Hinterländer und Europa

Im Rahmen der Sommerserie «Weltreise» des «Willisauer Bote» (WB) veröffentlicht der für die Ausgabe verantwortliche Redaktor auf der Front eine Glosse. Sie trägt den Titel «Mann von Welt» bzw. «Frau von Welt». David Koller schrieb über das Verhältnis des Luzerner Hinterlandes zu Europa.

Rotes Tuch blaue Flagge

In Kottwil gibt es einen Europaplatz. Eine solche Flurbezeichnung überrascht in hiesigen Breitengraden. Denn Europa – oder besser: die Europäische Union – ist dem Hinterland nicht eben liebstes Kind. Geradezu ein rotes Tuch ist die blaue Flagge mit den zwölf goldenen Sternen vielerorts. Auch in Kottwil lässt sich der Eindruck nicht aus der Welt schaffen, dass der Platz nicht nur wegen seiner peripheren Lage oben im «Kidli» etwas verwaist ist. Als ob man sich seiner schämen würde. Dabei war die Namenswahl doch visionär. Und passend. Zumal ein Mann das Bürgerrecht der heute mit Ettiswil fusionierten Gemeinde besass, der Europa gegenüber überaus freundlich gesinnt ist: Der ehemalige Schweizer Aussenminister René Felber.

Begeistert nahm ich mich im Rahmen der Sommerserie dieses Platzes an. Ich, der in der EU trotz zweifelsohne vorhandener Schwächen ein grosses Konstrukt sieht. Eines, dem es gelang, Westeuropa nach dem Zweiten Weltkrieg zu befrieden. Nun sorgt die Union auf der Balkanhalbinsel für Ähnliches: Einstige Feinde nähern sich einander an. Diese Leistung missachten viele. Vor allem dann, wenn sie eigene Pfründe in Gefahr sehen.

Doch oben auf dem Europaplatz stellte sich rasch heraus: Ich stand allein auf weiter Flur.

Willisauer Bote (WB), 29. Juli 2014
© David Koller, 2014

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