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Verschwundenes Land. Verwundete Seele.

Goran Vojnović: Vaters Land. Roman. Aus dem Slowenischen von Klaus Detlef Olof. 256 S.

Was, wenn der geliebte Vater im Krieg gar nicht gefallen ist? Was, wenn er sich irgendwo versteckt? Was, wenn der längst erwachsene Sohn das Bild seines Erzeugers komplett revidieren muss? Was, wenn dieser unsägliche Gräueltaten begangen hat? Auf diesen Fragen baut der Roman «Vaters Land» des slowenischen Filmemachers und Autors Goran Vojnović auf. So viel vorweg: Dem 1980 in Ljubljana geborenen Künstler ist ein grossartiges Stück Belletristik gelungen. Eines, das sich bald bitterernst, bald hochkomisch der Geschichte von Jugoslawiens Zerfall annimmt.

Elf Jahre alt ist Vladan Borojević, als er in Kroatien zusammen mit seiner slowenischen Mutter und dem serbischen Vater einen Lastwagen der Jugoslawischen Volksarmee besteigt – gelenkt von einem kosovo-albanischen Soldaten. Dieser bringt die Familie nach Belgrad, der Hauptstadt eines auseinanderbrechenden Staates. Hier soll der Vater – Berufsoffizier der JVA – auf weitere Befehle warten. Hier sieht ihn der Sohn zum letzten Mal. Dann die Nachricht, Oberst Borojević sei in Kroatien umgekommen, im heroischen Kampf für die Heimat. Fortan verbringt Vladan sein Leben mit einer restlos überforderten Mutter – zu sehr mit sich und dem Verlust des Mannes beschäftigt, um sich auch noch um die Fragen des Kleinen kümmern zu können.

Jahre später googelt der Sohn – mittlerweile rast- und orientierungsloser Student – den Namen seines Vaters. Der soll nicht tot sein, findet er in den Tiefen des Internets heraus, sondern ein flüchtiger Kriegsverbrecher; verfolgt vom internationalen Tribunal, geschützt vom lokalen Geheimdienst und alten Freunden. Vladan begibt sich auf die Suche.

Goran Vojnović gelingt es, die komplexe Materie des auseinanderbrechenden Vielvölkerstaates anhand einer menschlichen und hochsensiblen Geschichte zu erzählen. Jener des Jungens, der sein Land liebte und den aufkeimenden Nationalismus nicht zu verstehen vermochte; des jungen Mannes, dessen Leben und Familie zusammen mit der Heimat zerbrochen waren.

Selbst wenn es mitunter gewisse Vorkenntnisse über den einstigen Tito-Staat voraussetzt, ist das Buch auch Nicht-Jugonostalgikern wärmstens zu empfehlen. Nicht zuletzt wegen des herrlichen schwarzen Humors. Aber auch wegen der sorgfältigen Skizzierung von Vladans verwundeter Seele; und einer traumhaften Liebesgeschichte, die in der Handlung mitfliesst.

Ein Auszug aus «Vaters Land» hat es ob seiner Romantik in unsere Liebesgeschichten für den eiligen Leser geschafft.

Jugonostalgie zum Zweiten

Im letzten Beitrag  haben wir eine Fotostrecke über jugoslawische Denkmäler empfohlen. Nun wollen wir auf einen Blog aufmerksam machen, der exakt auf die Kerninteressen Herr Kollers zugeschnitten ist:

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Er vereint die zwei grossen Leidenschaften: Ex-Jugoslawien und Luftfahrt. Mehr noch, darauf sind auch Fotos aus verflossenen Jahren zu finden, was wiederum des Historikers Herz höher schlägen lässt.

Etwa diese Perle:

Bildschirmfoto 2014-11-27 um 10.15.54 (2)Eine DC 10-30 der Jugoslovenski Aerotransport (JAT) – heute Air Serbia – wird auf dem Flughafen von Ljubljana beladen. Das Bild entstand in den 1980er-Jahren.

Mehr historische Fotos gibt es hier:

Gigantisch, futuristisch, zerfallend

Die Fotostrecke auf Spiegel-Online ist zwar schon mehr als vier Jahre alt. Wegen ihrer spektakulären Bilder wollen wir sie nun doch einmal erwähnen, nachdem wir in vergangener Zeit immer wieder auf sie gestossen sind.

Im Zentrum stehen die bizarren – je nach Ansicht schreiend hässlichen oder unglaublich schönen – Denkmäler, mit denen Jugoslawien in den 1970er-Jahren Gräuel- und Heldentaten des Zweiten Weltkriegs gedachte.

"Steinerne Blume"Bogdan Bogdanović: Steinerne Blume.

Eines dieser gigantischen Bauwerke ist die «Steinerne Blume» des serbischen Architekten Bogdan Bogdanović. Sie steht im kroatischen Jasenovac. Hier betrieben die faschistischen kroatsichen Ustaše im Zweiten Weltkrieg ein Konzentrationslager, in dem nach seriösen Schätzungen bis zu 80’000 Menschen ums Leben kamen – vor allem Juden und Serben.

Viele der Bauwerke befinden sich heute in einem schlechten Zustand. Jugoslawiens Nachfolger tun sich schwer mit dem Erbe des zerfallenen Vielvölkerstaates. Schade, findet Herr Koller. Als hoffnungsloser Jugonostalgiker und Liebhaber futuristischer Bauten im Stil des Brutalismus kann er nicht genug kriegen von solchen Monumenten.

Zu sehen sind sie hier.

Die allerletzten Tage

Der ewige Student: Koller geht an die Uni.

Mit dieser Text-Bild-Kombination wurden die Leser von igosana.ch im November 2007 begrüsst. Damit kündigte David Koller an, dass er sich ein zweites Mal für ein Studium eingeschrieben hat.

Nun stimmt es uns schon ein bisschen wehmütig, dass diese Zeit in einer Woche vorbei sein soll. Dann nämlich absoviert Koller seine zweite Masterprüfung. Die erste legte er heute (Freitag, 13. Dezember) ab. Abgesehen davon, dass er einmal mehr feststellen musste, wie hochgradig feinmotorisch gestört er doch ist – der binnen vier Stunden von Hand zu verfassende politikwissenschaftliche Essay sah absolut scheusslich aus, ein regelrechtes kalligrafisches Massaker wars –, ist Herr Koller mit seinem Elaborat mehr oder weniger zufrieden.

In einer Woche sind dann mehr mündliche als schreiberische Fähigkeiten gefragt. Dann nämlich steht eine einstündige Diskussionsrunde über die Geschichte Jugoslawiens sowie der ukrainischen Nationalbewegung an.

Danach wird igosana.ch wieder weniger vernachlässigt und die andauernde Abkocherei abgelutschter Themen hat ein Ende. Versprochen!

Als kleines Trostpflaster haben wir heute – reichlich verspätet – unsere wunderbar kitschige Weihnachtsdekoration eingeschaltet.