Der Tunnel und die Teufel

AC/DC waren in Bern und die halbe Schweiz ging hin, so auch Verkehrsministerin Doris Leuthard, wie das folgende Foto beweist:

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Die NZZ hat sich dem Bild sowie der Empörung einiger Ewiggestrigen darüber angenommen und das Ganze göttlich mit der Eröffnung des Gotthardbasistunnels kombiniert:

Railway to Hell

Simon Hehli – Weit ist es mit den einst gottesfürchtigen Christlichdemokraten schon gekommen: Nicht nur pilgert CVP-Bundesrätin Doris Leuthard an ein Konzert der australischen Hardrockband AC/DC und begibt sich damit auf den «Highway to Hell» – sie posiert auch noch diabolisch grinsend mit roten Teufelshörnern aus Plastic! Ein Sakrileg für die frommen Gemüter von der EDU: «Sich mit einer Satan-verherrlichenden Band derart zu identifizieren, ist als Bundesrätin nicht angebracht Frau Leuthard», twitterte Erich Vontobel, Zürcher Kantonsrat der Minipartei. Dass auf der Foto auch Ex-FDP-Chef Philipp Müller mit ebenso teuflischem Kopfschmuck zu sehen ist, tut wenig zur Sache – erwartet man doch von einem Freisinnigen mit Hang zu Höllenritten nichts anderes. Doch Leuthard solle als Bundesrätin der christlichen Volkspartei gefälligst Gott verteidigen – «und nicht seinen Widersacher», legte Vontobel im «Blick» nach. So viel Ungemach, und das ausgerechnet kurz bevor Verkehrsministerin Leuthard den neuen Gotthardbasistunnel eröffnen darf. Wobei da ein schrecklicher Verdacht aufkommt: Hat etwa der Leibhaftige nicht nur vor langer Zeit die nach ihm benannte Brücke in der Schöllenenschlucht gebaut – sondern via seine Jüngerin Doris auch ein 57 Kilometer langes Loch in den Fels gebohrt? Die Sage berichtet: Luzifer forderte für den Bau seiner Brücke die Seele des Ersten, der sie überquere. Die Urner, gerissen, wie sie sind, schickten einen Geissbock. Nun wissen wir auch, warum die vereinigte Politprominenz von Leuthard bis Merkel und Hollande erst im zweiten Zug durch den Tunnel fahren wird. Die Jungfernfahrt ist dem gemeinen Volk vorbehalten.

NZZ, 01.06.16, S. 15

Fussnote
Obwohl wir auf Stromgitarren und harte Musik stehen, finden wir: So viel (Polit)Prominenz am Konzert sind leider deutliches Indiz dafür, dass AC/DC eine lauwarme Spiesserband geworden sind.

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