Das Trump-Paradoxon

The Donald ist wieder weg. Das ist gut so. Indes hinterlässt sein Besuch ein grosses Fragezeichen.

Es ist paradox. Zuerst schimpft ein ganzes Land darüber, was für ein dummer, engstirniger, sexistischer und rassistischer Primitivling der amerikanische Präsident doch ist. Dann reist ebendieser in die Schweiz und alle verfallen einer regelrechter Trump-Euphorie, vorab die Medien. Plötzlich scheint man stolz darauf zu sein, dass dieser Vollhorst uns die «Ehre» erweist.

Was bitte war da los? Hier eine Auflistung der fünf grössten Peinlichkeiten der geradezu trumpbesoffenen Schweizer Medienlandschaft:

  • Rang 5: Handwerkliche Grundregeln werden über Bord geworden. Auch unscharfe Fotos dürfen publiziert werden. Hauptsache, die Tolle ist drauf.
  • Rang 4: Die Push-Nachrichten-Diarrhoe  diverser Medien, allen voran des «Tagesanzeigers»: Fast schon im Minutentakt gingen sie ein. Trump gestartet, Airforce One im Anflug, Trump gelandet, Trump auf dem Klo, …
  • Rang 3: Der «Blick» ist sich nicht zu blöd, in riesen Lettern auf seiner Frontseite «Welcome Mister President!»  zu schreiben. Nein, war er nicht, herrgottnochmal! Trump ist immer noch der selbe dumme,  engstirnige, sexistische und rassistische Primitivling wie zuvor.
  • Rang 2: Kommentare von Autoren im Nachgang auf das bizarre Ereignis in Davos wie etwa jener in der «Luzerner Zeitung» mit dem Titel: «Ein Erfolg für die Schweiz».
  • Rang 1: «Blick»- Chefredaktor Christian Dorer benimmt sich wie ein Groupie am Konzert einer Teenieband und ergattert sich von Donald Trump ein Autogramm auf der Titelseite mit dem fragwürdigen Willkommensgruss.
Stolz präsentiert der «Blick», wie Donald Trump die Titelseite signiert. Rechts im Bild: «Blick»-Chefredaktor Christian Dorer. Quelle: Blick online

Der alte Mann mit dem absurd gewaltigen Tross ist wieder weg. Er hinterlässt etliche Schweizer Medien, die sich in den vergangenen Tagen fast genauso doof und widersprüchlich verhalten haben wie wir es von ihm gewohnt sind.

Bleibt zu hoffen, dass zukünftig andere zwielichtige Gestalten – etwa Erdogan oder Putin – nicht mit dem selben unkritischen Brimborium empfangen werden, falls die uns mal «beehren».

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