Auf den Hund gekommen

Unerwartet wurde David Koller zum Mit-Hundehalter. Das war ihm eine «Carte Blanche» wert.

Diva mit Dackelblick

Vor genau sieben Jahren war an dieser Stelle von Jumbo zu lesen, meinem ersten Hund. Noch ein Kind, war ich für die Erziehung des mittlerweile längst in den ewigen Jagdgründen pirschenden Terriers verantwortlich. Und scheiterte kläglich. Er war der Hund mit den schlechtesten Manieren der Welt, davon ist meine Familie bis heute überzeugt – 0,0 Prozent gehorsam sei er gewesen. Mit einer solchen Erfolgsquote sollte man die Finger von Vierbeinern lassen. Doch wie die Jungfrau zum Kinde kamen meine Liebste und ich unlängst zu einem Dackel. Aus heiterem Himmel fiel uns der drahthaarige Geselle in den Schoss, aus dem Nachlass einer unerwartet verstorbenen Verwandten.

Buma. Zuvor war er von Beruf Hund in einer Stadtzürcher Quartierbeiz. Jetzt ist er pensioniert, hat er doch schon elf Lenze auf seinem Buckel. Nach der gängigen Rechnung sind das 77 Menschenjahre. Ein regelrechter Methusalem ist unser neuer Mitbewohner. Wenn er will, ist das gut sichtbar. Meistens schläft er – zufrieden grunzend. Ist er wach, ist sein Gang gemächlich und erinnert an jenen der auf indonesischen Inseln lebenden Riesenechsen, von denen die «NZZ am Sonntag» schrieb, sie hätten etwas «unverwechselbar putinhaftes». Mit seinem stoischen Tapsen sorgt Buma für eine Entschleunigung unseres Lebens. Doch er kann auch anders. Wie unlängst an einem Gartenfest, als er zur allgemeinen Gaudi blitzartig aus seiner Lethargie erwachte und wie von der Tarantel gestochen einer Katze nachhetzte.

BumaSchläft meistens zufrieden grunzend, und das erst noch auf dem Rücken: Buma, eine 77-jährige – unverkennbar männliche – Stadtdiva.

Ein wahrer Zürcher: Obwohl in seinem Hundepass steht, er habe Sauhaar, kann er sich wie eine Grossstadt-Diva benehmen. Dann etwa, wenn Spaziergänge seiner Meinung nach zu früh enden: Zuerst gibt es einen meisterhaften Dackelblick. Bliebt der erfolglos, ändert das Hundetier die Strategie. Aus dem gemütlichen Pensionär wird ein pinkeliger Doktor: Jedes Grasbüschel beschnuppert er pedantisch, um anschliessend seinen 77 Jahren zum Trotz sportlich elegant das Bein zu heben. Dennoch: Im Gegensatz zu Jumbo ist er enorm gehorsam – wenn er denn will. Die Quote liegt somit bei ungefähr 50 Prozent. Doch mit diesen Federn kann ich mich nicht schmücken. Ich werde immer die Bürde tragen, der erfolgloseste Hundeerzieher der Welt zu sein. Vielleicht kann ich mein ramponiertes Ansehen wenigstens ein bisschen verbessern, indem ich einem eingebildeten Zürcher Altersasyl gewähre.

Die erwähnte «Carte Blanche» über Jumbo gibt es hier, einen Beitrag zu den Riesenechsen in Indonesien hier.

Willisauer Bote (WB), 17. August 2013
© David Koller, 2013

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