Missverstandene Metaebene

Abermals verfasste David Koller für den «Willisauer Boten» einen kurzen Text über die Tops & Flops des diesjährigen «Heitere». Das Openair gefiel besser, als ob des Programms zu erwarten war.

Von Perlen und seichtem Pop

Lorbeeren konnte das Heitere-Programm im Vorfeld nicht viele einheimsen: Abermals sei es konzeptlos, Zugpferde fehlten, vor allem aber sei es zu kommerziell und lasse künstlerische Qualität vermissen. Doch (wir) Skeptiker wurden eines Besseren belehrt. Es gab Perlen. Die erste: Die Oldschool-Hip-Hopper von «Public Enemy». Genauso zu überzeugen vermochte der Berner Greis. Doch dann der Absturz: Pitbull. Eine synthetische Show bar jeden musikalischen Handwerks, dazu eine gehörige Portion Sexismus. Dieser niveaulosen Elektromusik folgte intelligente: «2manydjs» brachten die Qualität zurück und das Volk zum tanzen.

Am Samstag überzeugten unter anderem «Kraftclub» mit Stromgitarren und Bühnenpräsenz. Besucher, die sich ob Pitbulls akustischem Massaker immer noch die Ohren rieben, freuten sich über eine Breitseite an seine Adresse. Wem der Amerikaner nicht gefallen habe, der habe seine Aussage auf der Metaebene nicht verstanden, frotzelten «Kraftclub». Tatsächlich nicht verstanden wurden «Empire of the sun». Trotz zweifelsohne vorhandenen Qualitäten und einer visuell beeindruckenden Show blieben die Australier seltsam unzugänglich. Entsprechend harsch waren die Reaktionen.

Ganz anders am Sonntag. Bühne und Zuschauerraum schienen sich zu vereinen. Bastian Baker, «77 Bombay Street» und «Unheilig» sind Geschmacksache. Seichten Pop mögen die ersten beiden machen, schwer einzuordnende Musik die Letzten: Mal schrammen die pianoschwangeren Balladen von «Unheilig» hart an der Grenze zum Kitsch, mal erinnert alles zu sehr an «Rammstein». Doch alle drei packten das Publikum. Noch selten sangen so viele Kehlen gemeinsam, wie bei «77 Bombay Street» und «Unheilig». Fazit: Künstlerisch wäre mehr drin gelegen. In Sachen Stimmung haben die Macher das Optimum herausgeholt.

Willisauer Bote (WB), 13. August 2013
© David Koller, 2013

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