Donald und die Zombies

Natürlich könnten auch wir über die heutige historische Wahl des ersten Clowns ins Weisse Haus schreiben. Aber darüber wurde weiss Gott schon genug debattiert und lamentiert. Viel mehr wollen wir uns eines Themas annehmen, das uns wirklich beschäftigt: Zombies.

Der nachfolgende Essay entstand vor rund zwei Jahren und hat leider nichts an Aktualität verloren. Zumal mit Blick auf Amerika, wo Massen blindlings einem Irren nachrennen. In einer Welt, in der man ohne Hirn zu einem der mächtigsten Menschen der Welt werden kann, muss was dran sein an der Hypothese über die Existenz von Zombies. Aus diesem Grund brühen wir einen Text lauwarm auf – das aber nur, weil er unserer Meinung nach so schlecht nicht ist. 

Metaphysik des Zombiefilms

Gewisse Dinge sind rational nicht nachvollziehbar. Etwa, dass Menschen Mike Shiva und seinen Mitarbeitern Geld dafür bezahlen, damit sie ihnen Banalitäten auftischen. Oder, dass jemand Linseneintopf mag. Oder, dass Kreaturen existieren, die Hitlers Gedankengut auch nur ansatzweise gut finden. Oder, dass es eine Nation gibt, die einen Donald Trump zum Präsidenten wählt. Bei mir gibt es ebenfalls ein rational nicht nachvollziehbares Faktum: ich mag Zombiefilme. Machwerke über mehr tot als lebendige Wesen, die träge herumtorkeln und Menschen nachstellen, auf deren Fleisch sie aus sind.

Beissen Zombies Lebende, werden diese zu Ihresgleichen. Das ist der ewige Kreislauf solcher Filme: Eine kleine Gruppe – meist gut aussehender – Menschen ist auf der Flucht vor einer erdrückend grösseren Masse. Obwohl Zombies in der Regel nicht nur hässlich, sondern auch strohdumm sind (Ähnlichkeiten mit amerikanischen Präsidenten sind rein zufälliger Natur), gelingt es ihnen, die Zahl der Fliehenden laufend zu dezimieren. Dabei trifft es unweigerlich auch Protagonisten, denen man es am wenigsten wünscht. Am Ende überleben nur die Stärksten. Sozialdarwinismus, wie er im Buche steht.

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Prototyp des modernen Zombiefilms: Die «Resident Evil»-Reihe. Einmal mehr verfolgt die sabbernde Meute die schöne Protagonistin (Milla Jovovich).

Das mag dumm tönen und ist es auch. Aber die Horden, die in den von mir bevorzugten neueren Filmen meist durch eine Vireninfektion zu Untoten mutiert sind, können als Metapher für das in der Geschichte der Menschheit immer wieder anzutreffende Dahingleiten einer gleichgeschalteten Masse interpretiert werden. Selten war der Ausdruck Kadavergehrosam treffender.

Auf der anderen Seite gibt es die Helden im stetig schrumpfenden Kollektiv. Individualisten, die sich schwerbewaffnet durch eine lebensfeindliche Welt schlagen und dabei massenhaft Untote definitiv tot machen. Weil sie auf sich gestellt sind, gelten für sie – ausser dem Überleben – keine Regeln. Freiheit trotz permanenter Flucht. Pure Anarchie!

Das ist die faszinierende Metaphysik von Zombielfilmen. Überdies gibt es da noch die neuerdings anzutreffende Ästhetik der Gewalt. Auch in aktuelleren Streifen ist das Gemetzel hirnlos; doch die Bilder zeigen, dass die Macher ihr Handwerk mittlerweile beherrschen. Das war nicht immer so. Und: Bisweilen gibt es Szenen, die einem trotz aller Brutalität und Endzeitstimmung zum Lachen bringen. Ob gewollt oder nicht, sei dahingestellt.

Reicht das als Erklärung? Wohl kaum. Ich kann meine Faszination ja selber nicht nachvollziehen – zumal ich mich als äusserst friedliebenden Menschen betrachte.

Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Die dazugehörende Gretchenfrage: Existieren da draussen Geistesverwandte? Falls es sie gibt: Wer hat Lust auf eine Zombieparty? Liebend gerne würde ich mir einen solchen Film zusammen mit Menschen zu Gemüte führen, die beim Anblick sabbernder und röchelnder Horden nicht verständnislos den Kopf schütteln, sondern die dahinterliegende Symbolik verstehen. Bislang habe ich niemanden gefunden. Mitunter fühle ich mich allein und auf mich gestellt – so wie Helden in einer Welt voller Untoten.

2 comments

  1. Das Froilein

    Die Sache mit den Zombietieren ist aber auch nach zwei Jahren und dem Aufwärmen des Beitrags nicht geklärt…

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