgten zwar bei blutjungen Sympathisantinnen für hysterische Kreischattacken. Mehr als eine perfekt choreografierte Show von gutaussehenden singenden Tänzern boten sie nicht. Und warum die Veranstalter «Bonaparte» nach Zofingen holten, bleibt ihr Geheimnis. Die Musik der Indie-Punker verkam ob der grotesken Freakshow auf der Bühne zur Nebensache: barbusige Tänzerinnen spien Blut und rauften sich am Boden. Das mag in dunklen Grosstadtclubs ankommen, im Nachmittagsprogramm eines Festivals sorgt es bestenfalls für amüsiertes Kopfschütteln. Fazit: den kommerziellen Erfolg scheint eine fast schon konzeptlos erscheinende Programmierung nicht zu schmälern. Offenbar ist und bleibt Musik für viele «Heitere»-Besucher schlicht eine schöne Nebensache.

Willisauer Bote (WB), 17. August 2011
© David Koller, 2011

Kommentar verfassen

Du kannst die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>