Dümmer als Nachbars Hund

In seiner aktuellen «Carte Blanche» schreibt David Koller über lokal geprägte Beschimpfungen und Schweizer Cervelat-Prominenz.

Kneubühlers Hund und die Bellers

«Du besch dömmer aus s’Chneubüehlers Hond. Ond dä hett vor Dömmi de Täuer gfrässe onds Fleisch lo si.» Welch stilvolle Beleidigung! Als Kinder haben wir uns damit gegenseitig aufgezogen. Dann geriet sie in Vergessenheit. Unlängst – beim Schwelgen in süssen Erinnerungen – kam Kneubühlers unterbelichteter Hund wieder zum Vorschein. Grund genug für eine Recherche über dieses Schmuckstück der einst bei uns in Nebikon gefrönten Kunst des Diffamierens. Leider hielt sich der Erfolg meiner Suche in Grenzen. In den Weiten des Internets gibt es zwar Schimpfwörterdatenbanken mit Perlen wie Airbagnachrüster, Dönergesicht, geistige Lichthupe, Glatzenföhner, Kontoauszugüberprüfer, Liebesfilmflenner, Schiffschaukelbremser, Sozialromantiker, Tempelhure oder Traumfrausucher. Informationen über den sagenhaft dummen Hund hingegen habe ich keine gefunden.

Eine nicht sonderlich repräsentative Umfrage im Kreise meiner Arbeitskollegen ergab, dass niemand die Redewendung kennt. Mit dem Ausschlussverfahren führt dies zum stark vereinfachenden Schluss, dass Kneubühler und sein Hund Nebiker gewesen sein müssen. Denn nur dort scheint man sie zu kennen. Wann die beiden gelebt haben, ist nicht mehr nachvollziehbar. Sicher ist einzig, dass sich schon unsere Väter mit dem hündischen Vergleich geneckt haben.

Apropos Kläffen. Kennen Sie Irina Beller? Unlängst hat sie ein Buch darüber geschrieben, wie frau sich einen reichen Mann angelt. «Hello Mr. Rich» heisst das Machwerk. Dem Boulevard war das sonderbare Treiben der Dame und ihres offenbar genügend begüterten Gatten mehrere fette Titel wert. Für Sozialromantiker wie mich ist das nur schwer nachvollziehbar. Wir fragen uns, ob Baulöwe Beller ein zielstrebiger Traumfrausucher ist, oder doch eher eine geistige Lichthupe, deren Damenwahl in stockdunkler Nacht erfolgte. Fraglich ist ferner, ob er mit der Über-Konsumentin an seiner Seite gezwungenermassen zum Kontoauszugüberprüfer geworden ist.

Die Gretchenfrage aber stellt sich wohl nicht nur Liebesfilmflennern wie mir: Ist Frau Beller nun wahnsinnig berechnend und demnach ziemlich schlau? Oder bestehen allenfalls Parallelen zu Kneubühlers Hund?

Willisauer Bote (WB), 13. Juni 2014
© David Koller, 2014

Nachtrag: Als Reaktion auf diese Glosse teilte eine WB-Leserin aus der Gemeinde Geiss LU mit, in ihrem Dorf existiere eine ähnliche Redewendung:

«Du besch dömmer aus s’Ambüele Hond. Ond dä esch vor Dömmi henderzi i Meschtstock ie gloffe.»

Weitere Varianten dieser hündischen Beschimpung nimmt die Redaktion gerne entgegen.

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