Vom Aussterben bedroht

Schlecht gelaunt? Einfach nur müde? Dann empfehlen wir Ihnen: Lokalfernsehen einschalten!

Besonders geeignet für den gelungenen Ausklang eines strengen Tages ist Tele M1, das Lokalfernsehen im Aargauer und Solothurner Mittelland. Der Sender der AZ-Mediengruppe zeichnet sich aus durch trashige Boulevard-Beiträge auf unterstem Niveau – man ist sich nicht zu blöde, im Treppenhaus auf einen Autofahrer zu warten, der tags zuvor ein Schulkind überfahren hat –, tendenziöse und unausgewogene Berichterstattungen sowie Nachrichtensendungen mit bis zu drei verschiedenen Beiträgen mit der selben Auskunftsperson – der Mediensprecherin der Staatsanwaltschaft Aargau.

Tele M1 ist toll. Auch wegen kultigen Anmoderationen wie dieser hier:

Der afrikanische Graupapagei ist die beliebteste Vogelart bei Haustierhaltern. Vor allem, weil er die menschliche Sprache so gut imitieren kann. Der Vogel ist deswegen vom Aussterben bedroht.

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Mit Verlaub! Wir fragen uns, wo der Zusammenhang zwischen dem Imitieren der menschlichen Sprache und dem Aussterben der Vogelart liegt? Wird den Tieren allenfalls zum Verhängnis, dass sie einfach einen zu frechen Schnabel führen? Wir sind überfordert.

Doch wir werden es herausfinden. Tele M1 – wir bleiben am Ball.

Kleine Medienschelte

Nachdem wir in letzter Zeit vor allem gelobt haben – insbesondere gute Bücher –, wollen wir nun endlich wieder einmal stänkern. Das tun wir mit einer Liste von zehn Dingen, auf die wir in den Medien gerne verzichten würden:

  1. Donald Trump
  2. Alles aus der «Weltwoche»
  3. Artikel, die mit dem Pronomen Ich beginnen
  4. Berichte über «Schweizer Promis», sprich Angestellte von SRF
  5. Artikel, die auf Vermutungen und unbestätigten Gerüchten aufbauen publiziert mit dem alleinigen Ziel, als erste über ein Ereignis zu berichten
  6. Mamis oder Papis, die nach der Geburt des ersten Kindes einen Wir-Eltern-Ratgeber-Blog aufschalten
  7. Zeitungsberichte über TV-Sendungen (Besonders beliebt: «Donnschtig-Jass» in lokalen Blättern, «Arena» in nationalen Medien)
  8. Undifferenzierte online-Kommentare selbsternannter «Islamexperten»  (Grundtenor: Muslim = Terrorist)
  9. Push-Nachrichten über irrelevante Ereignisse in der Stadt Zürich, zum Beispiel einen Stromausfall im Kreis 4
  10. Sämtliche Berichte über Kim Kardashian, Irina Beller, Gianni Infantino, Chris von Rohr oder Christoph Blocher. Wer sind die überhaupt?

Der Tunnel und die Teufel

AC/DC waren in Bern und die halbe Schweiz ging hin, so auch Verkehrsministerin Doris Leuthard, wie das folgende Foto beweist:

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Die NZZ hat sich dem Bild sowie der Empörung einiger Ewiggestrigen darüber angenommen und das Ganze göttlich mit der Eröffnung des Gotthardbasistunnels kombiniert:

Railway to Hell

Simon Hehli – Weit ist es mit den einst gottesfürchtigen Christlichdemokraten schon gekommen: Nicht nur pilgert CVP-Bundesrätin Doris Leuthard an ein Konzert der australischen Hardrockband AC/DC und begibt sich damit auf den «Highway to Hell» – sie posiert auch noch diabolisch grinsend mit roten Teufelshörnern aus Plastic! Ein Sakrileg für die frommen Gemüter von der EDU: «Sich mit einer Satan-verherrlichenden Band derart zu identifizieren, ist als Bundesrätin nicht angebracht Frau Leuthard», twitterte Erich Vontobel, Zürcher Kantonsrat der Minipartei. Dass auf der Foto auch Ex-FDP-Chef Philipp Müller mit ebenso teuflischem Kopfschmuck zu sehen ist, tut wenig zur Sache – erwartet man doch von einem Freisinnigen mit Hang zu Höllenritten nichts anderes. Doch Leuthard solle als Bundesrätin der christlichen Volkspartei gefälligst Gott verteidigen – «und nicht seinen Widersacher», legte Vontobel im «Blick» nach. So viel Ungemach, und das ausgerechnet kurz bevor Verkehrsministerin Leuthard den neuen Gotthardbasistunnel eröffnen darf. Wobei da ein schrecklicher Verdacht aufkommt: Hat etwa der Leibhaftige nicht nur vor langer Zeit die nach ihm benannte Brücke in der Schöllenenschlucht gebaut – sondern via seine Jüngerin Doris auch ein 57 Kilometer langes Loch in den Fels gebohrt? Die Sage berichtet: Luzifer forderte für den Bau seiner Brücke die Seele des Ersten, der sie überquere. Die Urner, gerissen, wie sie sind, schickten einen Geissbock. Nun wissen wir auch, warum die vereinigte Politprominenz von Leuthard bis Merkel und Hollande erst im zweiten Zug durch den Tunnel fahren wird. Die Jungfernfahrt ist dem gemeinen Volk vorbehalten.

NZZ, 01.06.16, S. 15

Fussnote
Obwohl wir auf Stromgitarren und harte Musik stehen, finden wir: So viel (Polit)Prominenz am Konzert sind leider deutliches Indiz dafür, dass AC/DC eine lauwarme Spiesserband geworden sind.

Sepp Blatter? Echt jetzt?

345dc138f1Man mag es nicht glauben. Die «Weltwoche» ist doch tatsächlich der Meinung, FIFA-Devisenhändler Sepp Blatter sei Schweizer des Jahres.

Da reibt sich Unsereins irritiert die Augen. Neo-Nationalrat Köppel und seinen strammen Mannen ist offenbar wirklich  keine Idee zu dumm. Hauptsache, man tickt anders als der ach so verpönte Medienmainstream.

Einmal mehr hat der grandiose Karikaturist Ruedi Widmer diese himmelschreiende Absurdität treffend zu Blatt gebracht. So hat es sich wohl zugetragen. Einzige Abweichung von der Realität: in Wirklichkeit trugen alle Redaktionsmitglieder Edelweisshemden.

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Wir finden: Der dicke Nordkoreaner wäre vielleicht ebenfalls noch ein Kandidat gewesen, oder Horst Seehofer. Allenfalls auch Josef Stalin. Doch der lebt leider nicht mehr.

PS: Es geht noch irrer: Vladimir Putin plädiert für den Friedensnobelpreis für Blatter.

Das Beschiss.

«Was ist bloss los mit uns Deutschen? Plötzlich sind wir nett zu Ausländern und bauen Scheissautos.» Das ist ein Einstieg nach Mass. Geliefert hat ihn die «Heute Show» – neben «Willkommen Österreich» das Beste, was an deutschsprachigen Satire-Formaten auf dem Markt ist.

Am Freitag, 25.09.15, nahm sich die ZDF-Sendung erwartungsgemäss dem VW-Beschiss an. Und das Bestform. Die Rede war von «Top-Gier» und «Diesel Nazis», der eigenartige VW-Claim «Das Auto.» wurde kurzerhand in «Das Beschiss.» umgewandelt. Zudem kündigte Moderator Oliver Welke einen Golf der Helmut-Schmidt-Edition an – ordentlich qualmend und mit Menthol-Einspritzung.

Grosses Kino! Am besten gleich selber geniessen:

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Eine unerwartet reichhaltige Portion schwarzen Humor servierte am Samstag, 26.09.15, aber auch die «Neue Zürcher Zeitung»:

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PS: Herr Koller darf lästern, als Besitzer eines VW-Diesels gehört er zum grossen Kreis der Geschädigten.