Faszinosum Fasnacht

Was bleibt einem anderes übrig, als über die närrischen Tage zu schreiben, wenn die «Carte Blanche» just in die fünfte Jahreszeit fällt?

Kanone, Zwiebeln und Trockeneis

IMG_5636Begeisterter Fasnächtler war ich nie. Vielleicht, weil ich als Knirps am Altishofer Umzug höllisch ob einer Kanone erschrak. Vielleicht, weil ich als Mensch mit einigermassen intaktem Musikgehör mit dem Geschränze einfach nie warm wurde. Dabei habe ich einst selber in der Nebiker Jungguuggenmusig gespielt. Nicht aus Überzeugung. Nur, weil man das als Heranwachsender eben tat; und weils dort so herrlich viel zu trinken gab.

Ein guter Göiggel war ich nie. Unzählige Anekdoten aus den närrischen Tagen habe aber auch ich in petto. Etwa die vom Kollegen, der sich verliebte. Doch dem jungen Glück stand seine notorische Untreue im Weg. Um dagegen anzukämpfen, verputzte er am Folgetag eine komplette Zwiebel. Mit der Intention, so sehr zu stinken, dass ihn keine Frau mehr küssen will. Er roch wie ein alter Drache und wurde Opfer seines eigenen Erfolgs: Alle machten einen weiten Bogen um ihn. Auch die Angebetete.

Oder die Geschichte jenes Kumpanen, der in einer Bar den Boesch gab – wie die Frau aus der Tagesschau kippte er um. Schuld war nicht etwa die Grippe, sondern eine nicht minder ansteckende Fasnachtskrankheit: der Alkohol. Der Sturz sah dramatisch aus, bald fuhr die Ambulanz vor. Dabei war der vermeintlich Kranke längst wieder am Pressen. Aus Zechprellen indes wurde nichts: Ein paar Wochen später flatterte eine saftige Rechnung ins Haus.

Oder die Tragödie mit jener Schönen aus meinem Dorf: Vor Jahren hatte sie mir das Herz gebrochen. An einem Ball sahen wir uns wieder. Zufällig. Viel Wasser war seither die Wigger heruntergeflossen. Wieder loderte das Feuer. Um uns tobten und tanzten sie, wir hatten nur Augen für uns. Einige Wochen später brach sie mir das Herz abermals.

Oder als wir Jungs aus irgendeinem dekorativen Grund einen Kübel Trockeneis nach Schötz schleppten. Tief in der Nacht machte einer auf Putin. Er – pardon! – pisste auf Konventionen und entleerte seine vom Bierkonsum malträtierte Blase in besagten Kübel. Später wollte eine Närrin mit dem Trockeneis spielen. Wir waren schlicht zu schwach, sie zu warnen.

Faszinosum Fasnacht. Jeder hat solche Anekdoten auf Lager. Selbst Muffel wie ich. Doch irgendwann reicht das Repertoire. Darum bleibe ich auch heuer zu Hause. Die meisten Geschichten sind eh zum Vergessen.

Willisauer Bote (WB), 13. Februar 2015
© David Koller, 2015

2 comments

  1. Das Froilein

    Pfffffrötööööööt! Man beachte: die Boesch-Synkope wurde von uns erfunden. Frau Boesch hat sie nur taktischer eingesetzt.

    Es grüsst das närrische Froilein

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