Frage des Sex-Appeals

Wäre ich, Herr Koller, ein berühmter Journalist, eine richtige Edelfeder, ich beendete die Interviews für meine Kolumne jeweils mit der Frage des Sex-Appeals; welcher Beruf hat davon am meisten?

Wäre ich der Interviewte, ich müsste nicht lange überlegen. Floristin, ganz klar. Was hat mehr Sex-Appeal als eine Frau in ihrer grünen Schürze, wie sie etwa einen Frühlingsstrauss zusammenstellt? Gelbe Rosen und Nelken, pinkfarbene Freesien, weisse Margariten und rosa Gerbera. Ungeheuer sexy.

Darum, liebe Leserin, lieber Leser, sind Sie hier bei

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Hier finden wir für Sie heraus, welcher Beruf davon am meisten hat.

Apropos: «Kuno, ich will ein Kind von dir», schrie neulich der Kerl hinter mir. «Züri West» aus Bern besuchten Luzern. Die Giele waren zwar nach ihrer Winterpause zu Beginn noch etwas steif, aber von Minute zu Minute besser in Form. Und Kuno wippte mit seinem Fuss, wie es eben nur er kann. Winterpause hin oder her, Kuno Lauener hat Sex-Appeal, keine Frage. Wäre er eine Frau, er wäre Floristin. Garantiert.

So spielt das Leben. Ich bin kein berühmter Journalist. Auch keine Floristin und schon gar kein begehrter Mundartrocker. Aber das wegen Beruf und Sex-Appeal würde mich halt schon interessieren.

Schreiben Sie. Welcher Beruf strahlt in Ihren Augen am meisten Erotik aus? Es gibt keine tolle Preise zu gewinnen.

Hier sind sie, die sexy Beufe

Berufsoffizierin

Leser D.E. aus L. (Name der Redaktion bekannt) bricht das Eis und schreibt:

Der Beruf mit dem meisten Sex-Appeal heisst Berufsoffizierin der Schweizer Armee. Dies hat weniger mit der unbestrittenen Schönheit einer graziösen Soldätin oder deren unvergleichlichen Outfit zu tun, sondern begründet sich ausschliesslich aus der ungeheuerlichen Schärfe, die jeden anständigen WK-Soldaten mal heimsucht, spätestens in der zweiten Dienstwoche.

Was will Herr E. aus L. anhand dieses representativen Beispieles sagen? Die Beurteilung darüber, ob irgendwer irgendwo Sex-Appeal ausstrahlt, kann einzig und allein aus der subjektiven Betrachtungsweise des Prüfers gefällt werden. Kurzum: Irgendwann wird jeder scharf. Damit erübrigt sich die endlose pseudophilosophische Diskussion darüber, ob das sogenannte Sex-Appeal überhaupt real existiert.

Aber wenn wir schon mal dabei sind: Am Ende meiner Tabelle, und das soll hier deutlich zum Ausdruck gebracht werden, steht unangefochten der Rechtsanwalt. Kein Sex-Appeal, dafür die längsten Schw****. Oder war DAS die Frage?

Anmerkung der Redaktion: Inhalt und Wortwahl müssen nicht zwingend mit unseren Ansichten übereinstimmen. In diesem tragischen Fall widersprechen sie ihnen gar fundamental.

Bibliothekarin

P. H. aus H. (Name der Redaktion entrannt), ein Bekannter von D. E. aus L. – jenem Kranken, der auf Frauen in grünen Uniformen steht –, plädiert für die Bibliothekarin:

Über den grössten Sex-Appeal verfügt ganz bestimmt die Bibliothekarin.

Dies in einem absoluten Sinn. Eine subjektive Betrachtung des Erkenntnisobjektes oder jegliche Differenzierung am Einzelfall sind obsolet. Begründung? Werfen wir zu diesem Zweck einen Blick ins Fremdwörterlexikon. Da steht: «Eine Bibliothekarin ist eine Beamtin oder Angestellte an wissenschaftlichen oder öffentlichen Bibliotheken.»

Da fällt zum einen sofort das Wort Beamtin auf. Wer kennt schon die weibliche Form des Begriffs des Beamten? Liegt nicht der tiefere Grund für die Wissenslücke darin, dass diese Wesen etwas Unnahbares, Unerreichbares, Sinnliches haben? Natürlich werden in der breiten Öffentlichkeit Witze über das Beamtentum gemacht. «Beamte sind ein wunderbares Beispiel für die Vermehrung der Menschen auf ungeschlechtliche Weise», sagt man etwa. Aber natürlich manifestieren sich in solch unüberlegten Aussprüchen lediglich Volkstümelei und Neid.

Zum anderen geht es also um Bücher. Die Bibliothekarin ist die uneingeschränkte Herrscherin des Buches – des Wissens der Menschheit also. Was hat mehr Sex-Appeal als das Wissen?

Schaut sie euch an: die Bibliothekarin! Was kümmert sie Mode, was kümmern sie wohlriechende Essenzen? Sie ist, was sie ist: Die unnahbare Hüterin des Wissens. Knien wir nieder und gestehen wir es uns ein. Die Bibliothekarin hat den stärksten Sex-Appeal!

Die Redaktion jubelt: «Endlich! Die erste Frau. Das ist nämlich keine sexistische Macho-Wacho-, sondern eine politisch korrekte Umfrage.»

Bossparfümierter Treuhänder

E. H. aus S. (die Redaktion jubelt: endlich eine Frau) schreibt:

Nun, da fühlen wir Frauen uns doch geehrt. So scheint wenigstens der Sex-Appeal in der beruflichen Welt unsere Domäne zu sein. Oder habe ich da etwas missverstanden und diese Umfrage ist nur für Jungs und ihre Phantasien gedacht?

Ob Berufsoffizierin, Dentalhygienikerin oder Bibliothekarin – pha, nichts geht über einen dezent Hugo-Boss-parfümierten Treuhänder der sich mit seinen wohl manikürten sanften Händen deinen Kugelschreiber krallt um sich dann mit tiefen Stirnfalten (die eindeutig von WISSEN zeugen) über deine Steuererklärung her zu machen und die Zahlen mit Präzision und begleitet durch zarte Seufzer in den Taschenrechner zu tippen.

Und auch nach 20-jähriger Ehe ist es äusserst verlockend, mit einem spitzbübischen Lächeln den Tarif alleinstehend anzukreuzen. Und obwohl eidg. Dipl. Treuhandexpertin auf deiner Visitenkarte steht, ist dieser Termin alljährlich gebucht….

Nun, zur gleichen Spezies gehören eindeutig der Versicherungs- und der Finanzberater.

Saxophonist

E.Z. aus Z. (Hurra, schon wieder eine Frau, die Red) steht auf Musiker:

Die Antwort auf diese Frage war für mich sofort klar. Ich stelle mir eine kleine Bar mit gedämpftem Licht, Zigaretten- und anderem Rauch vor.

Mitten drin steht ein Mann mit einem goldenen Instrument und geht voll in seinem Spiel auf. So sexy aussehen beim Musizieren kann nur einer: Der Saxophonist. Er spielt aus voller Leidenschaft und ich leide mit ihm.

Nach ein paar Whiskies und dem blauesten Blues schwimmt der letzte Liebeskummer wieder an der Oberfläche.

Ich warte bis die Bar schliesst und this sexy man vor meinem offenen Fenster zu einem Privatkonzert aufspielt.

Dentalhygienikerin

Sch. Idea aus L. schnaubt: «Na bitte – wenn japanisches Schulmädchen kein richtiger Beruf sein soll, dann hier halt meine ODE AN DIE DENTALHYGIENIKERIN»:

Sie empfängt dich in ihrer praktischen und doch neckischen weissen Schürze und legt dich als erstes gleich flach auf ihren Stuhl. Routiniert übersieht sie deine abgelatschten, schmutzigen Schuhe und die verschiedenfarbigen Socken.

Sie beugt sich tief über dein Gesicht mit dem weit aufgerissenen Mund und fingert sanft in deinem Mund herum. Das nahe Gesicht mit dem Praxislampen-Heiligenschein wirkt unwirklich und von engelsgleicher Schönheit. Mit dem starten des unregelmässig röchelnden Speichelabsaugers stellt sie die nötige Distanz und den Bezug zur Realität jedoch sofort wieder her. Auch wenn sie manchmal dein Zahnfleisch zum bluten bringt, befreit sie dich doch ohne dir gross wehzutun vom überflüssigen Zahnstein.

Sie lässt sich nichts anmerken, wenn sie mit deinem Speichel vollgespritzt wird. Mit entrückter Stimme labert sie dich die ganze Zeit mit wichtigen Informationen voll – erwartet aber von dir nicht mehr als zu relaxen, stumm an die Decke zu starren und ab und zu ein „Ehä“ oder „Ää“ als Antwort. Am Schluss stehst du erleichtert auf, drückst ihr die Hand und freust dich, dass es vorbei ist. Gleichzeitig bedauerst du irgendwie aber auch, dass es schon vorbei ist und du sie erst in einem Jahr wieder siehst.

Ungewissheit, Angst, Schmerz, Entspannung, Erleichterung – von allem ein bisschen und von keinem zu viel. Die Dentalhygienikerin kommt dir extrem Nahe, ohne dir zu Nahe zu treten, sie füllt die klinische Umgebung mit menschlicher Wärme. Sie kreiert eine knisternde Atmosphäre und führt deine Gefühle innert einer halben Stunde durch ein Wechselbad hindurch in einen Zustand der perfekten Entspannung und Harmonie. DAS ist Sex-Appeal!

Habe nächste Woche einen Termin bei der Neuen von meinem Zahnarzt. Die Spannung steigt!

Automechaniker

K. Hrp.* aus W. (Anm. der Red.: Grossartig, eine Doppelbürgerin mit EU-Pass) schreibt:

Da ich mit dieser Spezies öfters zu tun habe, müsste ja eigentlich der Kinderarzt am meisten Sex-Appeal haben. Liebevoll mit Kindern umgehend und weise mit Eltern redend, ruft er bei mir sogar manchmal mütterliche Instinkte hervor.

Doch dann: Mit mir sprechend, diskutierend und zankend, wirkt er absolut arrogant, überlegen und lässt mich wissen, wie dumm ich bin. Und das nur, weil ich eine eigene Meinung vertrete und mich für die Rechte anderer einsetze. Und das, liebe Leute, wirkt absolut unsexy.

Also suche ich weiter und lande mit meinen Gedanken unweigerlich bei meinem Automechaniker. Wie er im Blaumann vor mir steht, die muskulösen Arme bis zu den Ellenbeugen mit Motorenöl verschmiert, die Haut in der Sonne glänzend; alles Zeugnisse harter Arbeit.

Wie er mich zur Seite nimmt, mich mit seinen rehbraunen Augen anschaut und leise lächelnd sagt, dass es nicht so schlimm ist, wenn meine Autobatterie bereits das dritte Mal in einem Monat versagt. Er macht sich nicht darüber lustig, dass ich das Licht immer brennen liess und darum jedes Mal ein Besuch in der Werkstatt von Nöten war. Er findet es legal, nein er findet es ein Recht, dass wir nur wenig von Autos wissen, was ich meinerseits auch dankend annehme. Bei ihm darf ich wieder das kleine Mädchen sein, dass noch Fragen hat und nicht auf alles eine Antwort wissen muss.

Er ist eben ein wirklicher Gentleman. Und wenn ich mit meinem Gefährt davon brause und im Rückspiegel den braunäugigen Blaumann winken sehe, schmelze ich dahin.

Leider weiss ich, dass es die Frauen sind, die entscheiden, welcher Typ für sie in Frage kommt (zwecks Fortpflanzung). Und das sage und schreibe innerhalb von sechs Sekunden (weit eine schnellere Entscheidung als für die abendliche Kleidung). Da kann sowohl ein Arzt, ein Saxophonist, ein wohlriechender Treuhänder wie auch ein blendend aussehender Automechaniker am Morgen neben einem aufwachen. Gute Aussichten, nicht wahr?

Sängerin von «Nightwish»

Pamalam aus L. (mit der Redaktion verlinkt) schreibt:

Tja, hab überlegt. Nichts passiert. Hab ihn gefragt und spontan kam Dentalhygienikerin. Aber a) ist das Wort sauschwer zu schreiben und b) war einer schneller.

Kann aber nur sagen meine Worte: Also ich vor zwei Jahren zum ersten Mal zu ihr ging (nachdem ich 1,8 Mia. mal bei ihm gewesen war), war ich hin und weg. Habs sogar bereut, dass ich direkt von einer Olma-Hardcore-Schweising-Nacht kam. Zum ersten Mal im Leben freute ich mich unmittelbar nach der Behandlung schon auf den nächsten Termin. Ich konnte es kaum erwarten, bis sie wieder ihre pamhandgrossen und q10-festen Brüste an meine Schultern presst, mit ihren Nippeln mein rechts Ohrenläppli streichelt.

Gegenfrage: Wissen Denthalhyg… ähm, die Frauen mit diesen Beruf, was sie da mit ihren Brüsten machen? Ist dies eine novartisfreie Narkose für uns Weichmänner? Harte Sache.

Letztes Jahr – beim meinem zweiten Besuch – nicht mehr direkt von der Olma, schon fast firmungstauglich herausgeputzt, hatte ich mir fest vorgenommen, sie nach der Ohrenläpplibehandlung zu einem Drink einzuladen. Klug wie er ist, hat er mich überzeugt, den Termin natürlich wieder auf den späten Freitagnachmittag anzusetzen. Weil da die Praxis des bösen, brustlosen Zahnarzts offiziell geschlossen war. Nur mein Dentalengel und ich. Hat alles wunderbar geklappt, nur nach der Läppligeschichte der Tiefschlag: «Bitte eine Stunde lang nichts trinken.» Meine Frage erübrigte sich. Nun bastelt er an einer neuen Strategie für dieses Jahr.

Aber eben, Dentalhyg … (siehe oben) war schon besetzt. Somit, … hm, kommt mir nur Sängerin von Nightwish in den Sinn. Ist ja auch ein Beruf und ich kann mir momentan wirklich keine sexigere Frau vorstellen. In diesem Sinne, packt die Niveadose ein und wir sehen uns in Frauenfeld.

Fotograf

R. B. aus S. (Ugly Journalist) findet Fotografen sexy:

Sein Blick ist scharf, sehr scharf sogar. Es ist ein Blick, der alles registriert und jedes Detail aufsaugt. Ein Blick, den er auch nicht abwendet, wenn die Beobachtete sich längst nervös durch die Haare streicht, viel zu schrill lacht und immer wieder an ihrer Halskette zupft.

Er sieht den kleinen Lichtfleck, den der Kaffeelöffel auf ihre Wange wirft, das gelb der Gerbera vor ihr auf dem Tisch, das im Kontrast zu ihrem dunkelblauen T-Shirt steht und die kaum sichtbaren Sommersprossen auf ihrer Nase. Sie aber, sieht er nicht. Das lässt ihn cool erscheinen, unnahbar. Irgendwann zahlt sie und verlässt das Lokal. Als arrogant wird sie ihn beschreiben.

Klar ist aber: So sexy wie er ist keiner sonst. Besonders nicht bei der Arbeit. Als Fotograf bewegt er sich zwar mitten im Geschehen, ist dabei aber in seiner eigenen Welt. Und darin urteilt er weniger nach gut und böse denn nach gutem und schlechtem Licht. Seine Liebe gehört den Interessanten, nicht zwingend den Schönen und Reichen.

Dabei, er hatte sie schon alle: Den Ospel, den Couchepin, den Adrian Sieber. Mit letzterem hat er sich gestern auf ein Bier am Rhein getroffen, die beiden anderen verzeihen ihm seine Unpünktlichkeit, die speckige Lederjacke und die zerschlissene Jeans. Beneidenswert. Doch Kreative sind eben nicht wirklich Teil dieser Welt.

Leider. Doch es macht ungemein sexy.

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One comment

  1. Mändu

    Guten Tag Herr Koller

    Hat ein Ex-Dummbeuthler, nun als gegrawättleter Banker verkleidet ist und einen anständigen Offbeat aus dem Schlagzeug schnitzen kann und in der Woche durchschnittlich nur noch 3 anstatt in vergangenen Jahren 4 Kebap’s frisst… ja isst.. bzw. hat der Sex-Appeal? Bitte veröffentlichen Sie Ihre Antwort auf http://www.igosana.ch weil meine Mutter meine Post aufmacht und liest (das darf man doch gar nicht?)

    Viele Grüsse
    Mändu

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