Fifi Superstar

Die Geschichte eines Bildes: Herr Kollers Erzeuger sind gerade daran, ihren Haushalt herauszumisten. Alles wird umgekrempelt, auch Fotokisten. Dabei stiessen sie auf ein interessantes Bild, entstanden irgendwann im Jahr 1996.

Es zeigt David Kollers ersten Hund Jumbo. Weder der Name des Tieres ist Zeichen für intellektuelle Höhenflüge, noch das Bildsujet. Zum Namen gilt verteidigend anzufügen, dass Koller elf oder zwölf Jahre alt war, als der kleine Kläffer in seinen Besitz kam. Zum Foto gibt es keine entlastenden Argumente. Sehr glücklich sieht der Protagonist auf jeden Fall nicht aus. Wenn wunderts: weder Lage noch Kleidung sind artgerecht:

Indes hat Jumbo eine beachtliche Karriere als Medien-Superstar hinter sich. So wurde just dieses Bild weiland in der «Weltwoche» abgebildet. Es muss irgendwann im Jahr 2001 gewesen sein – kurz nach der Neulancierung zum Magazin. Zu einer Zeit also, als das Blatt noch als cool galt und eine Rubrik besass, für die Leser Fotos einschicken konnten.

An den genauen Inhalt der Bildlegende erinnern wir uns nicht mehr. Wohl aber daran: Jumbo trat unter dem Pseudonym Fifi auf und wurde als stylisher Hund aus dem Luzerner Hinterland verkauft, der immer den neuesten Modetrends nachhechelte. Es war eine der ersten Einsendungen Kollers, die in einem Medium publiziert wurden. Mit etwas Pathos könnte man sagen: der schwebende Hund läutete den Anfang einer Karriere ein.

Damit nicht genug. In den «Willisauer Boten» – auch heute noch cool – schaffte es Fifi-Jumbo ebenfalls. Koller widmete ihm und anderen Kötern seiner Familie die allererste «Carte Blanche» nach dem Stellenwechsel von der Redaktion des «Seetaler Boten» in den Hauptort seiner angestammten Heimat:

Nicht geklont, aber bissig

Kinder und Tiere kommen an. Das haben die Einsendungen des WB-Fotowettbewerbs gezeigt. Kinder habe ich keine, darum schreibe ich über Tiere. Über Hunde, genauer gesagt. Und nicht über meine, sondern jene meiner Eltern, um noch genauer zu sein.

Wir hatten also mal einen Hund, der hiess Jumbo, war etwas grösser als eine Katze und ziemlich muskulös. Jumbo war wahrscheinlich der am schlechtesten erzogene Hund der Welt – ich habe ihn erzogen. Zu seinen katastrophalen Manieren gesellte sich ein ebenso legendärer Geschlechtstrieb. Wäre Jumbo ein Mensch gewesen, er hätte in Pornos mitgewirkt. Es kam nicht selten vor, dass ich als Primarschüler den hechelnden Gesellen irgendwo in Nebikon und Umgebung bei einer seiner Gespielinnen abholen musste.

Nach dem nimmersatten Jumbo kam Bubu. Der war auch kaum grösser als eine Katze, mochte solche aber überhaupt nicht.

Jumbo und Bubu haben längst abgelebt. Jumbo stellt jetzt wohl im Hundehimmel hübschen Damen nach, Bubu – zu Lebzeiten durch einem veterinärmedizinischen Kunstgriff seiner Männlichkeit beraubt – wird auch in den ewigen Jagdgründen aggressiv kläffend Katzen nachhetzen.

Kommen wir nun zu den Lebenden, zur Nummer drei: Dolly. Sie trägt den Namen des ersten geklonten und mittlerweile wegen Konstruktionsfehlern eingeschläferten Säugetiers. Die Namensverwandtschaft ist nicht von ungefähr. Unsere Dolly sieht aus wie ein Schaf; allerdings wie ein kleines, denn auch sie ist ähnlich zierlich wie ihre Vorgänger Bubu und Jumbo.

Sie sieht aus wie ein blökender Paarhufer und ist dabei der sprichwörtliche Wolf im Schafspelz. Denn die 12-jährige Dame – umgerechnet immerhin 84 Menschenlenze – mag keine Artgenossen. Für ihr Alter stürzt sie sich immer noch mit einer bemerkenswerten Energie auf alles, was irgendwie nach Hund aussieht, ob Chihuahua oder Rottweiler. Vielleicht liegt diese Kratzbürstigkeit daran, dass auch ihr ein Tierarzt die Libido geraubt hat; vielleicht daran, dass unsere Vierbeiner offensichtlich einen Knacks haben müssen. Soll mir jetzt keiner kommen, Hunde würden sich immer ihren Besitzern anpassen.

Willisauer Bote (WB), 18. August 2006
© David Koller, 2006