Remarque und Estermann

Drei Wochen sind seit seiner Verehelichung verstrichen. In der Zwischenzeit hat Herr Koller für verschiedene Auftraggeber einiges geschrieben, ein Podium moderiert und sein Diplom als Master of Arts entgegengenommen (Prädikat: Insigni cum laude). Daneben hat er auch noch ein bisschen gelesen.

Aus Anlass des 100. Jahrestags des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs hat er sich endlich Erich Maria Remarques Klassiker «Im Westen nichts Neues» zu Gemüte geführt. Diesen bedrückenden Antikriegsroman, der so schnörkellos vorführt, wie noch halbe Kinder der Kriegsmaschinerie vorgeführt werden; wie sie zu Krüppeln werden – physisch genauso wie psychisch, wie sie sterben. Wer das Buch noch nicht kennt, dem sei es wärmstens empfohlen.

Yvette EstermannOb sich dies auch über die zweite aktuelle Lektüre  Kollers sagen lässt, sei dahingestellt: «Erfrischend Anders» der Luzerner SVP-Nationalrätin Yvette Estermann. Mit Verlaub, dieses Buch in einem Atemzug mit einem Remarque zu nennen, ist geradezu eine Frechheit. Doch diesen Anspruch wollen wir Estermann auch nicht unterstellen. Vielmehr will die Nationalrätin einen «tiefen Einblick in ihre spirituell-philosophischen Motive und politischen Überzeugungen» verschaffen – so verspricht es der Klappentext. Herr Koller hat das Buch noch nicht gelesen, und er wird es mit deutlich weniger Innbrunst tun, als bei Remarque. Aber was bleibt ihm übrig? Als frischdiplomierter Osteuropa-Experte und langjähriger Politberichterstatter im Kanton Luzern ist es für ihn ja geradezu Pflicht, das Werk der in der Slowakei geborenen Innerschweizer Patriotin zu analysieren.

Ob er hier nach Ende der Lektüre eine Rezension nachreicht, lässt er offen. Nur so viel ist jetzt schon klar: Von Remarques Buch wird man auch in 20 Jahren noch sprechen, von Estermanns wohl kaum.

Estermann, Yvette: Erfrischend Anders. Orell Füssli. 2014. 224 Seiten.
Remarque, Erich Maria: Im Westen Nichts Neues. Kiepenheuer & Witsch. 2013. 360 Seiten.

One comment

  1. Das Froilein

    Hübsches Cover gleich hübscher Inhalt? Aber wie das Froilein inzwischen weiss: Auch Biographien basieren auf weniger Wahrheit denn Fiktion Schrägstrich Lüge. Trotzdem: echt hübsches Cover.

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