Um Himmels Willen!

Der Himmel ist ein gigantisches Grossraumbüro, in dem immer Freitagnachmittag ist. Gott sieht aus wie ein (Zitat) «gottverdammter Herzensbrecher mit Filmstarqualitäten» und ist ein allseits beliebter Chef. An Sitzungen mit den Aposteln wird geflucht, gesoffen und gekifft. Auch Jesus ist dem berauschenden Kraut nicht eben abgeneigt; er spielt begnadet E-Gitarre und rülpst schon mal, wenn er sich ein kühles Blondes genehmigt.

Doch vorerst ist es vorbei mit Jam-Sessions mit verstorbenen Gitarren-Göttern wie Jimi Hendrix. Weil in den letzten Jahrhunderten auf der Erde einiges aus dem Ruder lief – Gott war in jener Zeit in den Angelferien und sein Sohn nahm als Stellevertreter seine Aufgabe nicht sonderlich ernst –, schickt der Herr Jesus abermals hinunter. Denn religiösen Fundamentalismus, Kriege und Umweltverschmutzung will er nicht länger hinnehmen. Das ist der Plot von John Nivens «Gott bewahre», einem im Jahr 2011 erschienen Roman, der uns dieser Tage in die Finger gekommen ist. Mit Verlaub, ein guter Plot.

Mitunter indes erscheinen die Abfälligkeiten des heiligen Personals etwas gar gesucht. Das Ozonloch etwa bezeichnet Gott als «VERFICKTES LOCH, so gross wie mein Schwanz». Provocation sells. Manchmal wäre weniger mehr. Andere Stellen machen solche Tiefgänge aber wieder wett. Etwa, wenn sich Jesus auf Erden über bigotte Amerikaner aufregt, die HIV-Positive vertreiben oder gegen Homosexuelle hetzen. Das versteht er nicht. «Gott mag Schwuchteln», wird dessen Sohn nicht müde zu betonen. Von ihnen hat Gott auch seinen universellen Leitsatz: «Seid lieb!» Seines Erachtens würde der genügen. Aber Mose nahm sich seinerzeit etwas gar wichtig und schrieb gleich zehn Gebote nieder. Sehr zum Missfallen seines Chefs.

Höhepunkte bietet das Buch viele. Etwa, wenn Jesus und Gott in der Hölle vorsprechen. Satan lässt ihnen ein Essen auftischen, serviert von Ronald Reagan. Der schmort genauso in der ewigen Verdammnis wie Josef Mengele, Pol Pot oder Michael Jackson. Lesenswert ist der Roman auch dann, wenn Autor Niven – er stand einst im Sold einer Plattenfirma – Musik-Casting-Shows seziert. In einer solchen tritt Jesus auf, um seine Botschaft einem breiten Publikum zu verkünden. Doch mit seinen linken Ansichten ruft er Gegner auf den Plan. Alles nimmt seinen Lauf, wie schon vor 2000 Jahren.

Was auf den 400 Seiten zusammenkommt, ist süffig verpackte Gesellschaftskritik. Und – um es mit den Worten des Autors auszudrücken – ein gehöriger Tritt in den Arsch all jener, die sich mit ihrem erzkonservativen und homophobem Verhalten auf die Bibel berufen.

Wer den Roman noch nicht gelesen hat, dem empfehlen wir: Nachholen, um Himmels Willen!

Kommentar verfassen

Du kannst die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>