Pippi und der Kalte Krieg

«Kripo Kons(ch)tanz, Klara Blum.» So kennen wir Eva Mattes. Als Mutter Courage des «Tatorts» flimmert sie regelmässig über die Mattscheiben des deutschen Sprachraums. Am Mittwoch (6. April) schickte sie sich an, in Zofingen ein differenzierteres Bild von sich zu vermitteln. Jenes einer Schauspielerin mit einem Faible für das Experimentelle. Einer, die sich davor sträubt, an kommerziellen Produktionen teilzunehmen und deswegen lange mit der Anfrage für die Rolle im Bodensee-«Tatort» haderte.

Ihre Karriere hatte die Autodidaktin schon als 14-Jährige begonnen. Sie war die Synchronstimme von Timmy aus der Fernsehserie Lassie und wenig später von Pippi Langstrumpf. Überdies präsentierte sich Eva Mattes im Zofinger Stadtsaal als Sängerin von Chansons, am Klavier begleitet von ihrer langjährigen Freundin und Wegbegleiterin, der Dirigentin und Festivalintendantin Irmgard Schleier.

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Mattes verleiht vielen Hörbüchern ihre Stimme. Ihr zu lauschen ist angenehm. So war es auch am Mittwochabend. Zumal die vorgetragenen Auszüge aus ihrer Autobiografie «Wir können nicht alle wie Berta sein» allesamt gut gewählt sind. Interessant, oft auch amüsant – gespickt mit leichter Selbstironie. Sie erzählen von Skandalen, unorthodoxen Interpretationen von Klassikern, von vor Wut tobendem Theaterpublikum, von nicht erfüllten Wünschen zur Person Klara Blum und der Rolle als Friedensaktivistin gegen den Kalten Krieg.

Schaler Nachgeschmack

Sympathisch wirkt sie, da vorne auf der Bühne. Glaubwürdig. Gerne folgt man ihren Anekdoten. So wie man sie gerne im Fernsehen sieht; und sicher auch auf der Bühne – so man als Schweizer denn das Vergnügen dazu hat. Mitunter indes mag sich der eine oder andere Zuhörer dennoch sagen: «Alles schön und recht. Aber mehr auch nicht.» Und gerade die Aussage, Mattes und Schleier hätten als Organisatorinnen von Friedensveranstaltungen zum Fall des Eisernen Vorhangs beigetragen, kommt dann doch etwas sehr selbstbewusst daher. Auch wenn es ihnen nach bescheidenen Anfängen gelang, ganze Fussballstadien zu füllen.

Dieser schale Nachgeschmack bleibt. Es war ein interessanter, amüsanter und auch musikalisch hörenswerter Abend. Doch letztendlich war das da vorne bloss eine Schauspielerin. Ein gute zweifelsohne. Eine gestandene Künstlerin mit sympathischen Weltanschauungen. Aber mehr nicht.

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