Wir fordern: Nach dem Liebesaus das Liebescomeback!

Fertig lustig: Stress und die Winiger, Ast und die Jordi, Scientology und die Holmes. Ein Liebesaus jagt die nächste. Das macht Angst, findet David Koller. Mit seiner aktuellen «Carte Blanche» erklärt er dem Trennungs-Trend den Krieg:

Vergängliche Liebe

Liebesaus. Ein scheussliches Wort. Dennoch verwendet es meine Zunft derzeit oft. Doch es läuft auch viel: Stress und Melanie Winiger trennten sich – das verflixte siebte Jahr. Italien kündigte Silvio Berluscioni die Liebe. Seal und Heidi Klum wollten ebenfalls nicht mehr. Florian Ast betrog das Dekolletee der Nation und zeigte uns endgültig auf, dass vermeintliche Traumpaare auch in der eidgenössischen Idylle nicht funktionieren. Und Katie Holmes schickte ihren Kleinen in die Wüste, den wilden Top-Gun-Piloten und grossen Scientology Hot Shot.

Desertierende Liebhaber. Überall. Doch nicht nur menschliche Zuneigung ist vergänglich. Auch institutionelle: Die Fifa will sich von der Korruption trennen, das Schweizer Fernsehen von der Miss-Wahl. Zwischen Luzern und seinen prächtigen Staatsrechnungen ist es ebenfalls aus. Nur dort, wo wir auf eine Scheidung warten, kommt sie nicht zu Stande. Sepp Blatter bleibt seinem Heiligenschein treu, die Athleten der Tour de France dem Doping. Auf Kim Jong Uns Grössenwahn würden wir genauso gerne verzichten wie auf Russlands Zuneigung für Syriens Terrorregime.

Das Liebesaus kommt meist dort, wo wir es nicht möchten. Auch in unserer Region sind wird nicht sicher vor ungewollten Entzweiungen. Machen Sie sich gefasst auf Schlagzeilen wie diese: «Napf trennt sich von Meringue», «Wigger verweigert Luther die Vereinigung», «Hart: Ringli verlässt Willisau endgültig», «Ebersecken kündigt Natelfunkloch die Liebe», «Luzern sagt den Steuersenkungen adieu», «Willisau: Land gibt Stadt den Laufpass» – das siebte Jahr steht an.

Die Ehe sei ein fades Menü, bei dem das Dessert am Anfang serviert werde, schrieb ein englischer Literat. Wieso so pessimistisch? Denn die Medien kennen noch ein anderes Modewort: Liebescomeback. Fussball- und Heiratslegende Lothar Matthäus machts vor. Oder Cavaliere Berlusconi, der zum gefühlten 1000. Mal an die Macht will – Neo-Zar Putin ist bereits so weit. Warum nicht auch bei uns? Deshalb: Paare, Vereine und Gemeinden. Bunga-Bunga! Würzt gehörig! Macht es wie die Fifa, lasst euch die Mahlzeiten versüssen. So wird jeder Gang zum Nachtisch und statt zum Liebesaus kommts zum (Hochzeits)-Schmaus.

Willisauer Bote (WB), 20. Juli 2012
© David Koller, 2012

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