Vermaledeite Marketingsprache

Der «Willisauer Bote» hat ein neues Kleid. In der ersten Ausgabe mit dem überarbeiteten Layout fiel David Koller die Ehre zu, die «Carte Blanche» zu verfassen. Darin lästert er über ein Wort, dass auf der Redaktion am Viehmarkt 1 in den letzten Wochen oft zu hören war.

Lauch und andere Unwörter

Jetzt ist es also offiziell. Auch in der behäbigen Schreibstube am Viehmarkt 1 sind sie angekommen, die Marketing-Unwörter. Wir, die wir die elegante Sprache hochhalten, schon mal einen herrlich veralteten Begriff in unsere Texte mit einfliessen lassen und mitunter einen aus unserer Mundart. Auch uns hat dieses Mödali erreicht. Mit der heutigen Ausgabe ist dem «Böttu» ein «sanfter Relaunch» widerfahren – ein gelungener, notabene. Trotzdem: Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht. Aber ich stolpere jedes Mal über diese Aneinanderreihung von Buchstaben und baue im Kopf unwillkürlich einen Relauch zusammen. So ein Chabis! Als Kind konnte ich Lauch nicht ausstehen, heute verschmähe ich ihn etwas weniger. Ob meine Abneigung gegenüber neudeutschen Wörtern dereinst ebenso abnimmt, wage ich gleichwohl zu bezweifeln.

Vermaledeite Modeausdrücke! Auch im Hinterland ist längst jede Hondsverlochete ein Event, jedes noch so kleine Budali hat einen CEO. Immer mehr Anglizismen verunstalten unsere Sprache; den Peak – Pardon, besser wäre wohl: Tiefpunkt – haben wir noch nicht erreicht. Weitere Beispiele gefällig? Ein Branding hat nichts mit der Feuerwehr zu tun, sondern mit dem Aufbau einer Marke. Ein Eyecatcher ist kein Werkzeug zum Öffnen des sonntäglichen Dreiminuteneis. Vielmehr etwas, das dem Betrachter ins Auge springen soll. Als wir den Wettbewerb für das neue Gewand unserer Zeitung ausschrieben, führte dies zu Pitches. Bahnhof? Für mich genauso. Pitch ist die Kurzform von Pitching, belehrt das Marketinglexikon. Immer noch Railway-Station? Ein Pitching ist die Präsentation von Kampagnenstrategien und Layouts einer Werbeagentur vor einem Kunden. In einer solchen Agentur arbeitet vielleicht ein Junior-Back-Office-Agent. Was der macht? Ich will es gar nicht wissen! Auch nicht, ob er vor dem Briefing zum Kick-off noch an einem Businesslunch mit dem Art Director war, oder ob dieses Timeout seinen Workflow zu sehr beeinträchtigt hätte.

Engstirnig? Ewiggestrig? Müsste ich ob meines Purismus gar die Luzerner Mundart-Initiative annehmen? Nicht doch! Sprache wandelt sich. Das war immer so und wird immer so bleiben. Aber jedem Gitzimischt sollten wir Schreiber vom Viehmarkt 1 dennoch nicht nachrennen.

Willisauer Bote (WB), 13. September 2013
© David Koller, 2013

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