Trennungsschmerz

Der Schweizer «Tatort» war in aller Munde. David Koller widmete dem Krimi seine neuste «Carte Blanche»:

Tatort
 Hinterland

Kommissar Reto Flückiger hat sich zurückgezogen. Die Trennung von Austauschpolizistin Abby Lanning setzte ihm zu. So sehr, dass er seinen Dienst quittierte und nun im Napfgebiet Ziegen und Kühe züchtet. Schöne Exemplare hat er in seinem Stall stehen. Sein prächtigstes Tier heisst Paris, mehrfache «Miss Euter». Die Kuh erinnert ihn an seine abgereiste Partnerin. Die Ähnlichkeiten sind frappant. Beide sind gutaussehend und haben das selbe schauspielerische Talent.

Hat aus Kummer über die Trennung von seiner Partnerin Abby Lanning den Dienst quittiert: Kommissar Reto Flückiger. (Foto SWR)

Der schöne Eremit geniesst sein Leben. Bis eines morgens in Willisaus oberen Brunnen die Leiche von Süsskind liegt, Redaktor bei der Lokalzeitung. In seinem Mund steckt ein Haufen nahezu wertloser Euro-Scheine. Die örtliche Polizei tappt im Dunkeln und bittet Flückiger um Hilfe. Widerwillig sagt der zu und beginnt zu fahnden. Rasch hat er einen Verdächtigen gefunden: SP-Politiker Engels. Diesem trauen viele zu, in seinem Kampf für die Überwindung des Kapitalismus über Leichen zu gehen. Zudem war sein Verhältnis zu Süsskind gespannt. Wiederholt kritisierte er diesen wegen seiner wirtschaftsfreundlichen Schreibe.

Als Flückiger Engels an seinem Arbeitsplatz an einem Rührwerk in der Ringli­fabrik aufsucht, bestreitet der vehement, etwas mit dem Mord zu tun zu haben. In einem Handgemenge wirft er den Kommissar zuerst in einen Behälter, gefüllt mit dem süssen Willisauer Wahrzeichen, anschliessend in einen voller Teig. Da fällt es Flückiger wie Schuppen von den Augen. Der Täter kann nur aus Basel kommen, aus dem dortigen Daig. Denn seit längerem machen die Ringli den Läckerli den Markt streitig. Und Süsskind wurde nicht müde, die Hinterländer Spezialität über alle Töne zu loben.

Flückiger, Ehrenmitglied eines Oldtimer-Traktor-Clubs, macht sich mit seinem roten Bucher P2100 auf ans Rheinknie. Er fährt und fährt und fährt. Bis die Sendezeit vorüber ist.

Fazit: Wenn schon Schweizer Käse, dann richtig billig. Werte Damen und Herren vom SF. Haben Sie Interesse an diesem Drehbuch für den nächsten Luzerner «Tatort»? Für ein fast schon symbolisches Entgelt stelle ich es zur Verfügung – die plumpen Klischees gibt’s obendrauf. Das ist gut für die Gebühren. Nationalrätin Ricklin wird’s freuen. Und mit Verlaub: Viel spannender als mein Machwerk war Ihres vom letzten Sonntag nicht.

Willisauer Bote (WB), 19. August 2011
© David Koller, 2011

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