Wir gewähren abgelehnten Texten Asyl

Mitunter ist die Zentralschweizer Medienwelt schwer zu verstehen. Die «Neue Luzerner Zeitung» (NLZ), von der Auflage her unangefochtener Platzhirsch, veröffentlicht seit einiger Zeit die Kolumne «Landauf, Landab». Einer der Autoren ist – oder besser: war – Dominik Thali. Der heutige Kommunikationsverantwortliche der Römisch-katholischen Landeskirche ist Ex-Chefredaktor des «Seetaler Boten» und war somit Ausbildner und Förderer des jungen Schreiberlings David Koller.

Zwei von Thalis eingereichten Kolumnen indessen wollte die NLZ nicht veröffentlichen. Begründung für die zweite Ablehnung: «Das könnte Reaktionen geben.» Wir fragen: ist das nicht ein Ziel von journalistischen Publikationen?

Weil die Texte thematisch nicht auf Thalis persönlichen Blog velofahrer.ch passen, springt igosana.ch in die Bresche. Gerne gewähren wir den wunderbaren Wortspielereien textisches Asyl:

Fasten
vernünftig

(geplant gewesen für: 30. März 2012)

Freitag, für Franziskaner Fridolin verordneter Fasttag: Frühmette, Fladen, fader Fenchel. Franz freilich, Fridolins fetter Vetter, findet: Fasten? Für Feinschmecker fakultativ. Futtert vergnügt, verdaut furzend. Frohnatur Franz verschmäht Fast Food.

Fridolin fürchtet: Franz Fall für Fegefeuer. Firlefanz, frotzelt Franz. Fratello Fridolin, friss Fleisch! Felizia, Franzens föhnfrisiertes Flittchen, füsselt vor, flötet verführerisch: Fridolin, verbissener Faster, vergiss Verordnung, Fasten verursacht Funinkulitis! Furunkel! Fäulnis!

Felizia, verführerisch-frühreif, verunsichert Fridolin. Fasten Fehlverhalten? Funinkulitis? Furunkel? Fürchterlich! Fridolin, feminin vereinsamt, vermutet: Verzichten vermutlich vernünftiger… freilich… Felizia, feurige Frühlingsverschwendung; Fleisch, verborg’nes Vergnügen… Vermaledeite Versuchung! Fridolin flennt und fleht: Vater, verzeih! (Vater flüstert: Fridolin, Vorsicht Falle! Fridolin freilich verhört Vorwarnung.)

Vielgeliebtes Fleisch! Feiste Felizia, feuchte Verwirrung! Fridolin, vermutlich flatterhaft veranlagt, verzagt, verfällt Versuchung, verspürt versengendes Verlangen. Futtert fleissig Fleisch, vernascht flammende Felizia, fabuliert flapsig vulgäre Versprechen, verkrampft, verschwitzt, verworren, verausgabt – feines Fleisch, fiese Felizia!

Verfluchte Völlerei! Vermaledeites Frauenzimmer! Fridolin verpennt Vesper. Verflixt!

Frühabends – Felizia fort, Fridolin fiebert; furchtbar verlegen, vollends versagt. Fulbert freilich, verständiger Franziskanervorsteher, versteht Fridolin: Vorbei, Fridolin, vergessen; Vater verzeiht Versündigung. Fulbert fordert: Fürchte fürderhin Felizia. Fraulicher Frontalangriff, fieser Fallstrick! Fridolin versöhnt: Fulberts Fingerzeig vernünftig. Felizia? Fertig, verdorb’nes Früchtchen!

Vetter Franz frotzelt: Fridolin, frommer Versager! Findet Franziskanerversprechen fürchterliche Fessel. Franz frisst fleissig Fleisch, verführt Fräulein für Fräulein, versäuft Freitag für Freitag.

Vater freilich vergilt Frevel folgenden Freitag folgenschwer. Fatales Finale: Fressfanatiker Franz verplatzt. Fridolin, verschrickt: Voll fett! Vermeidet fürderhin Fleischfrass, versagt Frauen Versprechen. Findet: Fasten vernünftiger!

Das Bi-Schaf

(geplant gewesen für: 22. Juni 2012)

In Zeiten, in denen der Franken teuer ist, sind selbst die Zeilen knapp. Wir Kolumnenschreiber sind deshalb angehalten, keine Buchstaben zu vergeuden. Weil wir spuren beim Sparen, verwenden wir nur noch Wörter, die sich mit bloss einem Tastentipp zu neuer Bedeutung reziklieren lassen. Sie lachen? Wir müssen solche Sachen machen. Die Bosse drohen sonst mit Busse. Immerhin gehen sie beispielhaft voran: Der Chef zitiert seinen Knecht und der zittert: Heute gefeiert, morgen gefeuert. Will er sich wehren, um seine Rechte zu wahren, sagt ihm der Chef, er richte sich nur nach dem Gesetz. Und dies nach jahrelangem Gehetz! Zum Dank gibts einen Betrag, doch so gering, dass dies an Betrug grenzt. Der Knecht sieht sein Vorurteil bestätigt: Männer mit Merz haben kein Herz. Sie häufen Gold in ihre Kisten und schaufeln Geld auf unsere Kosten.

Jä nu, meint derweil die Magd – auch ein Graf endet mal im Grab. Gibts in nächster Zeit halt Huhn aus der Suppe statt Hahn aus dem Chörbli. Und gehen die Kinder eben ohne Schuhe zur Schule. Sie ist sich gewiss: Im Himmel wirds wieder Hammel geben, so Gott wott. Schliesslich, denkt die Magd, hat seinerzeit schon Jesus aus fünf Broten quasi einen Braten gezaubert. Er wird allemal einen Bischof in zwei Schafe verwandeln können, wenn ich dies schon auf Erden mit nur einem Letternwechsel und Bindestrich fertig bringe: Aus dem Bischof mach‘ ich das Bi-Schaf.

Stimmt, damit wird der Sport, den ich mir aus der Buchstabensparerei mache, endgültig zum Spott. Der Bischof würde mir das schlecht vergüten, weshalb Gott weitere Ausrutscher verhüten möge. Heute Freitag kommt vorsichtshalber Fisch auf den Tisch.

Und am Wochenende? Gehen Sie auf den Gurten oder in den Garten? Mich zieht es nach Mailand. Ich habs mit dem Papst. Der ist ebenfalls Fan von Inter Hailand.

Fazit: so günstig sind wir auf igosana.ch schon lange nicht mehr zu so durchdachten Texten gekommen. Danke, liebe NLZ.

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