15 Jahre sind genug

Aus der einstigen Krankenkasse eines chauvinistischen Männerclubs ist längst die Selbstdarstellungsplattform eines profilierungssüchtigen jungen Mannes geworden.

IGOSANA, das ist der Netzauftritt von David Koller.

So stand es einst auf der Startseite von igosana 1.0. Im Jahr 2003 war das. In einer Welt vor WordPress und Co. war alles noch etwas komplizierter. Herr Koller mühte sich mit HTML-Codes ab und verbrachte Stunden für eine einigermassen geordnete Darstellung.

Seither hat igosana.ch mehrere Neugestaltungen durchlaufen. Einige waren gelungen, andere weniger. Im Zentrum standen aber ohnehin stets die Texte. Zu Beginn waren sie mitunter ziemlich frech. Mit dem Lauf der Jahre wurden sie etwas gesitteter – und immer weniger.

Weil Herr Koller die mittlerweile zum Blog mutierte Webseite mehr und mehr vernachlässigte, hat er sich Mitte 2018 entschieden, igosana.ch auf Ende Jahr ins digitale Nirvana zu entlassen. Die Inhalte werden selbstverständlich lokal abgespeichert, denn da stecken einige hundert Stunden Arbeit drin. Und: einige Texte im reichen Fundus sind so schlecht nicht…

Mittlerweile sind dem profilierungssüchtigen jungen Mann von damals etliche graue Haare gewachsen und er verabschiedet sich nach 15 Jahren aus dem Blogger-Business. Zu lesen gibt es ihn weiterhin drüben auf schreiberei-koller.ch sowie in den sozialen Medien.

Doch hier ist am Silvester 2018 endgültig Schluss. Danke für eure Besuche und Kommentare.

Es war uns eine Ehre!

Der liebe Vladimir und die bösen Überraschungen

Für den WB-Blog seines Ex-Arbeitgebers «Willisauer Bote» durfte David Koller einen Text zu Russland schreiben. Diesen wollen wir den Lesern von igosana.ch nicht vorenthalten. 

«Lieber Vladimir» – so begann ein Inserat, das letzte Woche in den hiesigen Medien gestreut wurde. Endlich, war man geneigt zu glauben, endlich bläst einer dem Putin den Marsch. Vonwegen! Der angesprochene Vladimir war ein anderer – der bis vor kurzem gelobte und nun getadelte Petković. Absender war Patrick Fischer, Trainer der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft. Er wünschte Glück für das Spiel gegen Schweden.

Somit blieb alles wie gehabt: Das Volk freut sich über die WM und findet, dass Russland so schlimm gar nicht ist. Land und Leute geben sich gastfreundlich, die Städte sind schön, die Polizei hält sich zurück und lässt euphorisierte Fussballfans feiern. Alles halb so wild.

Schön wärs! Einmal mehr gemahnt vieles an potemkinsche Dörfer. Nach aussen glänzt die Fassade, dahinter bröckelt es allenthalben. Russland ist und bleibt eine gelenkte Demokratie. Die Opposition wird drangsaliert, die Medien sind gleichgeschaltet. Mit sogenannten Staatsfeinden macht man bisweilen kurzen Prozess: Die britische Regierung hält es für «sehr wahrscheinlich», dass der Doppelagent Sergei Skripal Opfer eines Giftanschlags Russlands wurde. Zudem streuen die Medien von Putins Gnaden bewusst Fehlinformationen, um westliche Staaten zu schwächen. Hinzu kommen die wiederholten Manipulationsversuche bei Wahlen in anderen Ländern. All das sind Fakten. Derzeit blenden wir sie aus.

Russen bräuchten starke Führer, besagt eine populäre These. Vielleicht ist etwas dran. Die Zaren wären mächtig und meist unbarmherzig. Als Russland Teil der Sowjetunion war, agierten Lenin und sein Nachfolger Stalin zarenähnlich und mit grosser Brutalität. Heute gibt Vladimir Putin den starken Mann – und das Volk steht mehrheitlich hinter ihm. Doch er will mehr: den Respekt der Weltgemeinschaft. Den Zerfall der Sowjetunion nannte der Ex-KGB-Agent die «grösste geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts». Seither arbeitet er daran, dass Russland wieder zur anerkannten Grossmacht wird. Mit Mitteln, die – gelinde ausgedrückt – nicht immer lauter sind.

Damit wir uns richtig verstehen: Das Land zwischen St. Petersburg und Wladiwostok ist herrlich, seine Bevölkerung liebenswert. Aber das politische System ist es nicht. Das dürfen wir nicht ausblenden, auch nicht während der WM. Und schon gar nicht dürfen wir seinem autokratischen Präsidenten den Hof machen.

Wie war das damals nochmals in Sotschi? Auch da gab sich Russland gastfreundlich und gesellig. Kaum waren die olympischen Winterspiele vorüber, annektierte Neo-Zar Putin die Krim. Kurz darauf begann der Krieg in der Ostukraine, er hält bis heute an. Dann wollen wir mal sehen, welche Überraschung er uns dieses Mal bereithält, der liebe Vladimir.

Winterolympiade statt Fussball-WM

In Russland ist Fussball-WM, uns geht das am Allerwertesten vorbei. Da erinnern wir lieber an einen sportlichen Grossanlass, der schon einige Jahre hinter uns liegt: Die Olympischen Winterspiele von Sarajevo im Jahr 1984. Damals war Jugoslawien noch ein mehr oder weniger einheitlicher Staat und präsentierte sich der Welt voller Stolz.

Die damals erstellte Infrastruktur hat im Bosnienkrieg zwischen 1992 und 1995 arg gelitten. Vieles wurde zerstört. Es gibt aber immer noch etliche Perlen zu bestaunen. So etwa das olympische Dorf, das bis heute bewohnt ist – wenn auch an vielen Orten eine Sanierung dringend Not tun würde.

Das Bild unten entstand im Juli 2010 und dokumentiert den stillen Zerfall der so wunderbar verspielten Architektur im Stil der 1980er-Jahre.

PS: Man beachte die überdimensionale Liebeserklärung auf dem Dach der Station der Standseilbahn. Da war es jemanden ernst…

Doof und Doof

Der nächste Beitrag unserer beliebten Serie Bildlegenden, wie sie hätten erscheinen können.


«So schlimm ist er gar nicht, dieser Kim. Das Theater um unser Gipfeltreffen hätten wir uns sparen können», dachte der dicke Donald – und versuchte angestrengt, nicht seinem Intellekt entsprechend zu lächeln.

Igosana verabschiedet sich

Seit 15 Jahren ist igosana.ch online. Ende 2018 schliesst der Blog seine virtuellen Tore für immer.

Treue Leserinnen und Leser haben es schon lange bemerkt: Creative-, Art-, Trash- und All-That-Stuff-Director Koller vernachlässigt igosana.ch sträflich. Erfolgten die Einträge früher wöchentlich, schafft es Koller heute nicht mal mehr im Monatstakt. Oftmals handelte es sich dabei erst noch um den Aufguss eines bereits früher veröffentlichten Textes.

So spielt das Leben: Man wird älter, die Prioritäten verschieben sich. Liebgehabtes rückt in den Hintergrund, anderes wird wichtiger. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, igosana.ch auf den 31. Dezember 2018 einzustellen. Bis dahin werden wir noch den einen oder anderen Beitrag posten. Bis dahin empfehlen wir unseren Leserinnen und Lesern, noch etwas im Fundus zu stöbern.

Denn – bei aller Bescheidenheit – einiges hier ist durchaus lesenswert.

PS: David Koller verabschiedet sich nicht vollständig aus dem World Wide Web. Er ist in sozialen Medien anzutreffen, und vor allem drüben bei der Schreiberei Koller.