Stimme der Peripherie

Wenn wir schon mal selber interviewt werden, dann soll dies der geschätzten Leserschaft von igosana.ch nicht vorenthalten werden. Im Rahmen der Serie «Leser&Macher» lässt der «Willisauer Bote» abwechselnd Leser und Mitarbeiter zu Wort kommen. Dieses Mal erwischte es David Koller. Und damit niemand auf falsche Gedanken kommt: die Fragen stammen nicht aus seiner Feder.

David Koller, 35, Redaktor Ressort Kanton

Das Faible für den Osten: Neben seinem 30-Prozent-Pensum beim WB ist David Koller Student. Seit vier Jahren befasst er sich mit osteuropäischer Geschichte, Slawistik und Politikwissenschaft. Sein Hauptinteresse liegt in den Staaten Ex-Jugoslawiens. Bevor der Nebiker zum WB kam, arbeitete er im Osten Luzerns: nach Abschluss seines Fachhochschulstudiums sammelte er während zwei Jahren journalistische Erfahrung beim «Seetaler Bote», ehe er im August 2006 beim WB anheuerte.

Sie studieren in Basel und Luzern: Warum arbeiten Sie noch beim WB und nicht bei der BAZ oder der NLZ?

Obwohl der WB keinen Auslandteil hat, ist er klar meine erste Wahl. Als Chef ziehe ich einen FCB-verrückten Möchtegern-Basler einem rechtskonservativen Blocher-Verehrer vor. Calivers statt Somm, das steht ausser Frage. Auch in Luzern muss ich nicht lange überlegen, welche Zeitung mein bevorzugter Arbeitgeber ist. Und: Ich war schon für ein paar Unternehmen tätig. Ein so tolles Team wie in Willisau habe ich nirgends angetroffen.

Sie sind vor allem im Bereich Kantonspolitik tätig: Ist das immer noch spannend, wiederholen sich die Abläufe nicht ständig?

Dass sich Abläufe wiederholen, ist das Los fast aller Journalisten. Routine kann ermüdend wirken, bringt aber einen grossen Vorteil: die Dossierkenntnisse wachsen. Wer zum fünften Mal an die Budgetmedienkonferenz des Kantons geht, versteht die komplexe Materie besser als der leicht verzweifelt aus der Wäsche blickende Kollege, der zum ersten Mal vor Ort ist.

Welche Geschichten schreiben Sie am liebsten?

Jene, bei deren Entstehung es brodelt. Etwa bei Wahlen. Ich liebe es, Teil einer gierigen Journalistenmeute im Regierungsgebäude zu sein und um Interviewmöglichkeiten zu kämpfen. Dann ist der Beruf so, wie er sein muss. Man ist kein Sesselhocker, sondern direkt am Puls des Geschehens.

Was würden Sie anders machen, wenn Sie WB-Chefredaktor wären?

Das etwas schwerfällige Layout auffrischen, auf der letzten Seite einen wirklich lustigen Comic einführen und darauf achten, dass weniger Gruppenfotos im Blatt sind. Vor allem aber würde ich dem Team sagen: «Weiter so! Ihr macht eine Zeitung, auf die wir stolz sein können.»

Können wir Sie nach Abschluss des Studiums als Südosteuropakorrespondenten im Radio oder Fernsehen erleben?

Ein Traum ist es. Aber ich bin Realist genug um zu wissen, dass es nicht viele solcher Korrespondenten braucht. Wohin es mich in eineinhalb Jahren verschlägt, steht in den Sternen. Vielleicht bin ich auch noch lange in einem Teilzeitpensum beim WB. Denn ob Luzerner Hinterland oder Bosnien-Herzegowina: Beides ist Peripherie – eine am Rande des Kantons, eine am Rande Europas. Peripherien brauchen eine Stimme. Hier wie dort.

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