Bubentraum erfüllt

Bekanntlich hat David Koller seit jeher einen Motorenfimmel und schwärmt insbesondere für die Zivilluftfahrt. Nun hat er sich einen Bubentraum verwirklicht und flog mit jener fliegenden Wellblechkiste über die Alpen, die ihn mit ihrem sonoren Brummen sowie ihrer Langsam- und Behäbigkeit schon als Kind beeindruckt hat: Die Junkers Ju 52, besser bekannt als Tante Ju.

Der über 70-jährige Oldtimer der Ju-Air wartet auf dem Flugplatz Dübendorf auf die nächsten Passagiere.

Gemächlich gewinnt die Maschine nach dem Start an Höhe.

Automatisation sucht man im Cockpit vergebens. Gesteuert wird mit  einem riesigen Lenkrad aus Holz, inklusive Emblem des Motorenherstellers BMW-

Über den Glarner Alpen. Die Gipfel scheinen zum Greifen nah.

Auf Höhe des Vierwaldstättersees gesellt sich ein weiterer Veteran zur Ju: Ein Bücker-Doppeldecker.

Nach einer Stunde bei perfektem Flugwetter hatten die 17 Passagiere der alten Damen wieder festen Boden unter den Füssen und Schreiber Koller konnte auf seiner Allzeit-To-Do-Liste einen weiteren Punkt abhaken.

Fake News – als es sie (offiziell) noch nicht gab

Spätestens seit dem Wahlkampf des unsäglichen Donald Trump sind die Begriffe Fake News oder Alternative Facts allen bekannt. Leider! Es gab sie schon zuvor, indes liess sich damals noch besser darüber lachen. Das zeigt sich am Beispiel der Berichterstattung über Asiana-Airlines Flug 214, der im Juli 2013 in San Francisco bruchlandete.

Unmittelbar nach diesem tragischen Ereignis gingen einige Medien einer Falschmeldung auf den Leim, die David Koller zu einer Glosse veranlasste. Dieser haben wir uns heute erinnert, und wollen sie noch einmal aufbrühen. Denn sie war – keine Fake News! –  so schlecht nicht. Zumal sie einen kühnen Bogen zur schon damals angespannten Finanzlage des Kantons Luzern schlug.

Journalistische Bruchlandungen

Als diesen Juli eine koreanische Boeing bei der Landung in San Francisco verunglückte, leistete sich ein amerikanischer TV-Sender einen üblen Schnitzer. Im Rennen um die aktuellsten Infos nannte er die vermeintlichen Namen der Piloten: Sum Ting Wong, Wi Tu Lo, Ho Lee Fuk und Bang Ding Ow. Was im ersten Moment asiatisch klingen mochte, entpuppte sich als übler Scherz. Denn statt um Namen handelte es sich um die Verballhornung der englischen Ausrufe «something wrong», «we too low», «holy» – ergänzt mit dem F-Wort, das die puritanischen US-Fernsehsender jeweils mit einem Piepston überlegen – und «bang, ding, ow». Auf Deutsch: «Hier stimmt was nicht», «wir (sind) zu tief», «heilige Scheisse», «bumm, krach, autsch.»

Selber schrammte ich jüngst zweimal an ähnlichen journalistischen Bruchlandungen vorbei; in Artikeln über das derzeitige Haupttraktandum der politischen Agenda Luzerns – die betrübliche Finanzlage. Aus unerfindlichen Gründen tendiere ich dazu, Senkung mit Erhöhung zu verwechseln. So titelte ich vor zwei Monaten: «Gretchenfrage Steuersenkung». Diesen Lapsus zog ich im Text konsequent durch. Trotz mehrfachem Durchlesen fiel er mir nicht auf. Erst mein Chef konnte in der Schlusskontrolle einen Durchstart einleiten und den Gau abwenden. Ho Lee Fuk!

Sum Ting Wong! Wieso mein Unterbewusstsein immerzu von Steuersenkung statt -erhöhung berichten will, bleibt mir ein Rätsel. Um einen Freud’schen Verschreiber kann es sich nicht handeln. Denn als Spross eines CVP-Hauses wurde mir nicht eben überschäumende Liebe für den Liberalismus in die Wiege gelegt. Die Antipathie ist geblieben, obwohl ich mich politisch längst emanzipiert habe und auf mich gemünzt das Vorurteil nicht ganz in Abrede stellen kann, Journalisten würden eher nach links steuern – ausser natürlich die strammen Mannen von Captain Köppels «Weltwoche». Am letzten Freitag rasselte ich erneut fast in die Falle. Um ein Haar hätte ich der Luzerner SP den Wunsch nach tieferen Steuern unterstellt. Bang Ding Ow! Immerhin habe ich den Lapsus dieses Mal selbst bemerkt. Für den Fall, dass ich dereinst dennoch reinfliegen sollte und in der kantonalen Fiskalpolitik von Beibehalten statt Kurswechsel schreibe, halte ich hier schon mal prophylaktisch fest: Wi tu Lo!

Willisauer Bote (WB), 25. Oktober 2013
© David Koller, 2013

* Mehr über Kollers Technik-Fimmel gibt es hier.

Von Steuerrädern, Jets und Besserwissern

Zweifelsohne ist es in Anbetracht der Tragik solcher Unfälle kleinlich. Gleichwohl wollen wir jetzt stänkern, über populäre und stetig wiederkehrende Fehlleistungen von Medien im Zusammenhang mit Flugzeug- und Eisenbahnunfällen.

Ein kleiner Auszug:

  • Eine Lokomotive fährt auf Schienen und braucht kein Steuerrad. Folglich sitzt nie jemand am Steuer eines Zuges.
  • Im Cockpit der allermeisten Verkehrsflugzeuge arbeiten zwei Personen. Nicht der Pilot versuchte notzulanden, sondern die Piloten.
  • Die Untersuchung von Abstürzen ist komplex und dauert im Idealfall Monate, kann aber auch Jahre in Anspruch nehmen. Noch am Unfalltag zu schreiben, die Ermittler würden über die Ursache im Dunkeln tappen, erübrigt sich in jedem Fall.
  • Wenn ein Triebwerk ausfällt, ist das noch lange keine Beinahe-Katastrophe; wenn bei der Landung ein Reifen platzt, noch viel weniger.
  • Ein Flugzeug mit Propellern ist nicht zwingend alt.
  • Ein Flugzeug mit Propellern ist kein Jet.

Es gäbe noch viele solcher populärer Irrtümer. Aber wir wollen es nicht übertreiben mit der Kleinlichkeit und dem Besserwissertum.

Türen raus!

Im Beitrag vom 10. Oktober haben wir uns über die simplen, teils hochgradig xenophobischen Weltanschauungen gewisser Kommentar-Schreiber auf der Webseite des «Blick» enerviert.

Doch warum immer schimpfen? Nun wollen wir uns bedanken. Denn ein Kommentar hat uns das Leben versüsst.

Folgendes: Der Privatjet, in dem «U2»-Sänger Bono unterwegs war, verlor während des Flugs die Tür des Frachtraums. Diese stürzte samt des Gepäcks – allenfalls eine Ladung geschenkter iPhones? – in die Tiefe.

«Blick» berichtete am 13. November darüber und wusste gar die Immatrikulation der Maschine: D-CGEO*. Freude bereitete uns der einzige Kommentar, den ein Leser zu diesem semi-dramatischen Vorfall verfasst hat.

Blick-Tuer

Fraglich ist, ob diese Zeilen ernst gemeint sind, oder ob deren Verfasser allenfalls Anhänger einer neo-dadaistischen Strömung ist. Interessant erscheint uns überdies, dass eine deutliche Mehrheit der Leser den Kommentar mit erhobenen Daumen bewertet hat. Offenbar gibt es in der Schweiz fast so viele Gegner von Türen, wie Gegner von Asylbewerbern.

«Türen raus!», ist man darob versucht zu skandieren.

Uns indes stellt sich eine schwerwiegende Frage: Türen verbieten – gut und recht. Doch, liebe «Blick»-Leser, wie kommt man dann in etwas rein?

* Die Immatrikulation eines Flugzeugs ist vergleichbar mit einer Autonummer. D-CGEO sagt aus, dass es sich um eine in Deutschland eingetragene Maschine handelt. Dass in der Bildlegende des online-Artikels fälschlicherweise die Immatrikulation als Teil der Typenbezeichnung (Learjet 60) angegeben wird, ist ein Detail, das einzig Aviatik-Geeks wie Herrn Koller stört und über das wir generös hinwegblicken wollen.

Wegen Zu geschlossen

Igosana.ch gönnt sich Betriebsferien. Oberschreiberling Koller fliegt wieder nach Madeira.

Uneinigkeit herrscht bei Beobachtern darüber, ob Koller die portugiesische Insel im Atlantischen Ozean wegen des Flughafens mit seinem spektakulären Endanflug…

… oder wegen der reizvollen Landschaft…

… ein zweites Mal besucht. Es gibt aber auch Leute die behaupten, er wolle sich einfach an der Wärme erholen und dabei viel lesen. Recht haben alle ein bisschen.