Gebrauchte Socken statt Krankenkasse

In seiner neusten «Carte Blanche» im «Willisauer Bote» erteilt David Koller sechs Ratschläge für den Umgang mit lästigen Werbeanrufen.

Telefonterror

Sie stehlen unsere Zeit. Sie beleidigen uns – denn sie sprechen uns die Fähigkeit ab, selber zu entscheiden was wir wollen. Sie besitzen eine Penetranz, die an Nötigung grenzt. Werbeanrufe: welch Plage! Derzeit klingelt das Telefon besonders oft. Die Zeit der Krankenkassenwechsel. «Möchten Sie Geld sparen, Herr Koller» – «Nein Danke.» – «Aber Herr Koller, ich hätte da ein tolles Angebot. Wir würden gerne mal ganz unverbindlich vorbeikommen» – «Nein Danke!» – «Aber Herr Koller, bla, Kosten, bla, günstig, bla, Herr Koller, bla, ohne Zwang.» – «NEIN DANKE, ich habe wirklich kein Interesse.» Ganze drei Minuten brauchte ich ihn diesem Fall, um das Gespräch abzuwürgen.

Genug jetzt! Befreien wir uns aus der Opferrolle. Nachfolgend sechs Strategien, um dem Telefonterror vorzubeugen:

1.) Der Ignorant: Viele Callcenter befinden sich im Raum Zürich. Ergo nehmen wir keine Anrufe mit der Vorwahl 044 an. Dies bedingt, dass wir keine Freunde in Zürich haben. Aber das hat ein Luzerner in der Regel nicht.

2.) Der Bankrotte: Wir hören uns geduldig an, was der Verkäufer im Angebot hat und entgegnen dann: «Tönt genial. Aber ich muss Ihnen sagen: ich habe den Hintern voller Schulden.» Über Jahre erfolgreich von meinem Vater angewendet. In 99 von 100 Fällen ist das Gespräch danach im Nu beendet.

3.) Der Schweigsame: Telefon abnehmen, Hörer hinlegen.

4.) Der Darsteller: Wir zelebrieren ein Schau- oder besser Hörspiel, wie es letzthin ein Bekannter tat – er wird bald 40, notabene: «Ob ich ein italienisches Kochbuch will? Da muss ich Papi fragen.» Legt Hörer ab, im Hintergrund: «Papi, Papi! Papi, wo bist du?» Nach einer Minute zurück am Telefon (panisch): «Sie, mein Papi ist nicht da. Das gabs noch nie. Was soll ich tun?»

5.) Der Pädagoge: Wir drücken den Hörer dem Nachwuchs in die Hände, der gerade seine Freude am Telefonieren entdeckt hat (im Idealfall zwischen 3 und 4 Jahre alt): «Hoi, wär besch? Was machsch?» Dies bedingt Nachwuchs im Haus, aber das hat ein Hinterländer in der Regel.

6.) Der Verkäufer: Wir schlagen sie mit ihren eigenen Waffen: «Nein, da habe ich kein Interesse. Aber wo ich Sie schon mal dran habe: ich hätte noch zehn Paar gebrauchte Socken im Angebot. Sehr günstig!»

Fazit: regen Sie nicht auf, machen Sie aus der Plage ein Spiel. Seien Sie kreativ. Sie werden es kaum erwarten können, bis das nächste Mal ein Opfer aus einem Callcenter am Apparat ist.

Siehe auch den Nachtrag zu diesem Artikel: Fiese Callcenter

Willisauer Bote (WB), 14. September 2012
© David Koller, 2012

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