Kategorie: Seiten

Dummweb

dummbeuthl.jpg

Welch grosse Archiv-Trouvaille! Das Dummweb, der Netzauftritt der Luzerner Band Dummbeuthl. Diese längst aufgelöste Combo – am Bass, man ahnt es, David Koller – machte nach eigenen Angaben «Büsi-Metall» (für unsere internationalen Leser: ein Büsi ist eine niedliche kleine Katze). Nach der Abschaltung von dummbeuthl.ch gewährte igosana.ch der Website der fünf Katzenmusiker elektronisches Asyl.

Neben dem Link, der von igosana.ch zum Dummweb führte, war Folgendes zu lesen: Laut, untalentiert, erfolglos. Dummbeuthl waren eine Kultband.

Nachfolgend der von Dumm-Propagandaminister Koller verfasste Nachruf auf einen Kater, der gar nicht Nepomuk hiess.

Ein grosser Kater ist nicht mehr

nepomuk.png

Nepomuk (zweiter von links) hat seinem Leben ein Ende gesetzt. Unser Bild zeigt ihn zusammen mit den Mitgliedern von «Dummbeuthl»: (von links) Raphael Müller, Mathias Bühler, Boris Bembejev, David Koller und Ivo Habermacher.

Luzern. Schockiert nehmen «Dummbeuthl» Abschied von ihrem langjährigen Freund und Förderer Nepomuk. Der rothaarige Kater hat seinem Leben mit einer dramatsichen Selbstverbrennung ein Ende gesetzt. Mit dieser stillen Verzweiflungstat protestierte er gegen die subversive Abschaffung der Schweizer Armee.

Nepomuks Leben war geprägt von Hedonismus, seine Affären geradezu legendär. All seine Laster aufzuzählen, würde den Rahmen dieses Nekrologs bei weitem überspannen. Doch gerade sie machten ihn einzigartig, und lassen die Lücke, die er hinterlässt, so unendlich gross erscheinen.

Mit Nepomuk verliert die Welt einen fundierten Kenner des Büsimetals, aber auch einen grösszügigen Mäzen, der viel zum Erfolg dieses Genres beigetragen hat.

Die Band spricht Nepomuks Angehörigen, allen voran der Familie Müller aus Rickenbach (LU), ihr tiefes Beileid aus. Trotz der Leere, die Nepomuk hinterlassen hat, werden  «Dummbeuthl» weiter rocken. Ihr Büsimetal soll ihm ein immerwährendes Denkmal setzen.

Nep, du wirst uns fehlen!

07 YU-Forum

Mit Verlaub, geschlossene Gesellschaft.

Eintritt nur mit Passwort.

Kommentare deaktiviert für 07 YU-Forum Veröffentlicht unter

Geschützt: YU-Forum

Dieser Inhalt ist passwortgeschützt. Um ihn anzuschauen, gib dein Passwort bitte unten ein:

Um die Kommentare zu sehen, musst du dein Passwort eingeben. Veröffentlicht unter

06 Südosteuropa

Kompetenzzentrum ist ein grosses Wort. Gleichwohl wagt igosana.ch den Versuch, an dieser Stelle ein solches über Südosteuropa zu schaffen. Denn auf diese Region – insbesondere auf den Westbalkan (die Staaten Ex-Jugoslawiens ohne Slowenien, dafür mit Albanien) richtet sich das Hauptinteresse David Kollers – und zukünftig hoffentlich auch sein Arbeitsfeld. Andere Balkanstaaten wie Bulgarien, Rumänien und Slowenien sollen hier aber ebenfalls nicht zu kurz kommen.

Der Inhalt dieser Seite soll bewirken, dass Südosteuropa für Westeuropäer und insbesondere für Schweizer nicht länger ein schwarzes Loch bleibt. Ein schwarzes Loch freilich, das hierzulande nur allzu gerne mit Vorurteilen gefüllt wird. Ein Blick in Richtung Balkan lohnt sich immer: Ex-Jugoslawien beispielsweise hat sehr viel zu bieten. Neben einer hochinteressanten aber leider überaus düsteren Geschichte auch herrliche Städte und Landschaften; und äusserst liebenswerte Bewohner.

(letzte Änderung am 08.10.2015)

 

prizren_08.jpg

Die Stadt Prizren im Süden des jüngsten Staates Europas: des Kosvos. (Foto David Koller)

Nachfolgend eine Auflistung von diversen Texten und Büchern über Südosteuropa – der Fokus ist dabei hauptsächlich auf Ex-Jugoslawien gerichtet. Teils bestehen die Listen aus Literaturvorschlägen, teils aus direkt abrufbaren Texten.

Was David Koller zum Thema Südosteuropa geschrieben hat

  • «Balkan- und Akademiker-Vorurteile» – Von einer Autofahrt durch Bosnien-Herzegowina, Helvetia-Rasern und korrupten Gesetzeshütern (lesen auf igosana.ch)
  • «Setiger Kampf für die Gerechtigkeit» – Über die Tätigkeit von Stefan Wäspi, Ankläger beim Internationalen Jugoslavientribunal in Den Haag.
    Artikel aus der Hauszeitung David Kollers (Willisauer Bote) vom 4. Mai 2010 (PDF-File)
  • «Kratzer am serbischen Weltwunder» – Über die serbische Stewardess Vesna Vulovic (lesen auf igosana.ch)
  • «Dovidjenja Yugo» – Über das Sterben eines Stücks jugoslawischer Ingenieurskunst (lesen auf igosana.ch)
  • «Vom Jugo-Golf zum Transportbehälter» – Über die Geschichte von Volkswagen Sarajevo.
    An der Uni Basel eingereichte Proseminararbeit. Mit gewissen wissenschaftlichen Defiziten, an sich gleichwohl lesenswert (PDF-File)
  • «Die Königsdiktatur in Jugoslawien» – Überblick über die Geschichte des Ersten Jugoslawiens (1918-1941)
    Entstanden im Rahmen eines Referats an der Uni Basel (PDF-File)
  • «Jugoslawiens blutiger Zerfall» – Versuch, die Kriege in Ex-Jugoslawien (ab 1991) auf zwei Seiten zusammenzufassen
    Entstanden im Rahmen eines Referats an der Uni Basel (PDF-File)
  • «Feindbild Jugo – oder wie sich das Ansehen von Migranten wandeln kann»
    An der Uni Basel eingereichter Essay zu unangebrachten Vorurteilen (PDF-File)
  • «Mujo der Bosnier» – Über welche Witze man in Ex-Jugoslawien einst lachte (lesen auf igosana.ch)
  • «Traurige Liebesgeschichte» – Wie die Belagerung Sarajevos ein vermeintlich unvereinbares Paar für immer zusammenbrachte (lesen auf igosana.ch)
  • «Tauwetter auf dem Balkan – warum sich Kroatien und Serbien trotzdem nur in kleinen Schritten näher kommen»
    An der Uni Basel eingereichter Essay über die langsame Annäherung zweier Nachbarn (PDF-File)
  • «Die Donau, allerhand Türme und ein vergilbender Marschall»
    Bericht über einen zweiwöchigen Aufenthalt in Belgrad (lesen auf igosana.ch)
  • «Wer hier arbeitet, ist selber schuld»
    Reisebericht über einen Kurzaufenthalt in Montenegro (lesen auf igosana.ch)

 

bled_06.jpg

Fast schon kitschig: die Marienkirche auf einer kleinen Insel im See in Bled, Slovenien. (Foto David Koller)

ohrid_08.jpg

Und noch ein malerischer See in Ex-Jugoslawien – jener von Ohrid. Dieses Bild entstand in Mazedonien, kurz vor dem Grenzübertritt nach Albanien. (Foto David Koller)

Lesenswerte Artikel aus Magazinen und Zeitungen

  • «Ballkann eben» – Die Jugos und ihre Liebe zu Bällen.
    Artikel aus «Ballesterer – Magazin zur offensiven Erweiterung des Fussballhorizonts» 29/2007, S. 27 (PDF-File)
  • «Vergessen und verzeihen» Die im Bürgerkrieg zerstörte VW-Fabrik in Sarajevo produziert wieder.
    Artikel aus «Der Spiegel» 37/1998 vom 07.09.1998, S. 141 (lesen auf Spiegel online)
  • «Die Bewohner entdecken das alte Jugoslawien neu» – Immer mehr wächst auf dem Balkan wieder zusammen, was einst zusammengehörte.
    Artikel aus der «Basler Zeitung» vom 30.09.2009, S. 6 (lesen auf igosana.ch)
  • «Sloweniens ausradierte Bürger» – Wie die Alpenrepublik nach der Unabhängigkeitserklärung mit Bürgern aus anderen Ex-jugoslawischen Teilrepubliken umging.
    Artikel aus der «Neuen Zürcher Zeitung» vom 27.11.2009, S. 2 (lesen auf igosana.ch)
  • «Abgründe hinter renovierten Fassaden in Ostbosnien» – Über die Stadt Višegrad, ihre berühmte Brücke und die düstere Geschichte.
    Artikel aus der «Neuen Zürcher Zeitung» vom 11.07.2008 (PDF-File)
  • «Belgrads Wahrzeichen ist zurück» – Über die Wiedereinweihung des im NATO-Bombardement von 1999 zerstörten Belgrader Fernsehturms.
    Gekürzte Version des Artikels aus der «Neuen Zürcher Zeitung» vom 24.04.2010 (lesen auf igosana.ch)
  • «Die kleine Schwesterrepublik an der Adria» – Über Parallelen zwischen der Schweiz und Montenegro.
    Artikel aus der «Neuen Zürcher Zeitung» vom 7. Oktober 2010 (lesen auf igosana.ch)

Lesenswerte Belletristik

  • Abonji, Melinda Nadj: Tauben fliegen auf. Salzburg, 2010.
    Roman über eine ungarische Familie aus der Vojvodina, die sich am Zürichsee niederlässt. Zugleich Geschichte über Migration in die Schweiz und Jugoslaviens Zerfall. Zurecht mit dem Deutschen Buchpreis 2010 ausgezeichnet.
  • Andrić, Ivo: Die Brücke über die Drina. München, 1962.
    Nobelpreisträger Andrić beschreibt anhand der Brücke in Višegrad die bewegte Geschichte Bosniens.
  • Goldsworthy, Vesna: Heimweh nach Nirgendwo. Wien, 2005.
    Wie eine Exil-Serbin die Nato-Bombardierungen im Jahr 1999 erlebte.
  • Handke, Peter: Unter Tränen fragend. Frankfurt am Main, 2000.
    Über Handkes Liebe zu Serbien wurde viel diskutiert – und polemisiert. Welcher Meinung man darüber auch sein mag: sein Reisebericht durch Serbien während der NATO-Interventionen ist lesenswert.
  • Jergović, Miljenko: Sarajevo Marlboro. Wien, 1996.
    Beklemmende Berichte aus der belagerten bosnischen Hauptstadt.
  • Jergović, Miljenko: Das Walnusshaus. Frankfurt am Main, 2008.
    Spannende Familiensaga aus Dubrovnik, welche die jugoslavische Geschichte eng einbindet.
  • Pištalo, Vladimir: Millennium in Belgrad. Berlin, 2011.
    Mitunter etwas poetische Skizzierung, wie junge Menschen den Zerfall Jugoslawiens erlebt haben.
  • Stanišić, Saša: Wie der Soldat das Grammofon repariert. München, 2006.
    Ein junger nach Deutschland geflüchteter Bosnier beschreibt, wie er den Krieg in seiner Heimat erlebt hat.
  • Suljagic, Emir: Srebrenica – Notizen aus der Hölle. Wien, 2009.
    Erlebnisbericht aus der «UNO-Schutzzone» und darüber, wie der vermeintliche Schutz eben nicht funktionierte.
  • Tišma, Aleksandar: Der Gebrauch des Menschen. München, 2003.
    Über das Schicksal einer jüdischen Familie aus Novi Sad im zweiten Weltkrieg.
  • Zarev, Vladimir: Verfall. Köln, 2007.
    Packender Roman über die bulgarische Mafia.

sarajevo_06.jpg

Blick von einem der unzähligen Friedhöfe hinunter auf die bosnische Hauptstadt Sarajevo. Im Zenrum des Bildes die während des Bürgerkrieges ausgebrannte Nationalbibliothek. Nur ihre Fassade ist wiederhergestellt. (Foto David Koller)

Lesenswerte Sachbücher

  • Büschenfeld, Herbert: Jugoslawien. Stuttgart 1981.
  • Calic, Marie-Janine: Geschichte Jugoslawiens im 20. Jahrhundert. München 2010.
  • Clewing, Konrad & Schmitt, Olivers Jens (Hrsg.): Geschichte Südosteuropas. Vom frühen Mittelalter zur Gegenwart. Regensburg 2011.
  • Kunz, Thomas: Nicolae Ceauşescu. Eine Biographie. Berlin, 2009.
  • Lampe, John R.: Yugoslavia as History. Twice there was a country. Second Edition. Cambridge 2000.
  • Melćić, Dunja: Der Jugoslawien-Krieg. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. Wiesbaden 2007.
  • Mikić, Dejan; Sommer, Erika (Hrsg): Jugoslawien – Schweiz einfach. 20 Erfolgsgeschichten. Zürich 2007.
  • Rathfelder, Erich: Schnittpunkt Sarajevo. Berlin 2006.

belgrad_06.jpg

Spuren des Nato-Bombardements auf Serbien (1999): ein zerstörter Teil des Verteidigungsministeriums. Das Bild entstand im Jahr 2006, abgerissen oder saniert ist das Gebäude bis heute nicht. (Foto David Koller)

Sehenswerte Filme

  • Lepa Sela Lepo Gore (pretty village, pretty Flame), Srđan Dragojević, Serbien, 1997
    (Anti)-Kriegsfilm zum Konflikt in Bosnien.
  • Virdžina, Srđan Karanović, Jugoslawien, 1991
    Eindrückliches Kammerspiel, das auf das Phänomen von Frauen eingeht, die mangels männlichen Nachwuchses in ihrer Familie in die Rolle des anderen Geschlechts schlüpfen mussten.
  • Before the rain, Milčo Mančevski, Makedonien, 1994
    Der Film erzählt mit eindrücklichen Bildern und verschachtelter Handlung eine Geschichte über die Blutrache.
  • Sretna Zemlja (Happy Land). Goran Dević, Kroatien, 2009
    Dokumentation über zwei Reisegruppen mit komplett unterschiedlichen Ideologien. Während Kommunisten zum Geburtsort Titos fahren, machen sich Faschisten auf nach Bleiburg. Hier fand gegen Ende des Zweiten Weltkriegs jenes Massakers statt, das die neue Rechte Kroatiens zum Golgatha ihres Staates stilisiert.

Und zum Schluss noch dies. Die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den ehemaligen Teilrepubliken Ex-Jugoslawiens nimmt langsam Form an. Die Redaktion von igosana.ch fordert deswegen: Die Šljivovica-Union als logische Folgerung der einstigen Montanunion (erster europäischer Wirtschaftsverband und Vorläufer der EG)!

januar08.jpg

Kommentare deaktiviert für 06 Südosteuropa Veröffentlicht unter

05 Liebesgeschichten

kaffeeherz.jpg

Liebesgeschichten für den eiligen Leser

Wer hat heute noch Zeit, einen langen Roman zu lesen, der am Ende doch kein Happy-End bietet? Igosana.ch hat die Lösung für all jene, die sich nicht durch 200 Seiten quälen wollen um herauszufinden, ob ein Paar nun glücklich wird oder eben doch nicht: Liebesgeschichten für eilige Leser. In loser Folge werden sie hier veröffentlicht.

Die Geschichten stammen mehrheitlich aus der Feder David Kollers, aber nicht nur. Sie sind nicht chronologisch, sondern inhaltlich geordnet. Neuere Texte können sich weiter unten oder mitten in der Auflistung befinden.

(Neue Geschichten hinzugefügt am 03.07.2016)

Anfang oder Ende? – von Isaak Babel (06.04.13)
Nachdem wir eine Zeit lang dummes Zeug miteinander gesprochen hatten, heirateten wir.

Ödipus fährt Zug (25.09.08)
«Schade bin ich nicht ein paar Jahre älter, oder Sie ein paar Jahre jünger», sagte er zu der Dame auf dem Sitz gegenüber. «Ich bin verheiratet», entgegnete sie. Er zuckte mit den Schultern.

Lolita mobil (23.08.13)
Ach wie ich sie liebe, diese Nymphchen, die dich beim Betreten des Busses auffordernd anschauen und dich – sobald du ihrem Begehren nachkommst und sie musterst – mit sorgfältig einstudierten, zornig verachtenden Blicken belohnen.

Die Unvollendete (26.07.12)
«Lass mich in Frieden!», sagte sie und zog sich die Bettdecke über den Kopf.

Schöne Gedanken (25.09.08)
Sie wusste nicht recht, was sie mit dieser Kurzmitteilung in ihrem Posteingang anfangen sollte: «Vorhin habe ich an dich gedacht. Jetzt gehe ich mir die Hände waschen.»

Das schwarze Schnewittchen (25.09.08)
Sie war die Antithese zu ihrem Namen. Pechschwarz das Haar, braun die Haut; ihre Augen schienen die ganze Nacht in sich aufgesaugt zu haben. Sie hiess Snezana. Schnewittchen. Eine Frau, schön wie der Teufel. Straff der Körper, rund wo er rund sein musste; flach dort, wo Flachsein angebracht war. «You look awfully beautiful», sagte ich, nachdem ich mich überwunden hatte, ihr einen Drink zu spendieren. Unbarmherzig stampften die Boxen die überlauten Bässe des Turbofolks in den Raum. Sie lächelte, hauchte «I know» und wandte sich von mir ab – zurück auf die Tanzfläche.

Osterweiterung (21.09.12)
«Oksana? Was ist denn das für ein hässlicher Name?»
«Das ist eben das Faszinierende an all den Oksanas, die ich kennengelernt habe: Ihr Name ist scheusslich und steht stets in wunderbarem Widerspruch zu ihrem Äusseren.»

Liebe 77 – von Julio Cortazar (10.10.08)
Und nachdem sie all das, was sie machen, gemacht haben, stehen sie auf, baden sich, pudern sich, parfümieren sich, kämmen sich, ziehen sich an und werden nach und nach wieder das, was sie nicht sind.

Die Verführerin – aus Bernhard Schlink: Der Vorleser (04.03.09)
Ich sah nicht auf, als sie in die Küche kam, erst als sie vor der Wanne stand. Mit ausgebreiteten Armen hielt sie ein grosses Tuch. «Komm!» Ich wandte ihr den Rücken zu, als ich mich aufrichtete und aus der Wanne stieg. Sie hüllte mich von hinten in das Tuch, von Kopf bis Fuss, und rieb mich trocken. Dann liess sie das Tuch zu Boden fallen. Ich wagte nicht, mich zu rühren. Sie trat so nahe an mich heran, dass ich ihre Brüste an meinem Rücken und ihren Bauch an meinem Po spürte. Auch sie war nackt. Sie legte die Arme um mich, die eine Hand auf meine Brust und die andere auf mein steifes Geschlecht. «Darum bist du doch hier!»

Am Morgen – in Anlehnung an Vassilij Grossman (06.09.11)
Mit noch wirrem Haar stiess sie – das Hemd über der Brust mit einer Hand zusammenhaltend – das Fenster auf und blickte mit zusammengezogenen Brauen, aber lächelnd, in den klaren Morgen.

Gereift – In Anlehnung an Goran Vojnović: Vaters Land (03.07.2016)
In dieser Nacht stand nicht jenes kindlich ausgelassene Mädchen vor mir, in das ich mich vor drei Jahren wegen des bezaubernden Lachens und des jungen festen Hinterns verschaut hatte. Vor mir stand ein Mädchen, das an meiner Seite unmerklich gereift war. N., die ich nur für eine weitere Selbstverständlichkeit in meinem Leben gehalten hatte, war zur Frau geworden, die mich zu verstehen schien.

Komplizierte Welt (19.06.12)
Erst nach vielen Wochen öffnete sie mir die warme und komplizierte Welt zwischen ihren Schenkeln. Eine Welt, die ich bis am Schluss nie richtig verstehen sollte.

Hard- und Software (05.08.10)
Hast du dich schon mal gefragt, warum wir Frauen keine jüngeren Partner wollen?

Weil wir ganz einfach denken, dass ältere Exemplare reifer sind. Da geht es um Software. Dem ist nicht so, das weiss jedes Kind, nur wir dämlichen Weiber wissen es nicht. Wir warten immer auf ein Wunderexemplar – sensibel, humorvoll, anständig und eben älter.

Männer hingegen wollen Hardware. Und wenn die dann 20 Jahre jünger ist, macht das grad noch etwas mehr her.

Der Liebhaber – von Anton Cechov (10.10.08)
N. erfährt, dass seine Frau ihn betrogen hat. Ist empört, gekränkt, zögert jedoch, schweigt. Schweigt, und es endet damit, dass er sich von dem Liebhaber Geld leiht und sich weiterhin für einen ehrbaren Menschen hält.

Wahrscheinlich keine Liebe (20.10.08)
«Wie kann ich angesichts deiner Scheiss-Fresse noch so etwas wie Liebe empfinden?»
(in Anlehnung an René Pollesch)

Überschätzung (10.08.15)
Liebe ist die sinnlose Überschätzung des minimalen Unterschieds zwischen einem Geschlechtsobjekt und dem anderen.

Wahrscheinlich keine Liebe mehr (03.11.11)

(reelles Inserat im «Walliser Bote» vom 29.10.11)

Change (19.08.13)
«Schatz, ich habe nachgedacht. Wir brauchen eine Veränderung. Entweder wir heiraten und ich werde schwanger. Oder wir kündigen die Wohnung und suchen uns ein neues gemeinsames Zuhause.»
«Kündige die Wohnung.»

Stigma (16.04.13)
Ja, ich bin glücklich verheiratet. Jedes Mal, wenn ich mit Freunden ausgehe, streife ich mir den Ehering vom Finger.

Antike Enttäuschung – von Quintus Horatius Flaccus, genannt Horaz (27.02.11)
Falschheit, dein Name ist Weib.

Dummheiten – aus Joseph Roth: Hotel Savoy (15.10.2015)
Frauen begehen ihre Dummheiten nicht wie wir aus Fahrlässigkeit und Leichtsinn, sondern wenn sie sehr unglücklich sind.

Er wollte mehr (25.09.08)
Wutentbrannt schleuderte er die Serviette auf den Tisch. «Eine Affäre? Sehe ich vielleicht aus wie jemand, der nur eine Affäre nötig hat?» schnaubte er, schob den Stuhl zurück und stapfte von dannen. Sie zog an ihrer Zigarette und blickte ihm nach. Dann bestellte sie die Rechnung und verliess das Lokal – mit einem Lächeln im Gesicht.

Er küsst sonst niemanden (24.10.08)
«Schwör!»
«Man ich schwöre! Shkelzim ist sein bester Kollege, er ist für ihn wie ein Bruder. Aber als Shkelzim ihn fragte, ob er mit ihm tanzen komme, antwortete er: Nein Mann, ich bleibe hier sitzen, bei dieser hübschen Lady. Und als er mich mit seinem Auto nach Hause brachte, hat er mich auf die Wange geküsst! Und er küsst sonst niemanden.»
«So süss!»

Formsache (17.12.14)
Mit Verlaub, Madame, an einem Hintern wie dem Ihren würde ich mir gerne mal wieder die Finger verbrennen.

Slawische Seele (02.10.09)
Ich war auf dem Heimweg. Aus den Kopfhörern erklang Musik im tiefsten Moll. Da setzte sich mir gegenüber diese glutäugige Schwarzhaarige. Schwermut überrannte mich. Es war kein unschönes Gefühl.

Erlaubt (03.10.08)
Den darfst du von nun an unbestraft anfassen, dachte er und warf einen weiteren begeisterten Blick auf ihren Hintern.

Ihre Lippen – aus Vladimir Pištalo: Millennium in Belgrad (30.03.12)
Während wir warteten, liessen wir zwei Busse wegfahren. Lange schwankte ich, ob ich sie anfassen sollte. Am Ende spürte ich doch ihre Lippen und erwarb das Recht, mit den Händen ihren Körper zu erkunden.

Noch eine Nacht – aus Christian Schmidt: Die Zellen meiner Schwester (17.04.13)
Meine Lebenserwartung ohne Therapiebeginn am gleichen Tag: ein paar Wochen. Ich begann nicht sofort. Noëlle wollte noch eine Nacht mit mir zu Hause verbringen.

Barbarossa 2.0 (10.10.08)
«Gefällt er dir?»
«Ja. Schöne Augen, schönern Hintern. Aber dieser Bart. Warum tragen Studenten heute immer noch Bart?»
«Wirst du ihn küssen?»
«Ich denke schon.»
«Also, dann bestellen wir jetzt noch einen Drink und danach ziehst du dir die Lippen nach.»

Pyjama (27.06.12)
Wir lernten uns per Zufall kennen. Am nächsten Abend lud sie mich zu sich ein. Sie bekochte mich. Dann fragte ich, ob es ihr etwas ausmache, wenn ich nicht nach Hause ginge. Nein, sagte sie. Wir putzten uns artig die Zähne, sie zog ihren scheusslichen Hippie-Pyjama an und wir legten uns ins Bett. Erzählst du mir jetzt eine Geschichte, fragte sie lächelnd. Nein, antwortete ich ­– ebenfalls lächelnd.

Зажигалка* (02.10.09)
«Wow!», sagte er zu ihr. Fortwährend hatte sie zuvor seine Nähe gesucht und ihn schliesslich um Feuer gebeten. Er hielt ihr den Anzünder hin und ihre Blicke trafen sich für eine kurze Ewigkeit. Augen wie die ihren hatte er zuvor noch nie gesehen. «Wow!», sagte er; dann steckte er das Feuerzeug wieder in seine Tasche und zog grusslos von dannen.

* Umgangssprachlich gilt in Russland eine sehr attraktive Frau als зажигалка (sprich. Saschigalka), also Feuerzeug.

Jung (05.11.09)
Sie ist schön. Aber sie ist jung. Sie versteht es noch nicht, einen Männerblick zu ertragen.

Für immer und ewig (22.04.14)

eternity

(so angetroffen in der SBB-Personenunterführung in Nebikon LU)

Statusänderung (03.10.14)
Wie wir ein Paar wurden?
Wir kannten uns schon lange. Ab und zu kam sie nach Konzerten zu mir nach Hause und wir fickten. Am nächsten Morgen ging sie wieder.
Eines Morgens sagte sie: «Jetzt gehe ich nicht mehr.»

Männer (01.04.09)
«Ach! Seit ich ihm von meinem zweijährigen Sohn erzählt habe, ist sein Interesse an mir deutlich gesunken.
Aber reden wir nicht von mir. Wie siehts bei dir aus?»
«Nicht viel besser. Er hat sich nicht mehr bei mir gemeldet, seit ich nach unserem ersten gemeinsamen Abend die Nacht nicht bei ihm verbringen wollte.»

Vorlieben (19.05.12)
Bisweilen denke ich, ihr Männer seid williger um eine Flasche Bier denn um eine Beziehung zu kämpfen.

Turteltaube (18.01.09)
Er ist sowas von träge. Er bewegt sich wie eine Taube, die zu faul ist um wegzufliegen und sich nun zu Fuss aus dem Staub macht. Er ist lahm, ich mag ihn nicht.
Und trotzdem kriegt er mich immer wieder ins Bett.

(Alb-)Traumberuf (18.10.09)
Ich bin Fahrlehrer. Ich hasse meinen Job. Tagein, tagaus sitze ich im Auto und starre auf die Titten meiner untalentierten Schülerinnen.

Nachtgedanken – von Johann Wolfgang Goethe (28.08.10)
Euch bedaur ich, ünglückselige Sterne,
Die ihr schön seid und so herrlich
scheinet,
Dem bedrängten Schiffer gerne leuchtet,
Unbelohnt von Göttern und von
Menschen:
Denn ihr liebt nicht, kannet nie die
Liebe!
Unaufhaltsam führen ewige Stunden
Eure Reihen durch den weiten Himmel.
Welche Reise habt ihr schon vollendet!
Seit ich weilend in dem Arm der
Liebsten
Euer und der Mitternacht vergessen.

Alleine zu zweit zurück (20.12.08)
bin zurück aus afrika, alleine. habe neuen Job und neue wohnung. wir müssen uns mal auf einen kaffee treffen. bin schwanger.

Im Kreis (08.10.08)
Sie liess ihre Hand über meinen Bauch kreisen, im stetig grösser werdenden Rund. Mit kleinen Schritten kam sie meiner Körpermitte näher. Doch was waren das kleine Schritte; ich konnte es kaum mehr erwarten. «Ich liebe dich», sagte ich und dachte: Komm endlich zur Sache!

Alltag (06.04.12)
«Was ist denn das für ein hässliches Nachthemd?»
«Aber du warst doch dabei, als ich es gekauft habe.»

Herbst – von Andrey Bely (20.12.08)
Vorbei ist der Lenz.
Der Wald flammt rot.
Feurig glänzt
der Nebelmond.

Wir waren zu zweit,
wir hatten uns gern.
Nun ist sie fern,
die Frühlingszeit.

Vorbei ist der Lenz,
an Täuschung so reich.
Der Nebel glänzt.
Der Mond ist bleich.

Du wendest dich ab –
wie traurig du schaust.
Durchs Schilfrohr braust
der Fluss herab.

Etwas Besseres (21.10.08)
«Du hast etwas Besseres verdient als mich», sagte er und wandte sich traurig von ihr ab. Ja, das habe ich, dachte sie, aber ich werde nichts Besseres finden.

Zwei Jahre (02.04.09)
Dieses Lied.
Ich habe es zum ersten Mal gehört, als ich auf dem Weg zu dir war. Damals wusste ich längst, dass du uns keine Chance mehr gibst.
Das ist jetzt zwei Jahre her. Ich kann diese elende Melodie immer noch nicht hören.

Wärme (03.03.09)
Da hörte ich dieses Klopfen an meiner Bürotür – leise und fast zaghaft – und nun stand sie da; wollte eigentlich gar nicht zu mir, aber der, den sie suchte, war abwesend. So stand sie an meiner Tür und wir schauten einander an. Ich kannte sie von früher, vom Gymnasium. Gefallen hatte sie mir immer, aber geredet hatten wir nie miteinander. Jetzt redeten wir. Nur ein paar wenige Worte, gleichwohl eine kleine, schöne Ewigkeit. Und ich spürte sie wieder einmal, diese wohlige Wärme, die mir jemand schenkte; dieses ehrliche Glänzen in den Augen, dieses nicht geheuchelte Lachen. Und sie spürte es auch.

Dann ging sie wieder und ich sass etwas verzaubert in meinem Büro. Schön ist das. Mehr nicht. Aber schön, sehr schön.

Wunde – von Konstantin Wanschenkin (31.03.09)
Sie ging.
Der Lift verstummte.
Da riss er sich
den Verband von der Seele,
starrte erschrocken
auf seine Wunde.

© igosana.ch, David Koller, 2008 – 2016