Igosana verabschiedet sich

Seit 15 Jahren ist igosana.ch online. Ende 2018 schliesst der Blog seine virtuellen Tore für immer.

Treue Leserinnen und Leser haben es schon lange bemerkt: Creative-, Art-, Trash- und All-That-Stuff-Director Koller vernachlässigt igosana.ch sträflich. Erfolgten die Einträge früher wöchentlich, schafft es Koller heute nicht mal mehr im Monatstakt. Oftmals handelte es sich dabei erst noch um den Aufguss eines bereits früher veröffentlichten Textes.

So spielt das Leben: Man wird älter, die Prioritäten verschieben sich. Liebgehabtes rückt in den Hintergrund, anderes wird wichtiger. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, igosana.ch auf den 31. Dezember 2018 einzustellen. Bis dahin werden wir noch den einen oder anderen Beitrag posten. Bis dahin empfehlen wir unseren Leserinnen und Lesern, noch etwas im Fundus zu stöbern.

Denn – bei aller Bescheidenheit – einiges hier ist durchaus lesenswert.

PS: David Koller verabschiedet sich nicht vollständig aus dem World Wide Web. Er ist in sozialen Medien anzutreffen, und vor allem drüben bei der Schreiberei Koller.

Sätze, die wir uns wünschten

Vom Versicherungsberater:

Doch, Sie sind wirklich in allen Belangen genügend versichert

Vom Rechtspopulisten:

Nein, für diesen Missstand kann man nicht Ausländer verantwortlich machen

Vom Verwaltungsratspräsidenten:

Doch, die Zukunft der Mitarbeitenden ist uns wichtiger als eine höhere Dividende

Die wahrscheinlich realistischste Reaktion darauf:

ego-Sana auf igosana

Mit seiner Schreiberei verfasst David Koller Sonderseiten über Luzerner Gemeinden. Bei der letzten Ausgabe zu Altbüron hat sich in einer Bildlegende ein kleiner Fehler eingeschlichen.

Aus Der Nebel verzieht sich aus Altbüron wurde Der Nebel verzieht ich aus Altbüron.

Ein Leser machte mit einer geistreichen Zusendung aufmerksam auf den Lapsus. Diesem digital zugestellten Bild…

…hängte er folgenden Kommentar an: Ego-sana in der Bildlegende. 

Das gefällt uns. Gleichwohl geben wir zu bedenken: Herrn Koller wird mitunter ein etwas gar überzogenes Ego unterstellt. Ganz so doll ist es denn aber doch nicht. Das Wetter beeinflussen zu können, masst sich der Schreiber nicht an. Überdies ist ein solch dummer Fehler nicht unbedingt Balsam für die Seele – eher das Gegenteil.

Aber abgesehen davon sind die Sonderseiten über die Gemeinden wirklich ultimativ obergenial – durchaus im Stande, Nebel zu vertreiben.

Unverstand

Der Journalismus stecke in der Krise, heisst es. Die Qualität befinde sich ob der laufenden Sparmassnahmen im ungebremsten Sinkflug. Dem ist wohl so – leider. Hierzu zitieren wir aus «Unschuld» von Jonathan Franzen:

Journalismus war epigonales Leben, epigonaler Sachverstand, epigonale Welthaltigkeit, epigonale Intimität; ein Thema beherrschen, nur um es gleich wieder zu vergessen, sich mit Leuten anfreunden, nur um sie gleich wieder fallenzulassen.

Nun, mit Blick auf das Schaffen gewisser Redaktionen – zumal im online-Bereich, aber leider längst nicht nur – erscheint mitunter selbst diese nicht eben schmeichelhafte Umschreibung übertreiben. Sachverstand ist mit Blick auf gewisse Machwerke ein doch etwas gar grosses Wort.

PS: epi|go|nal – unschöpferisch, nachahmend

Machs wie Willis!

Wir haben mal wieder in der Mottenkiste gewühlt und sind auf diesen Text gestossen. Nur schon des Bildes wegen lohnt sich eine Zweitpublikation. Zum ersten Mal erschienen ist das hier leicht überarbeitete Machwerk  als «Carte Blanche»  im «Willisauer Boten» vom 14. Juni 2013.

Unterwäsche für echte Kerle

Kennen Sie Bruce Willis? In der Regel fällt der US-amerikanische Schauspieler nicht unbedingt durch geistreiche Filme auf, wohl aber durch actiongeladene. Er ist der Mann fürs Grobe. Schon so oft hat er auf der Leinwand die Welt gerettet oder ganze Heerscharen von Bösewichten dingfest gemacht. Ein echter Kerl. Glatzköpfig und muskelbepackt. Beim Showdown seiner Streifen – wenn massenhaft Kugeln und schlechte Menschen durch die Luft fliegen – sprintet er oft im weissen Unterhemd irgendjemanden hinterher oder davon. Meistens ist das Kleidungsstück dann nicht mehr ganz taufrisch, sondern blut- und ölverschmiert.

Nichts habe ich mit Willis gemein. Weder bin ich ein harter Kerl noch muskulös; statt einem Waschbrett- habe ich einen Waschbärbauch. Und schiessen kann ich auch nicht. Mitnichten ist mein Leben ein Actionfilm. Müsste ich es mit einem cineastischen Werk vergleichen, dann wohl am ehesten mit «Buchhalter Nötzli». Dennoch gibt es eine Parallele zum Leinwand-Haudegen: Auch ich trage weisse Unterhemden, auch ich bin stolz auf diesen textilen Anachronismus. In meinen Augen hat das umstrittene Stück etliche Vorteile, obwohl es als altmodisch verpönt ist und als bünzlig gilt, ja als Sextöter.

So stimme ich hier an zu einer Ode auf das Unterhemd. Überaus praktisch ist es. Denn es gibt warm – immer schön die Niere schützen, habe ich als Kind gelernt; auch Helden sollten sich daran halten. Und: Einem so nahe am Wasser gebauten wie mir – nicht in Sachen Tränen, sondern Transpiration – leistet es auch im Sommer treue Dienste. Meine Schweiss-Sammler sind zwar nicht blut- oder ölverschmiert. Aber in ihnen fühle ich mich stark. Sie sind das Refugium meiner kümmerlichen Männlichkeit. Deswegen behaupte ich, längst nicht der einzige Weisshemd-Jünger zu sein. Viele tragen sie, getrauen sich aber nicht, dazu zu stehen.

Damit muss jetzt Schluss sein. Emanzipiert euch, ihr Unterdrückten! Wider das Diktat der Modeindustrie! Trägt die hässliche Unterwäsche mit geschwollener Brust, führt euch auf wie echte Kerle. Die Welt müsst ihr nicht zwingend retten, und auch keine Ganoven einkassieren. Aber friert und schwitzt nicht. Fühlt euch wohl. So wie ganz normale Actionhelden. Wie der Willis von nebenan, wie der wilde Nötzli.

Willisauer Bote (WB), 14. Juni 2013
© David Koller, 2013