Dreckfressende Jungspunde

Vergisst eine Organisation ihren runden Geburtstag zu feiern, holt sie es bei der ersten Schnapszahl nach. So wollen auch wir es tun. Denn am 24. November 2002 verfasste David Koller seinen allerersten Artikel für eine Zeitung. Das wäre 2012 zu feiern gewesen. Doch eben, das Zehn-Jahre-Arbeitsjubiläum als Journalist ging vergessen. Das holen wir jetzt nach. Und drehen die Zeit zurück.

Es war im November 2002. Koller befand sich im ersten Jahr seines Fachhochschul-Studiums der Wirtschaftskommunikation. Sein Berufsziel war klar. Journalist. Dazu war Schreiberfahrung notwendig. Deswegen klopfte der Jungspund beim «Willisauer Bote» an. Und erhielt seinen ersten Auftrag.

Turnerabende, Musikkonzerte und Volkstheater

«Dräck frässe» nennen sie es in Willisau: Es sind jene Jobs, die niemand machen will und die man mit Vorliebe den Anfängern unterjubelt; und bei deren Vergabe die Redaktoren jeweils mit einem leicht schadenfreudigen Lächeln anfügen, durch das müsse jeder durch.

Auch Herr Koller frass Dreck. Viel Dreck. Zuerst in seiner Zeit als freier Mitarbeiter, später als Praktikant. Turnerabende, Musikkonzerte und Volkstheater. Doch das öffnete ihm Redaktionstüren. Im Herbstt 2004 – nach Abschluss des Studiums – jene des «Seetaler Bote», wo er als Redaktor anheuerte. Nach zwei Lehrjahren in Hochdorf wechselte er anschliessend ins Stammhaus nach Willisau.

Doch genug der rückblickenden Worte! Wir haben in den Tiefen der heimischen Festplatte gewühlt und den allerersten kollerschen Zeitungsartikel gefunden. Es ging um das nicht eben befeuernde Thema der Eröffnung einer Holzschnitzelheizung:

Heiztechnisch ist Reiden die Nummer Eins

Reiden: Holzschnitzelheizung mit Wärmeverbund offiziell in Betrieb genommen

Diesen Samstag wurde in Reiden die neue Holzschnitzelheizung im Rahmen des «Tags der Ofentür» offiziell in Betrieb genommen. Die Baukommission durfte als schweizerische Premiere die Qualititätszertifizierung der Holzenergie Schweiz entgegen nehmen.

Die Feuerprobe hat die neue Reidener Heizanlage bereits hinter sich. Seit Anfang September versorgt sie die angeschlossenen Gebäude zuverlässig mit Wärme. Davon profitieren Private, Schüler, Senioren und Kirchgänger: Dem Netz mit einer Länge von etwas mehr als 900 Metern sind sämtliche Schulgebäude, das neue Pfarreiheim samt Kirche, das Alters- und Pflegeheim Feldheim, die Überbauung Bijou sowie mehrere private Wohnhäuser angeschlossen.

Fehlermeldung per SMS

Die Kapazität der Anlage ist noch nicht voll ausgelastet. Von den rund 1500 kW, welche sie zu leisten vermag, benötigen die heutigen Bezüger erst deren 1300. Davon gehen 455 kW ans Alters- und Pflegheim, dem grössten Abnehmer des Verbundes, während einzelne Wohnhäuser mit 5 kW über die Runden kommen. Um die Leistung langfristig optimal zu nutzen werden in absehbarer Zeit weitere Wohnhäuser ins Netz integriert. Wärme erzeugt die Heizung aus gehäckselten Holzschnitzen, fossile Energieträger sind unbedeutend geworden. Das neue System enthält zwar noch eine Ölheizung. Diese soll aber nur an extrem kalten Tagen oder bei kurzfristigen Ausfällen des Hauptaggregats unterstützend eingreifen. Zudem übernimmt sie die Warmwasserversorgung im Sommer. Durch ihre Grösse ist die Holzschnitzelheizung für dermassen kleine Leistungen nicht mehr rentabel einsetzbar. Die neue Anlage repräsentiert den aktuellen Stand der Technik. So besitzt sie beispielsweise ein Selbstdiagnosesystem, welches allfällige Fehler erkennt und dem Verantwortlichen automatisch per SMS meldet.

Holz aus den umliegenden Wäldern

Für Nachschub ist die Kooperation Reiden verantwortlich. Rund 260m3 Holzschnitzel fasst das Silo. Bei einem jährlichen Verbrauch von rund 3000m3 ergeben sich somit etliche Nachfüllungen, welche mit einigem logistischen Aufwand verbunden sind. Die Kooperation berücksichtigt ausschliesslich Lieferanten aus den Verbundsgemeinden des Alters- und Pflegeheim Feldheim. Die hauptsächlich privaten Anbieter erhalten ihr Entgelt nicht für die gelieferte Menge. Vielmehr ist für die Abrechnung der Energiegehalt des Holzes massgebend. Eine neue Messmethode, die ursprünglich nicht überall für Begeisterung sorgte. Mittlerweile haben sie aber sowohl Lieferanten als auch Abnehmer als optimale Lösung akzeptiert. Das Holz aus den umliegenden Wäldern hilft dem Wärmeverbund, jährlich rund 300’000 Liter Heizöl einzusparen.

Erstes Zertifikat der Holzenergie Schweiz

Christoph Rutschmann, Geschäftsführer von Holzenergie Schweiz, gratulierte der Baukommission zur Ausführung des Projektes innert Rekordzeit von nur fünf Monaten. Neben lobenden Worten für die problemlose Realisierung der neuen Anlage übergab er als schweizerische Premiere die Zertifizierung der Holzenergie Schweiz. Diese attestiert dem Grossprojekt, die hohen Qualitätsanforderungen des Vereins vollständig zu erfüllen. Hubert Käch, Gemeinderat und Präsident der Baukommission, freute sich über das Zertifikat mit der Nummer 0001: «Wir haben hier in Reiden nicht die tiefsten Steuern, auch sportlich können wir nicht immer mitreden, aber diese Nummer Eins kann uns niemand mehr wegnehmen!»

Willisauer Bote (WB), 26. November 2002
© David Koller, 2013

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