Peter und die Studenten

Der Legende nach soll Peter der Grosse im Jahr 1703 in den Sümpfen am Rande des finnischen Meerbusens entschieden haben, im Nichts eine Stadt zu gründen. Heute herrscht Einigkeit darüber, dass dem nicht ganz so war. Eine Siedlung bestand bereits vor Ankunft des russischen Zars.

Nichtsdestotrotz: die Leistung ist beeindruckend. Ab 1703 entstand in drei Jahrhunderten eine pulsierende Stadt. Ein facettenreicher Lebensraum, der nicht nur Historiker in seinen Bann zieht – die aber besonders. Deswegen nimmt David Koller bis am 12. Juni an einer Exkursion in St. Petersburg teil. Deren Titel: «St. Petersburg. Hauptstadt des Imperiums.»

Der Nevskij Prospekt, zentrale Lebensader der Stadt, um 1890.

Was Herr Koller zusammen mit Basler Studenten besichtigen wird, zog schon vor 150 Jahren Besucher an. Deren Berichte lassen die Herzen von Osteuropa-Historikern höher schlagen. Der Reisende und Literaturhistoriker Alexander Baumgartner etwa hielt circa 1880 über das Zentrum der Stadt fest:

«Der Newskij-Prospect ist mit Holzpflöcken gepflastert, so dass es trotz der endlosen Menge der Fuhrwerke noch erträglich still darauf hergeht. Die Strasse zu kreuzen, ist aber mitunter wirklich unangenehm, da das Wagengedränge von links nach rechts kaum einen offenen Raum lässt.

Neben dem betäubenden Gewirre der Fahrzeuge drängt sich zu beiden Seiten auf den Trottoirs ein nicht weniger belebter Menschenstrom hin und her und in die Quere nach den Seitenstrassen und Plätzen hin. Officiere und Soldaten, Beamte, vornehme Herren und Damen in eleganter Toilette, Bauern in Kaftan und Pelzmütze, Kindermädchen in der buntfarbigen russischen Bäuerinnentracht, Stutzer mit Monocle und weithin strahlenden Manschetten, Studenten und Kinder, Proletarier der verschiedensten Sorte, Staatsräthe, Kaufleute, Dienstmädchen, Barttäger, wohl auch reisende Engländer und Deutsche, polnische Juden, Griechen, …Georgier in ihrem phantastischen Nationalcostüm, Ausrufer und Verkäufer der verschiedensten Dinge, kurz ein Tohuwabohu, wie man es nur auf einem bunten Weltjahrmarkt trifft. Nur all diese Nasen zu beschreiben, welche da an einen vorübergehen, würde einen neuen Band zu Lavaters Physiognomie liefern…»

Ein Tohuwabohu herrscht auch heute noch. Wie dieses Bild zeigt, hat es sich im Laufe der Jahrzehnte allerdings etwas gewandelt.

Lebensader ist er immer noch, jetzt aber akut infarktgefährdet: der Nevskij heute.

Ja ja, Student sollte man sein. Wir hören die Unkenrufe und Sticheleien förmlich. Doch wir lassen das mal so im Raum stehen. Denn wir freuen uns. Zumal während unseres Aufenthalts die weissen Nächte einsetzen. Jene Zeit, in der in der zweiten Hauptstadt Russlands die Sonne nie komplett untergeht.

Aber all die Nörgler seien beruhigt: das Programm ist dicht, viel Arbeit steht an. Glauben wird uns das niemand. Aber es ist wahr.

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